Schluss mit der Blutkohle!

1,4 Mio. Tonnen Steinkohle hat EnBW im Jahr 2015 im kolumbianischen Cesar gekauft. Das muss aufhören! Gerade EnBW als Energieversorger in öffentlicher Hand sollte die Lieferbeziehungen zu den Kohlelieferanten Drummond und Prodeco/Glencore unterbrechen, bis die Vorwürfe der Menschen vor Ort untersucht und konkrete Maßnahmen zugunsten der Opfer eingeleitet wurden.

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UPDATE

Am 7. Januar 2017 erreichten uns erneut erschütternde Nachrichten aus der Kohleregion Cesar in Kolumbien. Ein Vertreter der Zivilgesellschaft wurde ermordet: Aldemar Parra García, einer der Führungspersonen der Gemeinde El Hatillo. Er setzte sich für faire Bedingungen bei der Umsiedlung der Gemeinde ein - El Hatillo muss den nahen Kohleminen weichen. Die Täter setzten mit der Erschießung von Aldemar Morddrohungen in die Tat um (Mehr Informationen). Vier Monate zuvor war in der gleichen Region Néstor Martínez, ein Gegner der Minenexpansionspläne des US-Konzerns Drummond, vor seinem Haus erschossen worden (Pressemitteilung). Wir sind traurig und erschüttert über die Morde in Cesar. Gleichzeitig sind wir fest entschlossen, den Druck auf deutsche Energieversorger zu erhöhen. EnBW, RWE, Uniper und Vattenfall dürfen dem Morden nicht weiter zusehen! Sie müssen Kohle-Lieferbeziehungen unterbrechen, bis die Sicherheit von Gemeindevertretern und Gewerkschaftern vor Ort garantiert wird!  

HINTERGRÜNDE

Ein Animationsfilm unseres Kampagnenpartners PAX erklärt den Zusammenhang zwischen billigem Kohlestrom in Europa und der Gewalt in Kolumbien. urgewald stellt auf dieser Seite weitere Informationen zur Verfügung und gibt Tipps, wie StromkundInnen Blutkohle bei ihrem Versorger vermeiden können.

Mord und Vertreibung für Kohle

Zehntausende Menschen haben in der Bergbauregion Cesar im Norden Kolumbiens stark unter paramilitärischer Gewalt gelitten. Aus dieser Region beziehen europäische Energieversorger einen großen Teil ihrer Kohle. Zwischen 1996 und 2006 wurden mindestens 3100 Menschen ermordet und 55.000 Bauern von ihrem Land vertrieben. 240 Menschen sind verschleppt worden und verschwunden. Zahlreiche ehemalige Täter haben unter Eid ausgesagt, dass die Bergbaukonzerne Drummond (USA) und Prodeco/Glencore (Schweiz) die paramilitärischen Kräfte unterstützt haben: mit Finanzierung, Ausrüstung und Informationen. Während die Bergbaukonzerne bis heute jede Beteiligung bestreiten, werden die Opfer von Menschenrechtsverletzungen, die für ihre Rechte eintreten, nach wie vor bedroht. 

Aktuelle und Hintergrundinformationen zum Thema finden Sie auf www.bloodcoal.org. Dort erhalten Sie auch den Report "Civil Society Under Threat" von PAX, der die die zahlreichen Übergriffe auf zivilgesellschaftliche Akteure in der Region zwischen 2012 und 2016 in Zahlen dokumentiert.

Verantwortung deutscher Energieversorger

Die urgewald-Recherchen zeigen: Seit Jahren gehören die deutschen Stromversorger E.ON/Uniper, RWE, EnBW und Vattenfall zu den besten Kunden von Drummond und Prodeco/Glencore. Sie kaufen jedes Jahr viele Millionen Tonnen Steinkohle aus Cesar. urgewald informiert regelmäßig auf den Hauptversammlungen von EnBWE.ON/UniperRWE und Vattenfall darüber und lädt Betroffene ein, um dort zu sprechen. In diesem Jahr hat Maira Mendez auf den Hauptversammlungen von RWE, EnBW und Vattenfall berichtet. Sie lebt im Cesar und musste im Jahr 2001 mit ansehen, wie Paramilitärs ihren Vater Candido Mendez erschossen. Als Kohle-Gewerkschafter stand er im Fadenkreuz der Mörderbanden. Heute unterstützt seine Tochter die Opfer paramilitärischer Gewalt und fordert Wahrheit und Gerechtigkeit.

Die deutschen Konzerne verstecken sich bisher hinter Scheinlösungen: Zwar hat der öffentliche Versorger EnBW im letzten Jahr ‚Leitsätze für eine verantwortungsvolle Beschaffung‘ verabschiedet. Diese sind bisher aber nur ein Feigenblatt für ‚business as usual‘, denn ausgerechnet bei Drummond und Prodeco/Glencore hat die EnBW letztes Jahr 1,4 Millionen Tonnen Steinkohle eingekauft. Die Konkurrenten E.ON, RWE und Vattenfall wiederum schieben ihre Konzerninitiative "Better coal" vor. Diese soll angeblich die Situation für Menschen in den Kohleförderregionen (etwa Kolumbien oder Russland) verbessern, ist aber nicht bereit, die oben genannten Menschenrechtsverletzungen zu thematisieren. "Die Konzerne nutzen die Initiative als Feigenblatt und zur Imageverbesserung“, konstatierte Katrin Ganswindt, Kohle-Campaignerin bei urgewald, im Jahr 2015. 

Hintergrundinformationen finden Sie in der Broschüre Bitter Coal (FIAN Deutschland & urgewald, April 2013) sowie im englischsprachigen Report "Vattenfall's Dark Side" (urgewald, April 2016).

Dong Energy zeigt: Es geht auch anders

PAX und urgewald verlangen, dass die europäischen Stromversorger im Einklang mit den UN-Leitprinzipien den eigenen Einfluss bestmöglich geltend machen und umgehend alle direkten und indirekten Kohleimporte von Drummond und Prodeco stoppen - so lange, bis die Vorwürfe in Bezug auf neue paramilitärische Drohungen und Angriffe sowie auf Verstrickungen zwischen illegalen bewaffneten Gruppen und den Bergbaukonzernen untersucht und ausgeräumt sind. Außerdem müssen klare und erkennbare Schritte hin zu einer Abhilfe für die Opfer eingeleitet werden.

Der dänische Energiekonzern DONG Energy hat es vorgemacht. DONG strich Drummond vor zehn Jahren von der Lieferantenliste. Ende 2015 wurden auch die Geschäftsbeziehungen zu Prodeco/Glencore ausgesetzt. Intensive eigene Recherchen hatten ergeben, dass Prodeco/Glencore die Anforderungen an eine verantwortungsvolle Beschaffung nicht erfüllt. Bevor nun wieder Geschäftsbeziehungen aufgenommen werden können, muss Prodeco einen umfangreichen Maßnahmenkatalog umsetzen. Dabei bezieht sich DONG auch explizit auf den Umgang mit den Opfern von Menschenrechtsverletzungen. Auch der italienische Stromversorger ENEL hat Ende Mai eigene Untersuchungen und einen eventuellen Abbruch der Geschäftsbeziehungen angekündigt. Die großen deutschen Energieversorger aber ignorieren die Vorwürfe weiterhin.

Was deutsche StromkundInnen tun können

VerbraucherInnen entscheiden selbst mit, wie Strom produziert wird - und können über die Wahl des Stromanbieters neben Atomkraft auch (Blut-)Kohle als Energieträger ausschließen. Wer bisher bei den großen fossilen und Atomkonzernen EnBW, E.ON, RWE oder Vattenfall unter Vertrag ist, sollte über einen Wechsel nachdenken. Diese bieten zwar selbst bzw. über Tochterfirmen umweltfreundlich klingende Produkte an, das Geld aber fließt an die Mutterkonzerne und damit zum Teil wieder in Atomkraft oder Blutkohle.

Was ist Ökostrom?

  • Im Kern gehören Sonnenenergie, Windkraft, Wasserkraft, Geothermie und Biomasse dazu.
  • Auch die dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung zählt zum Ökostrom, bei der in hoch effizienten "Blockheizkraftwerken" Strom und gleichzeitig Wärme produziert wird.

Einen guten Ökostromanbieter zeichnen drei Eigenschaften aus:

  1. Er ist unabhängig von Kohle- und Atomwirtschaft
  2. Er investiert in neue ökologische Kraftwerke
  3. Er produziert keinen radioaktiven Müll und spart mindestens zwei Drittel CO2 gegenüber einem konventionellen Anbieter ein

(Siegel sind ein zusätzlicher Hinweis auf gute Ökostromanbieter. Zu den strengeren zählen das "Grüner Strom Label" sowie das "OK Power"-Siegel. Sie legen strengere Richtlinien an als die Siegel der TÜVs.)

Wer bietet guten Ökostrom an?

Es gibt vier Anbieter, die deutschlandweit Ökostrom anbieten und den oben genannten Kriterien entsprechen*:

  1. EWS Schönau
  2. Greenpeace Energy
  3. Lichtblick
  4. Naturstrom

(* Zu diesen haben wir im Rahmen der Kampagne "Stromwechseln hilft" in den Jahren 2008/2009 Recherchen durchgeführt, auf denen diese Empfehlung basiert)

Auch diese Anbieter erfüllen die Kriterien**:

    5. Mann Naturenergie
    6. Polarstern

(** ohne tiefere Recherche durch urgewald. Hier beziehen wir uns vorwiegend auf Recherchen unseres Partners Robin Wood)

Wichtige Hinweise: 
Da immer wieder neue Ökostrom-Anbieter und -Modelle auf den Markt kommen, hat diese Aufführung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es lohnt sich, auch selbst nach guten Ökostromanbietern zu recherchieren. Auch regionale Versorger haben zum Teil "echten" Ökostrom im Angebot.