Die Global Oil and Gas Exit List

Ölplattform
Oil platform in the Gulf of Thailand. Credit: istock

Die Global Oil and Gas Exit List (GOGEL) ist die weltweit die erste öffentliche, umfangreiche Datenbank zu Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie. GOGEL umfasst derzeit 887 Unternehmen und bildet damit knapp 95% der weltweiten Öl- und Gasproduktion ab. Nutzer*innen der Datenbank, insbesondere aus der Finanzindustrie, können mit GOGEL die Öl- und Gasfirmen mit den größten Expansionsplänen sowie mit den umstrittensten Formen der Öl- und Gasförderung leicht identifizieren.

GOGEL soll die Entwicklung sinnvoller Öl- und Gas-Richtlinien im Finanzsektor beschleunigen. GOGEL deckt 94% des Upstream Öl- und Gassektors, 91% der geplanten LNG-Terminal-Kapazität und fast 75% der Entwicklung neuer Öl- und Gaspipelines ab. Zusätzlich hebt GOGEL auch die Beteiligung von Unternehmen an Projekten mit hohem Reputationsrisiko hervor. Dazu gehören Projekte, die gewaltsame Konflikte verschärfen, immense soziale oder ökologische Schäden verursachen oder durch Gerichtsverfahren und den Widerstand von Gemeinden angefochten werden. Dieser Teil der Datenbank wird im Laufe des Jahres auf der GOGEL-Webseite aktualisiert und ergänzt.

Dies ist die Datenbank, auf die wir alle gewartet haben. Sie ist öffentlich, sie ist akribisch recherchiert und sie ist ein wesentliches Instrument, das uns hilft, das Zeitalter der fossilen Brennstoffe zu beenden.

Tom Kruse, Rockefeller Brothers Fund
Pipeline um die Erde

Unsere Rechercheergebnisse sind erschreckend: die Branche befindet sich insgesamt auf einem rücksichtslosen Expansionspfad. Mehr als 95% der in der Datenbank gelisteten Öl- und Gasunternehmen im Upstream-Bereich suche weiterhin nach neuen Reserven bzw. bereiten die Förderung vor. GOGEL führt insgesamt 387 Unternehmen auf, deren durchschnittliche Investitionsausgaben (CapEx) für die Öl- und Gasexploration mehr als 10 Millionen US-Dollar pro Jahr betrugen. In den letzten drei Jahre wurden insgesamt 168 Milliarden US-Dollar für Öl- und Gasexploration ausgegeben.

Viele Öl- und Gasunternehmen sind notorisch intransparent hinsichtlich ihrer Expansionspläne. GOGEL verwendet daher die renommierte Datenbank von Rystad Energy aus Norwegen, um zu ermitteln, welche neuen Öl- und Gasreserven in naher Zukunft in Produktion gebracht werden sollen. Die Analyse zeigt: 506 Upstream-Öl- und Gasproduzenten planen, ihr Produktionsportfolio innerhalb der nächsten 1 bis 7 Jahre um 190 Milliarden Barrel Öläquivalent (bboe) zu erweitern.

GOGEL listet alle Unternehmen auf, die mindestens 100 Kilometer neue Öl- oder Gaspipelines bauen. Derzeit befinden sich 211.849 km an Öl- und Gaspipelines in der Entwicklung. Das ist quasi die halbe Strecke von der Erde bis zum Mond, oder über fünf mal um den Äquator herum.

LNG Terminals mit großem Schatten

GOGEL listet alle Unternehmen auf, die LNG-Terminals mit einer Gesamtkapazität von mindestens 1 Million Tonnen pro Jahr (Mtpa) entwickeln. Ab 2021 sind neue LNG-Terminals mit einer Gesamtkapazität von 1.349 Mtpa geplant oder in der Entwicklung. Bei vollständiger Realisierung dieser Projekte würde sich die weltweite LNG-Terminalkapazität verdoppeln.

Die Öl- und Gasförderung wird zunehmend extremer, da die Produzenten in empfindlichen Gebieten wie der Arktis bohren, umstrittene Fördermethoden wie Fracking anwenden oder Öl- und Gasvorkommen erschließen, die einen besonders großen ökologischen Fußabdruck hinterlassen, wie z. B. Teersande oder Kohleflözgas. Nach GOGEL-Daten beruhen 35% der derzeitigen Öl- und Gasproduktion und sogar 50% der Expansionsprojekte auf solchen unkonventionellen Quellen.

GOGEL deckt sechs Kategorien von unkonventioneller und besonders umstrittener Öl- und Gasförderung ab: Fracking, Teersande, Schwerstöl, Kohleflözgas, Öl und Gas aus der Arktis sowie aus Tiefstwasserbohrungen (1.500 Meter oder tiefer unter dem Meeresspiegel). 

Wann werden bei der Finanzindustrie den Worten endlich Taten folgen?

Trotz einer Flut von Netto-Null-Allianzen und Erklärungen von CEOs zum Klimaschutz weigert sich die überwiegende Mehrheit der Finanzinstitute immer noch das Offensichtliche zu tun: Ihre Unterstützung für die Expansion von Öl und Gas zu beenden und Kunden auszuschließen, die keine Pläne haben, ihre Produktion im Einklang mit dem 1,5°C-Ziel herunterzufahren.

Eine Bank, die beschlossen hat, diesen Weg zu gehen, ist La Banque Postale, die elftgrößte Bank in der Eurozone. Im Oktober 2021 kündigte sie an, ihre Finanzdienstleistungen für alle Unternehmen, die am Ausbau der Öl- und Gasindustrie beteiligt sind, einzustellen und sich bis 2030 aus der gesamten Branche zurückzuziehen. Skender Sahiti Manzoni von der Banque Postale sagt: „Wir begrüßen die Veröffentlichung der Global Oil and Gas Exit List von urgewald. Sie wird eine wichtige Ressource für die Umsetzung unserer Entscheidung sein.“