Deutsche Bank

Deutschlands größte (Kohle-)Bank

Wie ernst meint es die Deutsche Bank mit ihrem Nachhaltigkeits-Ehrgeiz?

Deutsche Bank finanziert RWE, Adani und Exxon

Christian Sewing, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, erklärte kürzlich, dass die Deutsche Bank den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit mitgestalten will und sich klare Ziele hierfür setzt: „Wir wollen bis 2025 mindestens 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen und Anlageprodukten im Bereich Umwelt und Soziales, kurz ESG, generieren“, so Sewing. Über den Fortschritt soll öffentlich berichtet werden.

Bedeutet dies, dass die Bank, die bisher in Sachen Nachhaltigkeit anderen europäischen Banken hinterher hinkt, nun ihren Kurs ändert?

Wahrscheinlich eher nicht. Denn außer der Ankündigung von 200 Milliarden bis 2025, was etwa 33 Milliarden pro Jahr sind, gibt es noch keine weiteren Details.

Etwa was die Deutsche Bank zur nachhaltigen Finanzierung zählt. Sie bezieht sich auf die EU-Taxonomie und eigene Kriterien sowie einen Nachhaltigkeitsrahmen, der später im Jahr veröffentlicht werden soll. Somit ist es aktuell schwierig zu beurteilen wie ernst die Bank die eigenen Nachhaltigkeits-Ambitionen nehmen will.

Für uns als Umweltorganisation stellt sich vor allem die Frage, was als nachhaltige Finanzierung gelten wird. Wird zum Beispiel ein Unternehmen wie RWE in der Lage sein, Geld für den Ausbau seines Anteils an erneuerbaren Energien als nachhaltige Finanzierung zu erhalten und gleichzeitig seine Braunkohlekraftwerke bis 2038 weiter zu betreiben? Oder ein Unternehmen wie das indische Unternehmen Adani, das die umstrittene Carmichael-Mine in Australien baut und ein neues Kohlekraftwerk sowie einen neuen Kohlehafen in Indien errichtet. Der Adani-Konzern hat einen Bereich für erneuerbare Energien. Könnte die Ausweitung dieses Geschäfts als nachhaltige Finanzierung in Frage kommen? Aus unserer Sicht muss es sehr klare rote Linien dafür geben, welche Aktivitäten finanziert werden können und welche Unternehmen finanziert werden können oder nicht, das heißt: welche Geschäftsmodelle von Unternehmen zu un-nachhaltig sind, als dass das Unternehmen durch eine nachhaltige Finanzierung unterstützt werden könnte, wie die RWEs und Adanis dieser Welt.

Neben der nachhaltigen Finanzierung ist außerdem unklar, was mit den anderen Finanzierungen der Deutschen Bank geschieht. Selbst wenn die nachhaltige Finanzierung am Ende wirklich nur saubere Projekte und Unternehmen unterstützen würde, wird diese positive Wirkung eindeutig untergraben, wenn die normale Finanzierung weiterhin die Verbrennung fossiler Brennstoffe unterstützt.

Deutsche Bank gehört zu den schmutzigsten Banken

Rainforest Action Network und anderen Organisation haben im März 2020 "Banking on Climate Change" veröffentlicht. Dieser Bericht befasst sich mit der Finanzierung von Projekten und Unternehmen im Bereich fossile Brennstoffe. Und obwohl die Deutsche Bank ihre Gesamtfinanzierung fossiler Brennstoffe in den letzten vier Jahren reduziert hat, ist sie immer noch ein wichtiger Akteur in diesem Geschäft. Die gute Nachricht ist, dass sie nicht zu den größten Akteuren weltweit gehört, das sind JPMorgan Chase, Wells Fargo, Citi und Bank of America. Aber unter den europäischen Banken ist die Deutsche in den letzten vier Jahren immer noch die Nummer 5. In speziellen Bereichen wie bei der Finanzierung von arktischem Öl und Gas ist sie sogar weltweit die Nummer 3. Der Trend der letzten Jahre geht also zwar in die richtige Richtung, muss aber schneller und stärker werden, wenn die Deutsche Bank bei ihren Klimazielen ernst genommen werden will.

Während in den jüngsten Ankündigungen von einer Öl- und Gaspolitik die Rede ist, fehlt es auch hier an Details darüber, wie die aussehen soll. Ob sie etwa bestimmte Teilsektoren wie Offshore- oder arktisches Öl und Gas oder Teersande ausschließen wird. Und ob nur Projekte betrachtet werden, oder auch Öl-Unternehmen berücksichtigt werden sollen.

Schwache Kohlepolitik

Dies ist wichtig, wie die bestehende Kohlepolitik der Deutschen Bank zeigt. Sie soll überarbeitet werden. Aktuell schließt sie die Finanzierung neuer Kohlekraftwerke, die Erweiterung bestehender Kohlekraftwerke und neue Kohleminen aus. Das ist ein positiver Schritt, aber aktuellere Policies anderer Banken enthalten auch Ausschlüsse für Kohleunternehmen. Sie nicht auszuschließen, ist ein großes Schlupfloch, wie die Finanzierung japanischer Kohlefirmen, die neue Kohlekraftwerke bauen wollen, zeigt.

Indien ist ein weiteres Beispiel: Im vergangenen Jahr beteiligte sich die Deutsche Bank an einer Anleiheemission für das indische Unternehmen Adani. Sie war für den Bereich Häfen und Sonderwirtschaftszonen von Adani bestimmt und eine Verwendung außerhalb Indiens offenbar verboten, um sicherzustellen, dass das Geld nicht für die Carmichael-Mine in Australien verwendet wird. Aber auch ohne die direkte Unterstützung der Carmichael-Mine ist Adani ein Unternehmen mit umstrittenen Kohleprojekten in Indien und mit einer sehr schlechten Klimabilanz. Daher muss die überarbeitete Kohlepolitik der Deutschen Bank auch Kohle-Unternehmen ausschließen.

WANTED in unserer Reihe "Banks against Future" - Die Deutsche Bank

Kohle

Die Deutsche Bank finanziert direkt keine neuen Kohlekraftwerke mehr. Aber sie stellt den Unternehmen, die diese Kraftwerke bauen, bereitwillig Geld zur Verfügung: Seit 2015 hat die Deutsche Bank über Kredite oder Ausgabe von Aktien und Anleihen diese Firmen mit 6,13 Mrd. Euro finanziert (Quelle: Kredite und Aktien- und Anleihenausgabe 2016- 2019: www.coalexit.de). Auch hat die Deutsche Bank im Juli 2019 dem indischen Unternehmen Adani, über die Ausgabe einer Anleihe, kurzerhand geholfen 81,25 Millionen US Dollar am Kapitalmarkt aufzunehmen. Die Deutsche Bank sagt, dass das Geld Indien nicht verlassen darf und somit nicht für den Bau der Carmichael-Mine in Australien verwandt werden kann. Solche allgemeine Unternehmensfinanzierungen setzen in der Firma jedoch Gelder frei, die dann an anderer Stelle auch für den Bau der Carmichael-Mine eingesetzt werden können. Zudem ist die Deutsche Bank die größte Geldgeberin von RWE, Europas größtem Klimakiller und von Uniper, die in diesem Jahr mit Datteln IV noch ein Kohlekraftwerk in Deutschland ans Netz genommen haben (Quelle: Fools Gold 2020, Zeitraum 2013- 2018).

Rüstung

Lange hat die Deutsche Bank, als letzte deutsche Bank, an der Finanzierung von Unternehmen festgehalten die international geächtete Streumunition herstellen. Seit 2011 sind diese nun ausgeschlossen. Im Mai 2018 kündigte die Bank einen Ausstieg aus Atomwaffenherstellern an. Leider enthält dieser Ausschluss große Schlupflöcher – explizit ausgeschlossen werden lediglich Konzerneinheiten, die direkt an der Produktion von Atomwaffen beteiligt sind. Für ihren Vermögensverwalter DWS gilt der Atomwaffen-Ausschluss nicht.

Die Deutsche Bank unterhält dementsprechend weiterhin regelmäßige Geschäftsbeziehungen mit den weltweit größten Rüstungsunternehmen Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, Raytheon and General Dynamics. Diese fünf Firmen sind für fast 60% aller Waffenumsätze der Top100-Rüstungsfirmen verantwortlich und konnten ihren Umsatz im letzten Jahr um 7 % steigern. Alle genannten Firmen arbeiten daran, modernere und autonome(re) Generationen von Waffensystemen (inkl. Atomwaffen) zu produzieren. Mit Ausnahme von Northrop Grumman, lieferten alle Unternehmen in den letzten Jahren Rüstungsgüter, von Kampfflugzeugen bis Munition, an kriegsführende Staaten. Darunter die Jemen-Kriegsparteien Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabische Emirate oder Ägypten. Die Deutsche Bank trägt damit Mitverantwortung für den Tod vieler jemenitischer Zivilist*innen infolge von Luftangriffen durch das saudische Militär.