Commerzbank: Nachhaltiger Anspruch, dreckige Realität

Pressemitteilung
Frankfurt 18.05.2021

Zur heutigen Hauptversammlung der zweitgrößten Privatbank Deutschlands fordert urgewald gemeinsam mit der Fridays-for-Future-Bewegung eine Paris-kompatible Klimastrategie vom neuen Konzernchef Manfred Knof.

Bereits am vergangenen Freitag hat Fridays For Future deutschlandweit unter dem Motto #KeineKohleFürDieKohle gegen klimaschädliche Finanzgeschäfte der Commerzbank demonstriert.[1] In bundesweit über 50 Städten gab es Aktionen vor Commerzbank-Filialen.

Eine urgewald-Analyse von Ende Februar hat enthüllt, dass die Bank in den vergangenen zwei Jahren mit Krediten in Höhe von 4,2 Milliarden Euro größte deutsche Kreditgeberin der globalen Kohleindustrie war – international rangiert sie auf Platz 13 und ist damit die einzige deutsche Bank unter den 30 größten Kreditgeberinnen.[2] Unter anderem unterstützte sie Kohle-Schwergewichte wie Anglo American, Glencore und RWE.

Möglich wird das durch die sehr lückenhafte Kohle-Ausschlussrichtlinie der Bank aus dem Jahr 2016.[3] Diese schließt Energieunternehmen aus, die mehr als 30 Prozent Kohle im Energiemix haben. Der große Haken: Die Richtlinie gilt bisher nur für Neukund*innen und erst ab nächstem Jahr für sämtliche Kund*innen. Bei Unternehmen außerhalb Deutschlands gilt sogar ein großzügigerer Schwellenwert von 50 Prozent. Die direkte Finanzierung neuer Kohlekraftwerke und –minen schließt die Commerzbank zwar aus. Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke bauen, können jedoch grundsätzlich weiter von ihr Geld erhalten.

Damit steht die Bank in klarem Widerspruch zu ihren Klima-Verlautbarungen. Ihre Mitgliedschaften in Initiativen wie der „Task Force on Climate-Related Financial Disclosures“, der „Klimavereinbarung des deutschen Finanzsektors“, der „Science Based Targets initiative“ und dem „UN Global Compact“ hat leider noch nicht dazu geführt, dass sie ihre fossilen Geschäfte Paris-konform reduziert.

Kathrin Petz, Finanz-Campaignerin bei urgewald, sagt: „Anstatt sich immer weiteren Initiativen anzuschließen, sollte die Commerzbank lieber ambitionierte Richtlinien zum Ausschluss fossiler Geschäfte formulieren. Sich zum Pariser Klimaziel zu bekennen, aber weiter Kohleschwergewichte wie Glencore, RWE und Anglo American zu finanzieren, passt nicht zusammen.“

Neue Daten, die auf einer im Dezember veröffentlichten Studie[4] basieren, belegen, wie stark die Commerzbank auch die Expansion der Öl- und Gasindustrie unterstützt. So ist die Bank durch ihre Finanzgeschäfte mit Öl- und Gaskunden wie BP, Siemens oder BASF in 9 von 12 untersuchte fossile Mega-Expansionsprojekte involviert – darunter den Öl- und Gas-Komplex Vaca Muerta in Argentinien, der CO2-Emissionen in Höhe von bis zu 8,7 Gigatonnen verursachen könnte (für Details, siehe Anhang der beigefügten Pressemitteilung). Wenn solche Projekte Realität werden, sind die Pariser Klimaziele nicht mehr zu erreichen.

Carla Reemtsma von Fridays For Future sagt: „Schöne Worte für das Klima reichen nicht. Wir brauchen konkret messbare Taten. Die Commerzbank muss aufhören diejenigen mit Geld zu versorgen, die unserer Zukunft im Weg stehen. Sie muss schnellstmöglich einen Ausstiegsplan aus jeglicher Kohle-, Öl- und Gasfinanzierung beschließen. Dies wird eine der wichtigsten Aufgaben für den neuen CEO Manfred Knof sein.“

Auch bei der Finanzierung von Rüstungs-Unternehmen fehlt der Commerzbank noch immer ein moralischer Kompass. Zwar schließt sie die Finanzierung von Rüstungslieferungen in Konflikt- und Spannungsgebiete aus.[5] Firmen wie BAE Systems oder Rheinmetall, die in Konflikt- und Spannungsgebiete liefern, finanziert die Commerzbank aber weiterhin.

Bei kontroversen Waffen zeigt der Praxis-Check, dass die Commerzbank weiter an Atomwaffenherstellern wie Airbus und BAE Systems festhält. Die Konzerne müssen lediglich zusichern, das Geld nicht für Atomwaffengeschäfte zu nutzen.

Dazu sagt Kathrin Petz von urgewald: „Solange die Bank solche Firmen weiter unterstützt, können wir ihre angeblichen moralischen Ansprüche nicht ernstnehmen. Umfragen zeigen eindeutig, dass Kund*innen Finanzgeschäfte zugunsten von Krieg ablehnen. Commerzbank-Chef Knof sollte die Rufe erhören und unethische Geschäfte mit Rheinmetall und Co. beenden.“

 

Kontakte

Kathrin Petz | Finanz-Campaignerin, urgewald
0152 02149341, kathrin.petz@urgewald.org

Carla Reemtsma | Fridays For Future
0152 54610930

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[1] Vgl. Mobilisierungsvideo: https://pt-br.facebook.com/fridaysforfuture.de/videos/271270754696536/?__so__=permalink&__rv__=related_videos

[2] Vgl. https://urgewald.org/medien/globale-recherche-belegt-banken-steigern-kohlefinanzierung-trotz-klimazusagen

[3] Vgl. https://www.commerzbank.de/de/nachhaltigkeit/nachhaltigkeitsstandards/positionen_und_richtlinien/positionen_und_richtlinien.html

[4] Five Years Lost – How Finance is Blowing the Paris Carbon Budget: https://urgewald.org/sites/default/files/media-files/FiveYearsLostReport.pdf

[5] Vgl. https://www.commerzbank.de/de/nachhaltigkeit/nachhaltigkeitsstandards/positionen_und_richtlinien/positionen_und_richtlinien.html

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    Bild Anprechpartner   Stefanie Jellestad

    Stefanie Jellestad
    Pressesprecherin
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