Thyssenkrupp muss seiner Verantwortung nach Dammbruch in Brasilien gerecht werden

Pressemitteilung
Bochum/Essen ,  31.01.2019

Hauptversammlung in Bochum

Kaum zwei Jahre ist es her, dass sich Thyssenkrupp einer „bleischweren“ Altlast in Brasilien entledigt und das Stahlwerk TKCSA verkauft hat - schon droht neues Unheil. Der vor wenigen Tagen geborstene Damm der Eisenerzmine Córrego do Feijao in Brasilien, durch den nach derzeitigem Stand mindestens 84 Menschen getötet wurden, wurde von der früheren Konzerntochter Ferteco Mineração gebaut und gehörte dem Konzern bis 2001.

„Wir erwarten von Thyssenkrupp eine umfassende Kooperation bei der Klärung der Ursachen für den Dammbruch. Es muss geprüft werden, ob das Unternehmen bei Bau und Wartung damals sauber gearbeitet hat“, sagt Tilman Massa vom Dachverband der Kritischen Aktionär*innen aus Anlass der morgigen Aktionärsversammlung von Thyssenkrupp in Bochum. Dort will der Dachverband zusammen mit der Menschenrechtsorganisation urgewald Kritik an Auslandsgeschäften des Konzerns üben.

Für Kritik sorgen auch die Rüstungsexportgeschäfte des Konzerns: Die für Korruptions- und weitere Reputationsrisiken berüchtigte Marinesparte will der neue Konzernchef Guido Kerkhoff trotz des laufenden Konzernumbaus weiterführen, dem Bereich Überwasserschiffbau möchte er sogar wieder ein größeres Gewicht geben.

„Thyssenkrupp setzt im Marinegeschäft weiter auf Export und nimmt dafür die Aufrüstung autokratischer Regierungen wie in der Türkei und Ägypten in Kauf“, kritisiert urgewald-Campaignerin Kathrin Petz. „Neben der menschenrechtlich verheerenden Bilanz liefern auch die blanken Zahlen genug Gründe gegen diese Strategie. Der Projektfortschritt liegt unter, die Kosten liegen über den Erwartungen.“

Beispiel Türkei: Aktuell baut der Konzern gemeinsam mit türkischen Unternehmen sechs U-Boote des Typs 214 in deutscher Lizenz und unterstützt damit den Wunsch der von Recep Tayyip Erdogan regierten Türkei nach rüstungstechnischer Autonomie. Darüber hinaus plant die Konzerntochter TKMS weitere Exportgeschäfte mit türkischen Partnern. Beispiel Ägypten: Obwohl bereits die Lieferung von zwei U-Booten zuletzt massiv in der Kritik stand, sind zwei weitere U-Boote für Ägypten im Bau. Zudem hat der Bundessicherheitsrat vor Kurzem den Export einer weiteren Fregatte des Typs Meko 200 genehmigt.

„Aus Menschenrechtssicht spricht alles gegen eine Aufrüstung des mit harter Hand regierenden Al-Sisi-Regimes, dennoch hofiert Thyssenkrupp Ägypten weiter als Kunden. Dem türkischen Präsidenten Erdogan will der Konzern genau die U-Boote liefern, die er für seine aggressive Außenpolitik braucht“, kritisiert Petz.

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    Moritz Schröder-Therre
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