Hauptversammlung Siemens Energy: Kein fossiler Ausstieg in Sicht

Pressemitteilung
Berlin | München 26.02.2024

Zur heutigen Hauptversammlung des börsennotierten Energiekonzerns Siemens Energy kritisieren die Umweltorganisationen urgewald, Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Dachverband der Kritischen Aktionär*innen den ungebrochenen Fokus des Unternehmens auf fossile Energieträger. Mit 10,9 Milliarden Euro stammte im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als ein Drittel der Umsatzerlöse aus dem Bereich „Gas Services“, davon 4,4 Milliarden Euro aus Geschäften mit Gaskraftwerken.[1]

Dazu sagt Regine Richter, Energie- und Finanzexpertin bei urgewald: 
Ein so starker Fokus auf fossiles Gas ist das Gegenteil eines zukunftsfähigen Geschäftsmodells. Der Neubau von Gaskraftwerken und LNG-Terminals legt die weitere Nutzung von fossilen Energien auf Jahrzehnte fest und ist eine Wette gegen die Erreichung der Pariser Klimaziele. Siemens Energy muss die fossile Vergangenheit schnellstmöglich hinter sich lassen und sich auf echte Zukunftsmärkte wie Erneuerbare konzentrieren“.

Die Beteiligung an LNG-Terminals ist im Siemens Energy-Geschäftsbericht nicht ausgewiesen. Das ist erstaunlich, da CEO Christian Bruch auf der letzten Hauptversammlung auf Nachfragen hin antwortete, dass sich sein Konzern jährlich an 20 bis 30 LNG-Projekten beteilige. 

Constantin Zerger, Bereichsleiter Energie und Klimaschutz bei der DUH fordert: „Dass Siemens Energy im Jahr 2024 weiter Gaskraftwerke bauen möchte, ist ein klimapolitischer Irrweg und widerspricht dem Bekenntnis zu den Pariser Klimazielen. Ein Konzern, der sich nach außen als ambitioniert nachhaltig gibt, jedoch kein 1,5°C-kompatibles Scope-3-Reduktionsziel[2] hat und weiter auf klimaschädliches Erdgas setzt, betreibt Greenwashing. Siemens Energy muss sich hier dringend neu ausrichten und diese klimaschädlichen Projekte sofort beenden.“

Tatsächlich setzt sich der fossile Trend bei Siemens Energy fort: Im Geschäftsbericht stehen weitere Auftragseingänge für Gaskraftwerke in den USA und Brasilien.[3]Zudem belegen Presseberichte und Informationen bei öffentlichen Banken, dass Siemens Energy sich an Gaskraftwerken in Usbekistan[4] und Vietnam[5] beteiligen will. 

Gewöhnlich sucht Siemens Energy für solche Geschäfte eine Absicherung durch Exportkreditbürgschaften der Bundesregierung. Seit November vergangenen Jahres erlauben die klimapolitischen Sektorleitlinien Bürgschaften für neue Gaskraftwerke nur noch unter hohen Auflagen. Dazu gehören niedrige Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus oder die Möglichkeit einer fünfzigprozentigen Umstellung der Kraftwerke auf Wasserstoff bis 2030 (ab 2030 müssen sie 100% H2-ready sein).[6]„Es ist überaus fraglich, ob Siemens Energy diese Voraussetzungen erfüllt“, so Richter.

Das Kapitel Kohle ist zudem noch immer nicht komplett abgeschlossen: Siemens Energy beteiligt sich zwar seit November 2020 nicht mehr an Ausschreibungen für neue Kohlekraftwerke, davor unterbreitete Angebote werden jedoch noch bedient, zum Beispiel der Bau der Kohlekraftwerke Java 9/10 in Indonesien. Auch „Service- und Lösungsgeschäfte“ für existierende Kohlekraftwerke laufen weiter, genauso wie Projekte mit Kraft-Wärme-Kopplung.[7]

Kontakte:

Regine Richter, Energie-Campaignerin, urgewald
0170 293 072 5, regine@urgewald.org

Constantin Zerger, Bereichsleiter Energie & Klimaschutz, DUH
030 2400867-91, zerger@duh.de

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    Bild Anprechpartner   Regine Richter

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    Kampagnen zu öffentlichen Banken
    regine [at] urgewald.org
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