Verpflichtungserklärung der Net Zero Insurance Alliance: Insure Our Future fordert Ausschluss neuer fossiler Projekte

Pressemitteilung
Berlin 11.07.2021

Das Insure Our Future Netzwerk, zu dem urgewald gehört, begrüßt vorsichtig die heute veröffentlichte Verpflichtungserklärung der UNEP Net Zero Insurance Alliance (NZIA). Gleichzeitig fordert das Netzwerk, dass die Gründungsmitglieder ihr Engagement beweisen müssen, indem sie keine neuen Öl- und Gasproduktionsprojekte mehr versichern.

Die acht Erst-Unterzeichner (Allianz, Aviva, Axa, Generali, Munich Re, Scor, Swiss Re, Zurich) verpflichten sich, alle direkten und indirekten Treibhausgasemissionen aus ihrem Versicherungsportfolio zu entfernen, sofern sie nicht mit einem 1,5°C Pfad vereinbar sind. Dies gilt auch für die Emissionen (Scope 1, 2 und 3) ihrer Kunden.

Angelina Dobler, Versicherungs-Campaignerin bei Campax kommentiert:
„Die NZIA Verpflichtungserklärung macht klar, dass der wirkliche Einfluss von (Rück)Versicherern in dem liegt, was sie versichern und was nicht. Dieser ist noch größer als der ihrer Investitionen. Die Unternehmen wissen was zu tun ist, jetzt müssen sie es nur noch machen. Sie müssen aufhören, Kohle- und neue fossile Projekte abzusichern und bestehende Versicherungen in diesem Bereich entsprechend einem 1,5°C Pfad auslaufen lassen.“

Erwan Malary, Versicherungs-Campaigner bei Reclaim Finance sagt:
„Es ist gut, dass Versicherer sich an die Spitze derer setzen wollen, die die Klimakrise bekämpfen. Um jedoch innerhalb des 1,5°C Limits zu bleiben, ist der wichtigste Schritt, keine fossile Expansion abzusichern. Das steht leider so nicht in der Verpflichtungserklärung, sondern der Weg ist den einzelnen Versicherungen überlassen. Besonders besorgniserregend ist, dass der Ausschluss von Kohleversicherungen keine Mindestvoraussetzung für die Teilnahme ist. Alle Gründungsmitglieder sind diesen Schritt gegangen, aber sie müssen das auch von zukünftigen Mitgliedern verlangen.“

Regine Richter, Versicherungs-Campaignerin bei urgewald ergänzt:
„Allianz, Axa, Munich Re und Zurich, vier von acht Gründungsmitgliedern der NZIA, gehören international zu den zehn wichtigsten Schadens- und Unfallversicherern im Öl- und Gasbereich. Sie müssen sich verpflichten, keine neuen Öl- und Gasprojekte abzusichern und das so schnell wie möglich, wenn ihre Klimaambitionen ernst genommen werden sollen.“

Lindsay Keenan, EU Koordinator des Insure Our Future Netzwerks erklärt:
„Wir sind mitten in der Klimakrise und brauchen jetzt schnelle Taten, nicht Erklärungen mit vielen Einschränkungen. Wir hoffen, dass die NZIA Initiative einen positiven Effekt haben wird, werden aber Versicherer - auch die NZIA Mitglieder - weiter an ihren konkreten Policies und Aktionen messen.“

Die NZIA Erklärung beinhaltet den Hinweis, dass das Net-Zero Ziel nur erreicht werden kann, wenn Versicherer und der Finanzsektor, aber auch Aufsichtsbehörden aktiv werden. Diese Aussage unterstreicht Insure Our Future und betont, dass der (Rück)Versicherungsmarkt besser reguliert werden muss, da die Klimakrise für ihn sowohl ein großes Finanzrisiko darstellt, er aber auch selbst dazu beiträgt. Selbstverpflichtungen reichen nicht, um die Klimaauswirkungen und ihr systemisches Finanzrisiko zu reduzieren.

Die Versicherungskriterien, mit denen das 1,5°C Limit eingehalten werden soll, können die Unternehmen selbst festlegen und Unterzeichner können über die Fortschritte nach eigenem Ermessen berichten. Wenn dieser Spielraum missbraucht wird, können die Versicherer die Effektivität der Initiative unterlaufen, während Vorreiter dringend gebraucht werden.

Die Erklärung bezieht sich auf den aktuellen IEA Net Zero Bericht, ohne jedoch seine Schlussfolgerungen aufzunehmen, dass die Erschließung neuer Öl- und Gasressourcen nicht mit dem 1,5°C Limit vereinbar sind. Die Kennzahlen, auf denen die individuellen Unternehmensziele basieren, sollen innerhalb von 18 Monaten nach dem offiziellen Start der Initiative erarbeitet werden. Insure Our Future warnt, dass Kennzahlen wichtig sind, aber nicht die dringend nötigen Aktivitäten wie das Ende der Versicherung von neuen fossilen Projekten verzögern dürfen.

Kontakte:

* Camilla Schramek, Insure Our Future:
camilla.schraemk@sunriseproject.org.au, +45 50 22 92 88 (international & UK)

* Erwan Malary, Reclaim Finance (Frankreich):
erwan@reclaimfinance.org, +33 782 891 080

* Regine Richter, urgewald (Deutschland):
regine@urgewald.org, +49 170 293 0725

* Angelina Dobler, Campax (Schweiz):
adobler@campax.org, +41 177 524 5425

Hintergrund:

Insure Our Future hat seine Forderungen an (Rück)Versicherer früher im Jahr veröffentlicht:

1. Sofortiges Ende von Versicherungen für neue und erweiterte Kohle-, Öl- und Gasprojekte
2. Sofortiges Ende von Versicherungen für Kohleunternehmen, wenn diese keinen Plan für die Schließung aller Kohleanlagen bis 2030 in der EU/OECD und 2040 weltweit haben.
3. Auslaufen von Versicherungen für Öl- und Gasunternehmen entsprechend einem 1,5°C Pfad, dies betrifft alle Unternehmen, die neue/erweiterte Kohle-, Öl- und Gasprojekte planen.
4. Divestieren aller Anlagen in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen, die nicht auf einem 1,5°C Pfad sind. Dies gilt auch für für Dritte verwaltete Anlagen.
5. Alle Initiativen, Mitgliedschaft in Wirtschaftsverbänden und öffentliche Positionierungen als Investor oder Unternehmen in Einklang mit einem 1,5°C Pfad bringen und dies öffentlich tun.
6. Umfassende Projektprüfung und Monitoring entwickeln, damit Kunden keine Menschenrechte verletzen, inklusive dem Recht auf vorher informierte Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent, FPIC) wie in der UN Deklaration der Rechte indigener Völker formuliert.

 

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    Regine Richter
    Kampagnen zu öffentlichen Banken
    regine [at] urgewald.org
    +49 (0)170 2930725

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