Neue Studie: Ölindustrie versagt 
quer durch die Bank in Klimafragen

Pressemitteilung
Washington D.C., Berlin 23.09.2020
  • Keine der untersuchten Ölfirmen auf 1,5 Grad Pfad
  • Unternehmen schließen mit „höchst unzureichend“ oder „unzureichend“ ab
  • Auch BPs kürzlich vorgelegte Klimapläne sind laut der Studie ungenügend


Eine neue Studie der Organisation Oil Change International (OCI) zeigt, dass kein einziger von einer der großen Ölfirmen vorgelegten Klimapläne auch nur ansatzweise 1,5 Grad-Ziel tauglich ist. [1] Der „Big Oil Reality Check“ wurde heute von OCI in Zusammenarbeit mit 30 internationalen Organisation, darunter auch urgewald, veröffentlicht. Die Studie bewertet die Klimapläne von Öl- und Gasfirmen anhand von zehn Kriterien, die mindestens eingehalten werden müssten, um mit dem Pariser 1,5 Grad-Ziel kompatibel zu sein. Die Bereitschaft die Öl- und Gasförderung nicht mehr auszuweiten und bis 2030 die Produktion signifikant einzuschränken sind dabei entscheidende Bedingungen. Laut der OCI-Analyse hat jedes der acht untersuchten Ölunternehmen versagt und entweder mit „höchst unzureichend“ oder „unzureichend“ abgeschlossen.

„Ein Brandstifter, der verspricht künftig weniger Feuer zu legen, ist immer noch ein Brandstifter,“ sagt Kelly Trout, Senior Research Analyst bei Oil Change International. „Während Familien derzeit in den USA und im Rest der Welt vor verheerenden Bränden und Überschwemmungen fliehen, die Folge der Nutzung fossiler Brennstoffe sind, bohren BP, Shell und Total uns weiter in die Klimakrise. Das muss aufhören, bevor sie in Sachen Klimaverantwortung irgendwie glaubwürdig werden können,“ fügt Trout hinzu.

Während vergangene Analysen einzelne Klimapläne von Ölfirmen miteinander vergleichen, ist die neue Studie die erste, die die Firmen nach dem Ehrgeiz bewertet, der für einen 1,5 Grad-konformen Ausstieg aus der Öl- und Gasförderung nötig wäre.

Die Bewertung erfolgt nach zehn Kriterien, die mindestens erfüllt werden müssen um nötigen Ehrgeiz, Integrität und die nötige Transformation von Klimaversprechen zu garantieren. Besonderer Wert wird dabei darauf gelegt, dass es keine Expansion fossiler Aktivitäten geben darf und stattdessen die Produktion bis 2030 signifikant zurückgehen muss. Diese beiden Punkte sind die Grundvoraussetzung für ernsthafte Klimaambitionen und haben sich zur neuen Norm für sowohl Öl-, Gas- und Kohlefirmen, als auch für sie finanzierende Finanzinstitutionen entwickelt, wie aus den von urgewald mitentwickelten „Richtlinien für den Finanzsektor“ hervorgeht. [2] OCI hatte in der Vergangenheit errechnet, dass allein die Verbrennung bereits erschlossener Öl- und Gasreserven das Klima über 1,5 Grad hinaus erhitzen könnten, selbst wenn der globale Kohleverbrauch über Nacht beendet würde. [3]

BP erhielt vor Kurzem gute Presse für angekündigte neue Klimapläne: das britische Unternehmen hat einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung unternommen und sich als erste Ölfirma dazu verpflichtet Öl- und Gasproduktion bis 2030 einzuschränken. [4] Im Hinblick auf die zehn Kriterien der neuen OCI-Analyse, die für den Einhalt der Pariser Klimaziele mindestens erfüllt werden müssten, schneidet BP jedoch ähnlich schlecht ab wie alle anderen untersuchten Ölfirmen. Ein besonderes Problem stellt dabei dar, dass BPs Ankündigung die Firmenanteile am russischen Öl-Giganten Rosneft aussparen. Dies bedeutet, dass die angekündigte Produktionsreduktion sich auf weniger als 30% bis 2030 belaufen könnte. Bis zu diesem Zeitpunkt müsste die weltweite CO2-Verschmutzung jedoch laut wissenschaftlicher Erkenntnisse schon halbiert sein.

„Ölfirmen reagieren auf öffentlichen Druck in Sachen Klima Ernst zu machen. Ihre Antwort ist jedoch – wie immer – doppelzüngig und in erster Linie immer darauf angelegt ihren Nettogewinn zu schützen,“ sagt David Tong, Senior Campaigner bei Oil Change International und führender Autor der Studie. „Ein kritischer Realitätscheck war bitter nötig um Investoren und die Öffentlichkeit davor zu bewahren von der Ölindustrie wie seit Jahrzehnten geschehen weiter hinters Licht geführt zu werden.“

„Dieser Bericht macht klar, dass die großen Öl- und Gasfirmen mit ihren Geschäftsmodellen nicht ins Portfolio von klimabewussten Investoren und Banken gehören. Diese Investoren dürfen sich nicht von blumigen Ankündigungen der Öl- und Gasmultis täuschen lassen,“ erklärt Regine Richter, Energiecampaignerin der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald.

Notizen:

[1] http://priceofoil.org/big-oil-reality-check
[2] https://www.ran.org/press-releases/global-climate-groups-issue-guidance-to-finance-giants-on-aligning-with-paris-agreement-goals/
[3] http://priceofoil.org/2016/09/22/the-skys-limit-report/
[4] https://www.bp.com/en/global/corporate/news-and-insights/press-releases/from-international-oil-company-to-integrated-energy-company-bp-sets-out-strategy-for-decade-of-delivery-towards-net-zero-ambition.html

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    Jacey Bingler
    Medienreferentin & Netzwerk-Koordinatorin der Fossil Free Finance Campaign
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    Regine Richter
    Kampagnen zu öffentlichen Banken
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