Allianz holt auf beim Klimaschutz

Pressemitteilung
Berlin, München 03.05.2021

Kurz vor ihrer Hauptversammlung am Mittwoch hat die Allianz eine Verschärfung ihrer Kohlerichtlinie und neue Einschränkungen für Geschäfte mit der Ölsand-Industrie angekündigt.

Die neue Kohlerichtlinie[1] verschärft die bestehenden Einschränkungen für die Versicherung von Kohleunternehmen, die ab 2023 gelten, an zwei Stellen:

  1. Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke bauen, können nun generell nicht mehr versichert werden
  2. Grundsätzlich sollten Unternehmen bisher von einer Versicherung ausgeschlossen werden, wenn sie mindestens 25 Prozent ihres Stroms aus Kohle genegieren UND mindestens 5 Gigawatt installierte Kohle-Kraftwerkskapazität betreiben. Mit der Verschärfung reicht nun eines der beiden Kriterien, um ausgeschlossen zu werden.

Die zweite neue Regel wird spürbare Folgen für Geschäfte der Allianz mit dem Kohle-Energieunternehmen Sev.en in Tschechien haben, das zwei besonders dreckige, 40 bis 50 Jahre alte Kohlekraftwerke betreibt. Sev.en hat einen Kohleanteil an der Energieerzeugung deutlich über 50 Prozent, hat jedoch weniger als 5 Gigawatt installierte Kapazität. Nach den bisherigen Kriterien wäre das Unternehmen damit weiter versicherbar. Nun jedoch nicht mehr. Passenderweise kündigte die tschechische Allianz-Tochter am Donnerstag in einer Pressemitteilung an, ihre noch bestehenden Versicherungen für die Kraftwerke Počerady und Chvaletice zum Jahresende zu beenden.[2] Dies ist auch ein Erfolg für die tschechische Klimaschutzorganisation Re-set, die die Allianz hierzu scharf kritisiert hatte.

Weitere Neuerungen in der neuen Allianz-Kohlerichtlinie: Bisher mögliche Ausnahmen zur Versicherung einzelner Kohlekraftwerke entfallen. Unternehmen können jedoch weiter auf eine Versicherung zählen, wenn sie die aktuellen Kriterien nicht erfüllen, aber einen Kohle-Ausstiegsplan haben, der mit dem 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens vereinbar ist.

Regine Richter, Energie-Campaignerin bei urgewald, kommentiert:
Die Allianz wird mehr Kohleunternehmen von der Versicherung ausschließen als bisher, das ist positiv. Mit diesen Kriterien ist der Kohleriese RWE nun endlich nicht mehr versicherbar. Gleichzeitig wird das Regelwerk komplexer und eröffnet neue Möglichkeiten für Ausnahmefälle. Hier hat die Allianz eine Chance verpasst ihren Kohleausstieg wasserdicht zu machen.

Erstmals hat die Allianz zudem eine Richtlinie zum Ausschluss des Ölsand-Sektors veröffentlicht.[3] Ölsandprojekte und neue Ölsandpipelines werden ebenso ausgeschlossen wie Unternehmen, die mehr als 20 Prozent Umsatzes mit Ölsanden machen, können demnach nicht mehr versichert werden.

Dazu sagt Richter:Ein Ausschluss von Ölsand-Unternehmen ist überfällig, viele andere Versicherer haben dies schon in den vergangenen Jahren umgesetzt. Für die Allianz ist es ein erster Schritt, bei dem es nicht bleiben darf. Wenn sie ernsthaft führend beim Klimaschutz sein will, erwarten wir eine Richtlinie, die Öl- und Gasgeschäfte insgesamt konsequent zurückfährt.“

Eine solche Vorreiterrolle im Klimabereich beansprucht die Allianz. Neben ihrer Mitgliedschaft in der Net-Zero Asset Owner Alliance ist sie vor zwei Wochen auch Mitglied in der Net-Zero Insurance Alliance geworden.[4] Beide Initiativen wollen den Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft beschleunigen, was sich mit den anhaltenden Investitionen und Versicherungsangeboten der Allianz im Öl- und Gassektor nicht verträgt.

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[1] Vgl. https://www.allianz.com/content/dam/onemarketing/azcom/Allianz_com/responsibility/documents/Allianz-Statement-coal-based-business-models.pdf

[2] Vgl. https://www.allianz.cz/cs_CZ/pojisteni/vse-o-allianz/tiskove-centrum/allianz-v-cesku-naplnuje-svou-strategii-v-ochrane-klimatu.html

[3] Vgl. https://www.allianz.com/content/dam/onemarketing/azcom/Allianz_com/responsibility/documents/Allianz-Statement-oil-sands-based-business-models.pdf

[4] Vgl. https://www.unepfi.org/psi/wp-content/uploads/2021/04/PSI-NZIA-announcement.pdf

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