Kein Geld für alte Reaktoren!
Kein Geld für alte Reaktoren!
Die Ukraine will von der EU bis zu 600 Mio Euro für Aufrüstungen
von 15 Atomreaktoren, um diese 20 Jahre länger laufen zu lassen und den
Strom in die EU zu exportieren. Keine gute Idee… Aufgrund zahlreicher Proteste wurde die Entscheidung über die Kredite zuerst auf Ende November verschoben - jetzt, Ende November 2012 heißt es: im Frühjahr...
Mit dieser Aktion wenden wir uns an das deutsche Mitglied im Verwaltungsrat der Osteuropabank, Herrn Joachim Steffens:
Jetzt online protestieren:
Sehr geehrter Herr Steffens, sehr geehrter Herr Schwarzer,
Ich
wende mich in einer dringenden Angelegenheit an Sie: dem Kredit für das
SUP (Safety Upgrade Programme) für die ukrainischen Atomkraftwerke zur
Erhöhung der nuklearen Sicherheit. Bitte stimmen Sie gegen diesen € 300
Millionen EBRD Kredit, da es sich in Wirklichkeit um die
Laufzeitverlängerung der ukrainischen Reaktorflotte handelt.
Nicht
erst seit den drei parallelen Kernschmelzen in den Fukushima-Reaktoren
im vergangenen Jahr ist offensichtlich geworden, dass Atomkraft niemals
sicher sein kann und dass schwere Nuklearunfälle jederzeit passieren
können.
Die Unfallwahrscheinlichkeit wird von bestimmten Faktoren
noch erhöht – ältere Atomkraftwerke sind besonders störanfällig. Daher
dürfen EBRD und EURATOM auf keinen Fall Gelder in die Reaktortypen
VVER-1000 aus der Sowjet-Ära investieren, um die Laufzeitverlängerung
dieser Reaktoren über die Design-Lebensdauer von 30 Jahren hinaus zu
verlängern – durch den Beschuss mit Neutronenstrahlung verspröden die
nicht auswechselbaren Reaktorteile des Primärkreislaufes so stark, dass
ein Weiterbetrieb grob fahrlässig wäre.
Laufzeitverlängerungen um
20 Jahre für die ukrainische AKW-Flotte sind lt. ukrainischen Quellen
geplant – die Reaktoren Rivne 1 und 2 erhielten bereits die
Weiterbetriebsgenehmigung in diesem Umfang. Hier ist wichtig
festzuhalten, dass durch diesen Kredit die EU keinerlei Einfluss auf
Stilllegungstermine oder auf die Sicherheitskultur der ukrainischen
Reaktoren gewinnt und auch die erreichten Sicherheitsstandards der
Reaktoren nicht direkt beeinflussen kann, da dies in der Zuständigkeit
der ukrainischen Behörden liegt, die internationale Konventionen und
Abkommen nicht respektieren und sogar verletzen.
Das von der EBRD
zu finanzierende „Sicherheitsprogramm“ (SUP) wurde ohne Strategische
Umweltprüfung beschlossen, d. h. keine Alternativen wurden
berücksichtigt, keine Umweltauswirkungen verglichen, die Öffentlichkeit
nicht beteiligt, weder national noch international. Die
Umweltverträglichkeitsprüfung entsprach nicht der ESPOO-Konvention, die
"Umweltanalyse", die stattdessen durchgeführt wurde, entspricht nicht
internationalen Standards. Nuklearunfälle sind dafür bekannt,
grenzüberschreitende Auswirkungen zu haben – dennoch wurden
grenzüberschreitende Auswirkungen durch die ukrainische Seite einfach
ausgeschlossen, eine überschreitende UVP wurde nicht durchgeführt, nicht
einmal die nationalen ESPOO-Kontaktstellen wurden vom geplanten
Programm informiert. Dieses Vorgehen ist besonders erstaunlich, wenn man
bedenkt, dass die Ukraine um Kredite europäischer Institutionen
ansucht.
Derzeit prüft das ESPOO Implementation Committee, ob die
ukrainische Nuklearaufsicht SNRCU bei der Laufzeitverlängerung für
Rivne 1 und 2 gegen die ESPOO-Konvention verstoßen hat.
Eindeutig
gegen ESPOO verstoßen hat am 6. September 2012 die Ukraine bei der
Verabschiedung eines Gesetzes für die Errichtung von Atomreaktoren in
Chmelnitzky, Blöcke 3 und 4. Mehrere Länder nahmen an der
grenzüberschreitenden UVP teil, und noch während z. B. Ungarn in diesem
Verfahren die Scoping-Phase noch nicht abgeschlossen hat und Österreich
eine offizielle Stellungnahme und eine Öffentlichkeitsbeteiligung
vorbereitet, entschied die ukrainische Regierung über das Projekt und
verabschiedete ein Gesetz, dass den Baustart dieser beiden russischen
Reaktoren ermöglichen wird. Ein Gesetz muss jetzt noch vom ukrainischen
Präsidenten unterfertigt werden. Sollte er es unterschreiben, so würde
dies im Widerspruch zur ukrainischen Gesetzgebung geschehen, da die
Meinung der Staatlichen Umweltkommission nicht eingeholt wurde.
Angesichts
dieser Vorgangsweisen der Behörden und der bekannten
Sicherheitsprobleme im Nuklearsektor der Ukraine fordern wir Sie daher
auf:
- stimmen Sie gegen den Kredit für das ukrainische „Sicherheitsprogramm“ (SUP), der die Grundlage für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke in der Ukraine darstellt
- stellen Sie Kredite für eine nachhaltige Energieversorgung der Ukraine ohne Atomkraftwerke zur Verfügung
Mit freundlichen Grüßen,
Besorgte BürgerInnen Europas





