Die strahlenden Banken

Kunden gewöhnlicher Banken ist es nahezu unmöglich zu erfahren, welche Kredite ihr Finanzinstitut vergibt und ob die Bank möglicherweise das Geld ihres Sparkontos an internationale Atomkonzerne weiter verleiht. Wer sich einmal die Mühe gemacht hat, solche Fragen zu stellen, stößt bei fast jedem Institut auf die gleiche Ausrede: das Bankgeheimnis.

Um die „Atomgeheimnisse“ der Banken zu lüften, haben wir gemeinsam mit Umweltorganisationen aus anderen Ländern, die Finanzdienstleistungen für 80 der weltweit wichtigsten Atomkonzerne untersuchen lassen. Diese 80 Firmen sind im Zeitraum 2000 bis 2009 von 124 internationalen Banken mit Finanzdienstleistungen im Wert von rund 175 Milliarden Euro versorgt worden.

Hier stellen wir eine Übersicht unserer Rechercheergebnisse (Stand 2010) für die deutschen Banken vor:

Nr. 1: Deutsche Bank
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 7,842 Mrd. Euro
Kunden/besondere Kredite/Anleihen:
Ihre größten drei Atomkunden sind E.ON, EDF (Frankreich) und British Energy (Großbritannien). 2007 hat sie sich an einem Kredit für Areva beteiligt, mit dem der Konzern seine Uranaktivitäten in Afrika ausbauen will. Wiederholte Unterstützung für Tokyo Electric Power (TEPCO), auch nachdem herausgekommen war, dass das Energieunternehmen 20 Jahre lang Berichte über Sicherheitsprobleme seiner Atomreaktoren gefälscht hatte.
Sonstiges: Vertreibt S-Box Nuclear Power Index Zertifikat, dessen Entwick- lung an den Branchenindex „Nuclear Power Index“ gebunden ist, der bis zu 20 weltweite Atomunternehmen umfasst. Hat als einzige deutsche Bank den „Energiepolitischen Appell“ mit unterzeichnet, mit dem im August 2010 Manager für längere AKW-Laufzeiten warben.

Nr. 2: Commerzbank
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 3,926 Mrd. Euro
Kunden/besondere Kredite:
Die größten drei Atomkunden der Commerzbank sind E.ON, EDF und Nukem. Die Commerzbank ist der größte deutsche Finanzdienstleister für E.ON, das 11 der 17 laufenden AKW in Deutschland (mit)betreibt, ehrgeizige Atombaupläne im Ausland hat und an der Firma Urenco beteiligt ist. Urenco betreibt die Urananreicherungsanlage in Gronau, aus der seit 1996 mehr als 27.000 Tonnen Uranmüll nach Russland exportiert wurden, wo er in rostenden Fässern unter offenem Himmel gelagert wird.

Nr. 3: UniCredit/HVB
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 2,31 Mrd. Euro
Kunden/besondere Kredite:
Die größten drei Kunden der UniCredit sind E.ON, ENEL (Italien) und Nukem. Auch UniCredit/HVB hat sich 2007 an dem Kredit für Areva beteiligt, mit dem der Konzern seine verheerenden Uranminen in Afrika ausbauen will. Die deutsch-italienische Bank ist im deutschen Raum der größte Finanzdienstleister für den italienischen Energiekonzern Enel, der trotz italienischem Atomausstiegsbeschluss sehr aktiv im Nuklearsektor ist. ENEL hat die Mehrheit an der slowakischen Elektrizitätsgesellschaft, die das Risiko-AKW Mohovce in der Slowakei fertig bauen will.

Nr. 4: Bayerische Landesbank
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 1,755 Mrd. Euro
Kunden/besondere Kredite:
Die größten drei Atomkunden der Bayern-LB sind TVO (Finnland), E.ON und EDF. Der größte TVO-Kredit ist für den Bau des finnischen AKW Olkiluoto 3. Dieser erste kommerzielle Bau eines Europäischen Druckwasserreaktors kämpft mit zahlreichen Baumängeln, ist inzwischen doppelt so teuer wie geplant und wird viel später ans Netz gehen als gedacht. Die erheblichen Mehrkosten werden voraussichtlich die finnischen Stromkunden zu zahlen haben.

Nr. 5: WestLB
>>Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 939 Mio. Euro
Besondere Kunden/Kredite:
Massive Unterstützung für E.ON und RWE, größter Finanzdienstleister für diese beiden Energieversorger unter den Landesbanken. Beide Energieunternehmen machen aggressive Pro-Atompolitik in Deutschland.

Nr. 6: LBBW
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 831 Mio. Euro
Besondere Kunden/Kredite:
Die LBBW ist nach der Deutschen Bank der zweitgrößte deutsche Finanz- dienstleister für EnBW, den deutschen Energiekonzern mit dem höchsten Atomstromanteil, auf den große Teile des radioaktiven Abfalls im maroden Lager Asse zurückgehen. Die Bank hat sich 2007 ebenfalls an dem Kredit für Areva beteiligt, mit dem der Konzern seine verheerenden Uranminen in Afrika ausbauen will.

Nr. 7: DZ Bank
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 685 Mio. Euro
Besondere Kunden/Kredite:
Unterstützt als einzige deutsche Bank den kasachischen Staatsmonopolisten Kazatomprom, dem illegaler Uranhandel mit dem Iran vorgeworfen wird und der Kasachstan zum weltgrößten Uranexporteur ausbauen will. Da Kazatom-Mitarbeiter von einer „einzigartigen Fähigkeit kasachischer Böden zur Selbstreinigung“ ausgehen, lässt dies Schlimmes für die Umwelt erwarten.

Nr. 8: Deutsche Postbank
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 232 Mio. Euro
Besonderes: Bisher war der Beitrag der Postbank für die internationale Atomindustrie nicht sehr hoch. Seit Ende 2010 gehört sie jedoch zur Deutschen Bank und die ist hoch radioaktiv. Postbankkunden, die ihr Geld der Atomindustrie entziehen wollen, sollten deshalb jetzt unbedingt wechseln.

Nr. 9: HSH Nordbank
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 210 Mio. Euro
Besondere Kunden/Kredite:
Nukem. Die Nukemtochter Transnuklear stand im Zentrum des ersten großen Atommüllskandals in der Bundesrepublik. Heute handelt Nukem mit Kernbrennstoffen und ist an der Stillegung von Atomanlagen beteiligt. 2006 gab es einen Korruptionsskandal, um einen Nukem-Mitarbeiter, der offensichtlich versuchte, den Direktor des Tschernobyl-Kraftwerks zu bestechen.

Nr. 10: NordLB
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 52,5 Mio. Euro
Kunden: (Land und Förderumfang in Mio. Euro): E.ON (Deutschland, 52,5)

Nr. 11: Helaba
>> Finanzdienstleistungen für die Atomindustrie: 47 Mio. Euro
Kunden: (Land und Förderumfang in Mio. Euro): EnBW (Deutschland, 36,6), Iberdrola (Spanien, 11)

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>> Sparkassen – eine regionale Frage

Sparkassen sind in Deutschland vor allem auf die örtlichen Kreditbedürfnisse spezialisiert. Damit ist ihr Geschäftsgebiet zunächst einmal auf das Gebiet ihres Trägers, beispielsweise einer Stadt, eines Landkreises oder eines Zweckverbandes, begrenzt. Über diese regionalen Tätigkeiten hinaus sind die Sparkassen landesweit organisiert: Als ihr zentrales Institut treten die Landesbanken auf. Sie sind die Verrechnungsstelle für den bargeldlosen Verkehr und z.B. die Verwaltung der Liquiditätsreserven der Sparkassen, zudem sind sie für die Refinanzierung zuständig. Ferner werden einzelne Dienstleistungen für die Kunden der Sparkassen erbracht, beispielsweise im Auslandsgeschäft. Die Eigentümer der Landesbanken sind in der Regel die Bundesländer und die Sparkassen- und Giroverbände.

Somit hängt ein Sparkassenkonto mit der jeweiligen Landesbank des eigenen Bundeslandes zusammen. Da sich in den vergangenen Jahren einige dieser Banken zusammengeschlossen haben, existieren heute folgende Landesbanken: Bayerische Landesbank (BayernLB, sie besitzt zudem knapp 50% der Landesbank Saar), Landesbank Baden-Württemberg (LBBW, umfasst auch Sachsen und Rheinland-Pfalz neben Baden-Württemberg), Hessische Landesbank (HeLaBa, umfasst neben Hessen auch Thüringen), Westdeutsche Landesbank (WestLB, Nordrhein-Westfalen), HSH Nordbank (Hamburg und Schleswig-Holstein), Norddeutsche Landesbank (NordLB, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, zudem hält die NordLB über 90% der Bremer Landesbank), Landesbank Berlin (LBB, Berlin und Brandenburg). In unsere Recherche, die die Finanzdienstleister der internationalen Atomindustrie unter die Lupe genommen hat, sind außer der LBB alle Landesbanken aufgetaucht.

>> Volksbanken
Neben den öffentlich-rechtlichen Sparkassen und den privaten Geschäftsbanken gibt es in Deutschland noch die Gruppe der Genossenschaftsbanken, zu denen zum Beispiel die Volksbanken, die Raiffeisenbanken und die Sparda-Banken gehören.
Ähnlich wie die Sparkassen die Landesbanken für zentrale Servicefunktionen haben, gibt es genossenschaftliche Zentralbanken: so ist die DZ-Bank AG (Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank) Zentralinstitut für rund 1000 Volksbanken, Raiffeisenbanken, Spardabanken, PSD Banken und weiteren Genossenschaftsbanken. Die DZ Bank unterstützt die Genossenschaftsbanken mit Dienstleistungen wie zum Beispiel Liquiditätsausgleich und der Bereitstellung von Refinanzierungsmitteln. Darüber hinaus ist sie national und teilweise international als Geschäftsbank für Firmenkunden und institutionelle Anleger aktiv.

>> Und die Direktbanken?
Direktbanken wie die ING-DiBa oder die Combank finden Sie nicht in dieser Aufzählung. Die beiden genannten Direktbanken sind Töchter der ING Bank, bzw. der Commerzbank. Darüber hinaus gibt es weitere Direktbanken, die Töchter internationaler Banken sind. Wenn Sie dort ein Konto oder Anlagen haben, lohnt sich ein Blick auf die „Nuclear Banks No Thanks“-Webseite (www.nuclear- banks.org) oder eine direkte Frage an uns: simone@urgewald.de

Weitere Auskünfte zu Banken, die hier nicht genannt sind, finden Sie hier, bei den "FAQs"

Zum zweiten Jahrestag des Atomunfalls in Fukushima präsentiert urgewald erneut eine Untersuchung: Was haben deutsche Banken aus Fukushima gelernt? In einer Fragebogenaktion antworteten die acht größten Finanzinstitute, welche Konsequenzen sie aus der Atomkatastrophe gezogen haben und welche Rolle Atomfinanzierungen heute in ihren Portfolios spielen.

Briefing "Was haben deutsche Banken aus Fukushima gelernt?"