Thyssenkrupp AG

Hauptversammlung

"Warum wollen Sie sich kein Mindestmaß an moralischen Grundsätzen leisten?"

Barbara Happe spricht auf der Aktionärsversammlung von Thyssenkrupp

urgewald-Campaignerin Barbara Happe kritisierte auf der diesjährigen Thyssenkrupp-Hauptversammlung unverantwortliche Rüstungsgeschäfte des strauchelnden Industrieriesen. Die für Korruptions- und weitere Reputationsrisiken berüchtigte Marinesparte (TKMS) will die neue Konzernchefin Martina Merz trotz des laufenden Konzernumbaus weiterführen, dem Bereich Überwasserschiffbau möchte sie sogar wieder ein größeres Gewicht geben. Aktuell exportiert TKMS Kriegsschiffe auch in politisch instabile und autokratisch regierte Länder wie Ägypten und die Türkei.

Die Geschäfte von Thyssenkrupp mit Kriegsschiffen bergen enorme menschenrechtliche sowie ökonomische Risiken

Vorstandschefin Merz vergleicht Thyssenkrupp mit einem Schiff, das zunehmend manövrierunfähig sei. Statt den Tanker jetzt jedoch „in sichere und ruhige Gewässer zu lenken“ und „Abstand zu gefährlichen Klippen zu nehmen“, macht die Rüstungssparte der Konzerns das genaue Gegenteil. Sie setzt auf den Export ihrer Marineschiffe in Krisen- und Kriegsgebiete. Aktuell stehen U-Boote und Fregatten in Länder wie die Türkei, Ägypten, Israel oder Brasilien in den Auftragsbüchern des Konzerns. Alles Länder, die von Autokraten regiert werden, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten werden und die teilweise sogar, wie im Fall von Ägypten und der Türkei, in völkerrechtswidrige Kriege verstrickt sind.

Vertragstreue wichtiger als Menschenrechtsschutz

Darauf angesprochen, reagiert die Konzernleitung mit Unverständnis: man stehe zu den vertraglichen Verpflichtungen auch gegenüber Ländern wie der Türkei. Vertragstreue zählt bei Thyssenkrupp also mehr als Menschenrechtsschutz. Und dann schaut man auch geflissentlich darüber hinweg, dass der Vertragspartner Türkei mit dem Einmarsch in Nordsyrien völkerrechtswidrig handelt. Exportbeschränkungen gilt es für das Unternehmen mit aller Kraft zu vermeiden - dazu wird auch kräftig in Berlin lobbyiert.

Eines wird auf dieser Hauptversammlung deutlich: Die Rüstungssparte mag zwar gerade mal für vier Prozent des Umsatzes bei Thyssenkrupp verantwortlich sein. Diese vier Prozent sorgen aber für sehr viel mehr Ärger und v.a. für großen politischen Schaden weltweit.

31.01.2020
Bochum

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    Dr. Barbara Happe
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