Kolumbien


Hintergrund - Kohle aus Kolumbien

Kolumbien hat sich in den letzten Jahren zum fünftgrößten Kohleexporteur der Welt entwickelt. Deutschland hat an dieser Entwicklung maßgeblichen Anteil. 2011 erreichten die Kohleinfuhren aus Kolumbien einen Rekordwert von 10 Mio Tonnen. Der Kohlebergbau in Kolumbien wird von nur wenigen Firmen kontrolliert. Die drei größten Produzenten Cerrejón, Drummond und Prodeco sind für 87 Prozent der Kohleexporte des Landes verantwortlich. Bei allen drei Firmen handelt es sich um ausländische Unternehmen: Anteilseigner von Cerrejón sind zu gleichen Teilen Anglo American, BHP Billion und Xtrata. Drummond ist ein familiengeführtes US-Unternehmen und Prodeco befindet sich im Besitz der Schweizer Firma Glencore.

Abb. aus "Bitter Coal"

Die kolumbianische Regierung hat den Bergbau zur „Entwicklungslokomotive“ des Landes erklärt. Doch in den Kohleabbauregionen herrscht Chaos. Von der erhofften Entwicklung ist nichts zu sehen. Die Gebiete, in denen seit 30 Jahren Kohle gefördert und exportiert wird, gehören unverändert zu den Armenhäusern des Landes. Die Milliardengewinne fließen ins Ausland, für die Menschen vor Ort bleiben Armut, Mondlandschaften, ausgetrocknete Flüsse und zerstörte Lebensgrundlagen zurück.

Da Drummond und Prodeco bedeutende Kohlelieferanten der deutschen Energieversorger sind, konfrontieren urgewald und PowerShift sie mit diesen Problemen. „Wir waren sowohl vergangenes als auch dieses Jahr auf den Hauptversammlungen von RWE und E.ON und haben diese Fälle vorgebracht. Auch mit Vattenfall sind wir deswegen in Kontakt. Aber RWE, E.ON und Vattenfall verweisen bei jeder Kritik auf ihre Initiative ‚Better Coal’, die alle Probleme lösen soll. Sie sind jedoch noch nicht einmal bereit, sich von Kohlelieferanten zu trennen, die in so schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen verstrickt sind“, klagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald anlässlich der Veröffentlichung des Berichtes „Dark Side of Coal“. 

 


 

Kampagne "Bitter Coal" 2014 

Rundreise Marianne Moor & Rubén Morrón, April & Juni 2014
Parallel zu den Debatten um Kohleimporte wird auch in den Niederlanden seit Jahren über dieses Thema diskutiert. Gleichzeitig hat die Friedensorganisation PAX NL vor drei Jahren begonnen, die Verstrickungen der Kohlebergbauunternehmen mit paramilitärischen Gruppen näher zu untersuchen. Federführend bei diesen Recherchen ist Marianne Moor, die über langjährige Erfahrung in Kolumbien verfügt. Ursprünglich hatte PAX geplant, den Bericht „The Dark Side of Coal“ im April zu veröffentlichen. Dabei handelt es sich um das umfassendste Dokument zu diesem heiklen Thema. Da das beschuldigte Unternehmen Drummond PAX eine Klage für den Fall einer Veröffentlichung androhte, musste diese mehrfach verschoben werden. Aus diesem Grund haben wir Marianne Moor zweimal nach Deutschland eingeladen. Zunächst im April, damit sie bei diversen Aktionärsversammlungen sprechen konnte und im Juni, um den o.g. Bericht zu veröffentlichen. Im Juni war auch der kolumbianische Bergarbeiter und Gewerkschafter Rubén Morrón dabei.  Rubén Morrón musste im vergangenem Jahr ins französische Exil flüchten, nachdem ein Anschlag auf sein Leben verübt wurde. „Bewaffnete Banden, die aus den Paramilitärs hervorgegangen sind, terrorisieren die Region. Sie schüchtern all diejenigen ein, die Aufklärung, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Landrückgabe verlangen“, erzählt Morrón.

Marianne Moor ist Autorin des Berichtes "The dark side of Coal". Die Veröffentlichung des Berichts wurde durch eine gemeinsame Pressekonferenz (25. Juni) begleitet. Zur Pressemitteilung

Download "The Dark Side of Coal"

Die Süddeutsche berichtet

Pressekonferenz Foto: urgewald

Aus dem Bericht „Dark Side of Coal“: „Aus zahlreichen Aussagen geht hervor, dass besonders Drummond, aber auch Prodeco, in verschiedener Weise mit den Paramilitärs der Juan Andrés Alvarez Front kooperiert haben. Wir haben neun Quellen, die besagen, dass Drummond die Paramilitärs zwischen 1996 und 2006 mit bedeutenden Summen finanziell unterstützt hat. Aus den Aussagen ehemaliger Paramilitärs geht hervor, dass die Bergbauunternehmen zudem Informationen an die Armee und die Juan Andrés Alvarez Front weitergegeben haben, etwa über Aktivitäten entlang der Eisenbahnlinie, oder kritische Gewerkschafter. Drei ehemalige Paramilitärs erklärten, dass die Ermordung von drei Gewerkschaftsführern im Jahr 2001 ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit war. Die Zeugenaussagen sowohl von Opfern als auch Tätern machen deutlich, dass die Bergbauunternehmen bis heute von dieser Kooperation profitieren. Die Paramilitärs haben Zehntausende Einwohner aus der Region vertrieben. Die Morde und Morddrohungen haben den Kampf der Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen nachhaltig geschwächt. Und die Gewalt hat fast alle kritischen Stimmen aus der Zivilgesellschaft zum Schweigen gebracht“.

 

 


Hauptversammlungen
Da sich die Energieunternehmen weiterhin darauf berufen, dass Drummond bisher nicht rechtskräftig verurteilt wurde und darum der Abbruch von Geschäftsbeziehungen nicht vorgesehen ist, war es sehr hilfreich, dass Frau Moor ihre Erkenntnisse sie auf den Hauptversammlungen erläuterte. Frau Moor nahm im April 2014 an den Hauptversammlungen von RWE (16.4.), EnBW (29.4.) und E.ON (30.4.) teil. EnBW zeigte sich hier als erster Energieversorger gesprächsbereit. Mitglieder des Vorstandes sowie der Nachhaltigkeitsabteilung der EnBW baten nach der Hauptversammlung zu einem Gespräch. Das Resultat war ein Entwurf für eine gemeinsame Recherche-Reise nach Kolumbien bei der PAX, urgewald und PowerShift einen Teil der Agenda planen sollten. Diese Reise hat im März 2015 stattgefunden.

Lobbygespräche
In den Tagen vor und nach der Veröffentlichung des PAX-Berichtes wurden Lobbygespräche von Marianne Moor, Rubén Morrón, Heffa Schücking und Sebastian Rötters mit Vertreter_innen des Bundestags und verschiedener Gewerkschaften geführt:

MdB Bernd Westphal, SPD
MdB Nina Scheer, SPD
MdB Annalena Baerbock, GRÜNE
MdB Heike Hänsel, LINKE
MdA Michael Schäfer, GRÜNE Berlin
Bernhard Jirku, Ver.di, pers. Referent von Frank Bsirske & Reinhard Klopfleisch, Referatsleiter Ver- und Entsorgung
Michael Wolters, IGBCE

 

Rundreise Gloria Holguin
Ein Ziel der Reise war es, mit Politiker_innen und NGO-Vertreter_innen zu sprechen und ihnen die Situation vor Ort zu schildern sowie strategische Überlegungen zum weiteren Vorgehen zu machen. Neben Lobbyterminen auf Bundes- und Europaebene, fanden folgende Gespräche statt:
MdB Annalena Baerbock und Titus Rebhann (Büroleiter von MdB Oliver Krischer), GRÜNE (13. März)
European Center for Constitutional and Human Rights (13.03.2014)
Brot für die Welt (13. März)
Misereor (18. März)
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, gemeinsam mit MISEREOR (18. März)
Lobbytermin mit dem Wirtschaftsausschuss im Landtag NRW, zusammen mit dem Eine-Welt-Netz NRW (19. März)

Powerpoint-Präsentation zu den Auswirkungen des Steinkohlebergbaus in Kolumbien

Netzwerktreffen
In der Reisezeit lagen zwei wichtige Termine, auf denen Gloria Holguin sich mit anderen Campaignern austauschen konnte. Zum einen nahm sie an der Eine-Welt-Landeskonferenz NRW teil (14.-15.03.). Zum anderen konnte sie in Köln ein internationales Vernetzungstreffen zum Thema Importkohle besuchen, das aus Anlass ihres Besuches von PowerShift und urgewald organisiert worden war (17.03.). Im Nachgang zu diesem Treffen wurde ein gemeinsames Statement vieler europäischer Organisationen zur Industrieinitiative Bettercoal verfasst.