5. April 2012

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Weltbank kennt eigene Zahlen nicht

Zwangsumsiedlungen: Weltbank kennt eigene Zahlen nicht

Organisationen aus 25 Ländern schreiben an Weltbank-Präsident Zoellick
Die Weltbank hat mit der Überarbeitung ihrer Sozial- und Umweltstandards begonnen. In diesem zwei Jahre dauernden Prozess wird auch ihre Politikrichtlinie zu Zwangsumsiedlungen geändert.

Allerdings scheint die Weltbank, die sich gern als „knowledge bank“ (Wissensbank) bezeichnet, keine Angaben darüber machen zu können, wie viele Menschen in von ihr finanzierten Projekten von Zwangsumsiedlungen betroffen sind.

Bei der Evaluierung der Umwelt- und Sozialstandards, die der Überarbeitung vorgelagert war, musste sich die hausinterne Evaluierungsabteilung (Independent Evaluation Group/IEG) der Weltbank wegen fehlender Daten auf Stichproben stützen. Sie schätzt, dass zu jedem Zeitpunkt mehr als eine Million Menschen von Zwangsumsiedlung betroffen ist.


„Das ist eher eine konservative Schätzung“, sagt Knud Vöcking, Weltbank-Referent der deutschen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. Die letzte Weltbankstudie zu Zwangsumsiedlungen von 1994 sprach von zwei Millionen Betroffenen über einen Zeitraum von acht Jahren.


Zwangsumsiedlungen betreffen zumeist die Armen in den Projektgebieten und schließt den Verlust der Lebensgrundlage und des Zusammenhalts von Gemeinschaften mit ein. „Völlige Verarmung als unbeabsichtigtes Resultat von Entwicklungsprojekten dürfte nicht vor kommen“, äußert Korinna Horta, Menschenrechts-Expertin bei urgewald. „Aber in der Praxis herrschen Missbrauch von Geldern, Einschüchterung der Betroffenen und soziale Ungerechtigkeit bei Zwangsumsiedlungen.“


„Gerade in Zeiten stetig steigender Investitionen in Infrastrukturprojekte muss alles getan werden, dass es erst gar nicht zu Zwangsumsiedlungen kommt. Mit Entwicklungsgeldern Lebensgrundlagen zu zerstören ist nicht akzeptabel,“ meint Knud Vöcking.

In einem Schreiben an Weltbank-Präsident Robert Zoellick fordern jetzt Organisationen aus 25 Ländern, dass die Weltbank das Ausmaß der von ihr unterstützten Zwangsumsiedlungen untersucht und bekannt macht. Außerdem soll sie eine unabhängige Studie zu deren Auswirkungen und den von der Weltbank daraus gezogenen Lehren in Auftrag geben. Nur auf solch einer Grundlage könne eine sinnvolle Überarbeitung der Weltbankrichtlinien stattfinden.

Der Brief an den Weltbank-Präsidenten mit allen Unterzeichnern