30. Januar 2018

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EU-Gaspipeline-Projekt “Southern Gas Corridor”: Teuer und wahrscheinlich nutzlos fürs Klima

Prag/Berlin, 30.1.2018    Die Gaspipeline Southern Gas Corridor soll künftig auf einer Strecke von 3.500 Kilometern Gas aus Aserbaidschan in die Europäische Union transportieren. Sie steht nicht nur wegen der Stärkung des autoritären Alijew-Regimes in Aserbaidschan in der Kritik, sondern auch wegen ihrer Folgen für Anwohner, Umwelt und Klima. Die EU-Kommission hat das rund 45 Milliarden US-Dollar teure Projekt dennoch immer wieder verteidigt. Aus Sicht der Kommission kann die Pipeline der Union sogar helfen ihre Klimaziele zu erreichen, da die Förderung und Verbrennung von Erdgas weniger klimaschädliche Gase freisetze als der Brennstoff Kohle. Doch auch für dieses Klima-Argument zeigt eine heute erscheinende Studie, dass sich die Hoffnungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erfüllen werden.

Die neue Studie wurde von dem NGO-Netzwerk CEE Bankwatch an der Polytechnischen Universität Kataloniens in Auftrag gegeben. Die Forscher analysierten verschiedene Untersuchungen zum Ausstoß von Methan in Form „flüchtiger Emissionen“ bei der Förderung und dem Transport von Erdgas. Fossiles Gas besteht zum größten Teil aus Methan, welches auf kurze Sicht deutlich klimaschädlicher als das bekanntere Kohlendioxid ist. Zusätzlich haben die Forscher die Entstehung von Kohlendioxid bei der Verbrennung des Gases in Kraftwerken berücksichtigt.

Das Ergebnis zeigt: Die angeblichen Klimavorteile der milliardenteuren Pipeline Southern Gas Corridor sind nicht haltbar. Demnach besteht ein hohes Risiko, dass die Pipeline einen ähnlichen oder sogar größeren Klimaeffekt wie Kohle hätte. Bereits in der ersten Stufe des Betriebs würde sie pro Jahr mindestens so viele klimaschädliche Emissionen wie im gleichen Zeitraum das Land Bulgarien freisetzen. Die Methan-Lecks während der Förderung und dem Transport in der Pipeline würden laut den Autoren bei zwischen 2,44 und 5,95 Prozent liegen. Die Internationale Energieagentur definiert einen Schwellenwert von drei Prozent, ab dem der Klimaeffekt von Erdgas den von Kohle übersteigt.

Anna Roggenbuck von CEE Bankwatch kommentiert: „Die Ergebnisse wecken große Zweifel an den Bemühungen der Europäische Union ihren Anteil als Mitglied des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen.“ Dies gilt besonders, da die EU Kommission keine Klimafolgen-Abschätzung zur Pipeline durchgeführt hat.

Regine Richter von der Umweltorganisation urgewald sagt: „Trotz schwerwiegender Menschenrechts- und Klimabedenken hat die Bundesregierung als Mitglied von Banken wie EBRD, AIIB und Weltbank Kredite für die Pipeline bislang in jedem Fall zugelassen. So hilft sie weder eine jahrzehntelange fossile Falle für die EU-Energieversorgung abzuwenden noch die massive Verschwendung öffentlicher Mittel für diese 45 Milliarden US-Dollar teure Pipeline.“ Am 6. Februar will das Direktorium der Europäischen Investitionsbank (EIB), wo Deutschland mit am Tisch sitzt, über einen Kredit von 1,5 Milliarden Euro für ein Teilstück der Pipeline entscheiden.

Weitere Informationen:

Studie „Smoke and mirrors – Why the climate promises of the Southern Gas Corridor don’t add up”: https://bankwatch.org/wp-content/uploads/2018/02/smoke-mirrors-SGC.pdf

Kontakte:

Regine Richter, urgewald: 0170 29 30 725, regine@urgewald.org

Anna Roggenbuck, CEE Bankwatch Network: +48 918 315 392 / +48 509 970 424, annar@bankwatch.org

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