6. Februar 2007

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Regine Richter, Vladimir Sliviak

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Anti-Atom Proteste in Russland nehmen zu: AKW-Pläne in Kaliningrad im Visier der Umweltschützer

Ecodefense! urgewald
Am heutigen Dienstag protestierte die russische Umweltorganisation Ecodefense gegen Pläne, in Kaliningrad ein Atomkraftwerk zu errichten. Die Aktivisten der Organisation trugen einen brennenden Kasten zum Amtssitz des Kaliningrader Gouverneur, um auf die Gefahren der Atomkraft hinzuweisen.

„Die Regierung hat versucht, die Pläne für einen AKW-Bau in Kaliningrad geheim zu halten, aber wir haben entscheidende Dokumente zugespielt bekommen und veröffentlicht. Nun fordern wir die Regierung auf, die Pläne fallen zu lassen,“ erklärt Vladimir Sliviak, Vorsitzender von Ecodefense, der führenden russischen Anti-Atom Organisation. „Denn Atomreaktoren sind gefährlich, die lokale Bevölkerung lehnt sie ab, sie sind nicht wirtschaftlich und produzieren Atommüll, der nirgendwo sicher gelagert werden kann,“

Ecodefense vermutet, dass das geplante AKW errichtet werden soll, um neben der Kaliningrader Region auch die EU mit Atomstrom zu versorgen, wenn 2009 das litauische AKW Ignalina stillgelegt wird. „Ignalina muss aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden, darauf hat die EU bestanden. Nun muss sie klar machen, dass die Lösung nicht sein kann, gegen den Willen der Bevölkerung in der gleichen Region ein neues Atomkraftwerk zu bauen, “ erklärt Regine Richter, Energieexpertin von der Umweltorganisation urgewald.

Ecodefense hat am 24. Oktober 2006 ein Dokument veröffentlicht, das die Pläne der russischen Atomindustrie, in verschiedenen Regionen neue AKW zu bauen, belegt. Das Dokument war für eine Präsentation in der Duma vorbereitet worden und wurde Ecodefense zugespielt. Aus dem Dokument geht hervor, dass die russische Atombehörde Rosatom mit Verwaltungen und Investoren in Kaliningrad, Chelyabinsk am Ural, Tomsk in Sibirien und im fernen russischen Osten über Neubauten verhandelt.

Widerstand gegen die Pläne gibt es in all diesen Regionen: Auf Druck von Umweltschützern erteilten die Kaliningrader Behörden vor drei Jahren Plänen von Rosatom eine Absage, nach denen ein schwimmendes AKW in der Region errichtet werden sollte. Eine Umfrage im Sommer 2006 in Chelyabinsk ergab, dass 62% der Bevölkerung gegen neue Atom-Reaktoren sind, in Tomsk sprachen sich 2005 sogar 80% gegen neue AKW aus. Und auch im fernen russischen Osten wurden bereits Pläne für ein schwimmendes AKW aufgrund von Protesten abgelehnt. „Rosatom Chef Sergey Kirienko hat im letzten Jahr immer wieder versprochen, keine AKW in Regionen zu bauen, wo es Widerstand in der Bevölkerung gibt. Wenn er seine eigenen Versprechen hält, darf demnach weder in den anderen Gegenden noch in Kaliningrad ein neues AKW gebaut werden“, erklärt Sliviak.

Informationen:
Vladimir Slivyak, Ecodefense - +7(985)7766281, (903)2997584 ecodefense@online.ru
Regine Richter, urgewald, 0170-2930725

Foto von der Aktion: http://foto.rambler.ru/users/ecodefense/8/