Deutsche Finanzinstitute und Kohle

18. Januar 2016

(Aktualisiert!) Banken und Investoren müssen aufhören, die fossile Industrie mit Geld zu versorgen! Nur so kann das auf dem Klimagipfel in Paris festgelegte Ziel erreicht werden, die globale Erderwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Da Kohle momentan die Hauptursache für den Klimawandel ist, sollten die Geldgeber zuerst die Finanzierung dieses Brennstoffs beenden, gefolgt von Öl und Gas. Während es im internationalen Finanzsektor momentan viel Bewegung in diesem Bereich gibt, tun sich die deutschen Finanzinstitute noch sehr schwer. Sie bewegen sich entweder gar nicht oder allenfalls im Schneckentempo. Das zeigt unsere Übersichts-Tabelle.

 

Erläuterungen zu den Bildern: 

Kohle-Saurier:
Haben kaum oder keine Einschränkungen für Kohlefinanzierungen, die über die üblichen Umwelt- und Sozialprüfungen hinausgehen. 

Kohle-Zögerer (Schnecken):
Haben Einschränkungen bei der Projektfinanzierung von Kohlekraftwerken und/ oder Kohleminen.

Klima-Beweger (Hasen):
Vergeben keine direkten Kredite für Kohlekraftwerke und Kohleminen. Sie haben außerdem Ausschlüsse beschlossen oder Reduktionsankündigungen gemacht für die Finanzierungen von Kohlebergbaufirmen und/ oder Kohle-Energieunternehmen.

Klima-Sprinter (Geparden):
Kohlefrei! Sie finanzieren weder Kohlekraftwerke, Kohleminen noch Unternehmen, die diese betreiben. Auch befinden sich keine Kohlefirmen in ihren Eigenanlagen und im Asset-Management. 

 

Einordnung der Banken (Stand: 8. August 2016):

Kohle-Saurier

Kohle-Saurier 
Deutsche Bank 
Die Deutsche Bank gehört als einziges deutsches Institut zu den weltweit größten zehn Finanzierern der Kohleindustrie. Bislang gab es bei der Deutschen Bank keine Einschränkungen für den Kohlesektor. Im März 2016 verkündete sie für Geschäfte mit Firmen, die in die Kohleförderung mittels Mountaintop-Removal verstrickt sind, einen weitgehenden Ausstieg, den sie auf der Hauptversammlung im Mai 2016 konkretisierte. Mehr Informationen dazu finden Sie hier. Davon abgesehen bleibt sie eine der bestimmenden Banken der globalen Kohle-Finanzierung. Bei Kohle-Kraftwerken belegt sie derzeit Platz 10. Beim Kohle-Bergbau belegt sie mit Finanzierungen in Höhe von 6,73 Milliarden US-Dollar zwischen 2013 und 2015 sogar erstmals den negativen Spitzenplatz (vgl. Pressemitteilung von Juni 2016).

DZ Bank (Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank)
Die DZ Bank ist eine Zentralbank der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Im Vergleich internationaler Banken liegt sie mit ihren Kohleinvestitionen auf Platz 48. Sie kommt auf Platz 5 der deutschen Banken, die den europäischen Braunkohlesektor unterstützen und auf Platz 1 bei den Investoren. Pläne für Einschränkungen im Bereich Kohle sind bisher nicht bekannt. 

Hypovereinsbank (HVB)
Die HVB ist Teil der UniCredit Bankengruppe. Die UniCredit liegt im weltweiten Ranking der Kohlebanken auf Platz 18. Die UniCredit hat wohl interne Richtlinien zur Finanzierung von Bergbauprojekten, Kohlekraftwerken und Energieunternehmen, bisher aber keine öffentliche Einschränkungen oder Ausschlüsse. 

Munich RE (Münchener Rück)
Die Munich RE ist ein weltweit agierender Rück- und Erstversicherer. 2014 war der Konzern mit mindestens 105,1 Millionen Euro im Kohlesektor investiert. Laut eigenen Aussagen gibt es bereits eine Arbeitsgruppe zum Thema Kohleinvestitionen. Bisher wurden aber keine Ergebnisse bekannt.

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) 
Die LBBW ist Sparkassenzentralbank für die regionalen Kundenbanken BW-Bank, Rheinland-Pfalz Bank und Sachsen Bank. Die LBBW  liegt im internationalen Vergleich unter den 50 größten Kohlebanken. Bisher gibt es noch keinen Ausschluss von Kohlefinanzierungen oder -investitionen. 

HSH Nordbank 
Die HSH Nordbank ging 2003 aus einer Fusion der Hamburger Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervor. Der HSH Finanzfonds lag im letzten Jahr im internationalen Vergleich der Kohlebanken auf Platz 57. Bisher ist nicht bekannt, dass die HSH Nordbank einen Ausstieg aus der Kohlefinanzierung plant. 

Westdeutsche Genossenschafts-Zentralbank (WGZ Bank) 
Die WGZ Bank ist Zentralbank für die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen. Die DZ Bank und die WGZ Bank bereiten derzeit eine Fusion vor. Nach eigenen Angaben machen Kohleunternehmen bei den Unternehmenskrediten der WGZ Bank momentan 2,77 Prozent aus. Spezielle Richtlinien/ Ausschlüsse für den Kohlebereich hat die WGZ Bank bisher noch nicht. 

Saar LB (Landesbank Saar)
Auch wenn aufgrund ihrer Ausrichtung wahrscheinlich kaum Geld in die Kohleindustrie fließt, wird die Kohleindustrie dennoch von der Saar LB nicht aktiv ausgeschlossen. 

Kohle-Zögerer

Kohle-Zögerer

Commerzbank 
Die Commerzbank nahm bislang den zweiten Platz im Ranking der größten deutschen Kohlebanken und für den Teilbereich Braunkohle in Europa ein. Im Juli 2016 hat sie allerdings ihre Kohle-Richtlinie erneuert. Da die neue Richtlinie in Teilen sehr fortschrittlich (keine Finanzierung von neuen Kohlekraftwerken und Kohleminen, Auschluss von Mountaintop-Removal-Firmen), aber im generellen Umgang mit Kohlefirmen noch nicht ambitioniert genug ist (Schwellenwerte für Energieversorger gelten erst ab 2021) steht die Commerzbank in der Einordnung zwischen den Kategorien "Kohle-Zögerer" (Schnecke) und "Klima-Beweger" (Hase). Mehr Informationen zur neuen Commerzbank-Kohlerichtlinie finden Sie hier

Bayerische Landesbank (BayernLB)
Die BayernLB ist Zentralbank der Sparkassen in Bayern. Im internationalen Vergleich liegt die BayernLB auf Platz 56 der größten Kohlebanken. Seit 2015 besitzt die BayernLB eine Leitlinie, nach der Projektfinanzierungen zum Abbau von Braunkohle sowie zum Neubau von Braunkohlekraftwerken ausgeschlossen werden. Der Ausschluss bezieht sich jedoch nicht auf die Unternehmen, die diese Anlagen betreiben. Einen wirklichen Ausstieg aus dem Kohlesektor schließt die BayernLB zum jetzigen Zeitpunkt aus. 

Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) 
Die Nord/LB ist die Zentralbank der Sparkassen in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2013 verfügt die Nord/LB über eine Richtlinie, wonach Neufinanzierung von Atom- und Kohlekraftwerken ausgeschlossen ist. Dies bezieht sich jedoch, wie bei anderen Banken auch, nur auf Projektfinanzierungen. Leider gibt es keine Bestrebungen, den Kohleausschluss von der Projektebene auf Firmen zu erweitern. 

Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) 
Die Helaba ist Sparkassenzentralbank für 40 Prozent der deutschen Sparkassen. Einschränkungen für den Kohlesektor gibt es für die direkte Projektfinanzierung von Kohlebergbau-Projekten. Dies gilt aber nicht für Kohlebergbaufirmen, sodass sich im Portfolio der Helaba weiterhin einige Giganten der Kohlebergbauszene befinden, wie BHP Biliton, Rio Tinto und Anglo American. Bisher ist nicht bekannt, dass die Helaba plant, ihre Finanzierungen in die Kohleindustrie einzuschränken. 

DekaBank 
Die DekaBank ist zuständig für die Vermögensverwaltung der Sparkassen. Sie investiert nicht direkt in Kohle- oder Braunkohlekraftwerke oder in besonders zerstörerische Mountaintop-Removal–Minen. Einschränkungen für Kohlebergbau- oder Kohleenergieunternehmen gibt es aber nicht. So befinden sich sogar in den angeblich nachhaltigen Fonds Kohleunternehmen, wie z.B. der Minen-Gigant Rio Tinto. Die DekaBank hatte angekündigt, nach der Klimakonferenz in Paris zu entscheiden, ob sie ihre bisherige Geschäftsstrategie im Kohlebereich überprüfen muss. 

Evangelische Bank, KD Bank, Liga Bank, Bank für Kirche und Caritas, Darlehnskasse Münster (DKM), Pax Bank   
Die Kirchenbanken haben alle gemeinsam, dass Kohleprojekte und Kohleunternehmen von der Kreditvergabe per Satzung ausgeschlossen sind, da sie nur Kredite an kirchliche und karitative Einrichtungen sowie Privatpersonen vergeben. Jedoch schließt keine Kohleunternehmen bei ihren Eigenanlagen aus. 

Union Investment 
Union Investment ist der Fondsverwalter der Volks- und Raiffeisenbanken und Teil der DZ Banken Gruppe. Mit 251,3 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen gehört Union Investment zu den großen Asset Managern Deutschlands. Zehn Milliarden Euro werden in nachhaltigen Fonds verwaltet, die kohlefrei sind. Für die anderen Fonds und die Eigenanlagen gibt es keinen Kohleausschluss. 

Bank für Orden und Mission
Die Bank für Orden und Mission vergibt keine Kredite, sondern ist nur im Bereich Geldanlage und Vermögensmanagement aktiv. Über einen expliziten Ausschluss für Kohleunternehmen verfügt sie in diesem Bereich nicht.  Bremer Landesbank Die Finanzierung von konventionellen Kohlekraftwerken wird über die „Richtlinie zum Klimawandel“ ausgeschlossen. Da aber Kohlefirmen nicht generell ausgeschlossen werden, kann die Bremer Landesbank mit ihren Eigenanlagen auch im Kohlesektor investiert sein. 

Klima-Beweger

Klima-Beweger 
Allianz 
Am 24. November 2015 hat der Versicherer Allianz einen weitgehenden Kohle-Ausschluss für seine Investitionen verkündet. Die Allianz will demnach bei ihren Eigenanlagen Investitionen in Bergbau- und Energieunternehmen beenden, die über 30 Prozent ihres Umsatzes bzw. ihres Stroms mit Kohle machen. 

Bank im Bistum Essen 
Wie bei den anderen Kirchenbanken ist die Kreditvergabe an Kohleprojekte und Kohleunternehmen per Satzung ausgeschlossen. Seit Dezember 2015 sind auch Kohlebergbaufirmen, die mehr als 5 Prozent ihres Umsatzes mit der Förderung von Kraftwerkskohle erwirtschaften, aus den Eigenanlagen ausgeschlossen. Fehlen jetzt nur noch die Kohleenergieunternehmen!

Steyler Ethik Bank 
Wie bei den anderen Kirchenbanken ist die Kreditvergabe an Kohleprojekte und Kohleunternehmen per Satzung ausgeschlossen. Darüber hinaus sind ab 2016 Kohlebergbaufirmen aus den Eigenanlagen ausgeschlossen. Wie bei der Bank im Bistum Essen fehlen jetzt nur noch die Kohleenergieunternehmen! 

Sparda Bank München 
Die Sparda Bank München hat am 26. November 2015 das  Paris Pledge unterschrieben und verspricht damit, Kohle aus all ihren Bankaktivitäten auszuschließen. Dies betrifft neben der Kreditvergabe u.a. auch die Eigenanlagen. 

Klima- Sprinter

Klima-Sprinter 
GLS Bank, Triodos, Ethikbank, Umweltbank 
Alle vier Banken vergeben weder Kredite an Kohleprojekte und Kohleunternehmen noch befinden sich Kohleunternehmen in den Eigenanlagen oder Fonds. 

 

Briefing zu den Braunkohle-Investitionen deutscher Banken und Investoren (November 2015)