MTU: Geschäftsrekorde auf Kosten von Menschenleben?

Pressemitteilung
München ,  10.04.2019

Hauptversammlung

Vor der morgigen Aktionärsversammlung des Triebwerksherstellers MTU Aero Engines weist der Dachverband Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre zusammen mit urgewald auf die verheerenden Folgen der militärischen Auslandsgeschäfte des Münchener Konzerns hin. So ist MTU mit 19 Prozent an der saudi-arabischen Firma Middle East Propulsion Company (MEPC) beteiligt, die sich auf die Wartung von Triebwerken spezialisiert hat. Hauptkunde ist die Royal Saudi Air Force, die maßgeblich für Bombardements im Jemen-Krieg verantwortlich ist, in dem bereits über 60.000 Menschen, darunter mehr als 18.000 Zivilist*innen, getötet wurden. Ein Großteil starb durch die etwa 20.000 Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition.

Barbara Happe, Rüstungs-Expertin bei der Menschenrechtsorganisation urgewald, sagt: „Trotz der seit Jahren desaströsen Menschenrechts- und Sicherheitslage im Mittleren Osten treibt MTU die Expansion seiner Geschäfte in der Region weiter voran. Und obwohl sich MTU als Mitglied des UN Global Compact zum Schutz der Menschenrechte verpflichtet hat, steuert das Unternehmen Antriebe und andere Komponenten für Kampfjets bei, die immer wieder auch Zivilist*innen mit ihren Bomben töten. Vor allem die Exporte an Saudi-Arabien und seine Verbündeten, die seit vier Jahren einen blutigen Krieg im Jemen führen, sind empörend.“ Laut Medienberichten von Dienstag hat die Bundesregierung eingeräumt, dass Saudi-Arabien im Jemen-Krieg auch Eurofighter-Kampfflugzeuge eingesetzt hat, an deren Bau MTU durch Zulieferungen beteiligt ist.[1]

Zwischen 2009 und 2017 hat Großbritannien 72 Eurofighter an Saudi-Arabien geliefert, die nun im Jemen zum Einsatz kommen. Verträge für weitere 48 Kampfflugzeuge liegen schon in der Schublade. Außerdem stellen Bahrain, Jordanien und Ägypten F-16-Kampfjets für die Luftangriffe über dem Jemen zur Verfügung. Auch hierfür liefert MTU Komponenten zu.

Solche Exportprojekte sind aus Sicht des Konzerns besonders lukrativ, Zulieferungen für den Eurofighter waren zuletzt ein wichtiger Umsatzgarant im militärischen Bereich. „Es kann nicht sein, dass Renditelogik wie im Jemen auf Kosten von Menschenrechten geht. Hier steht auch die deutsche Politik in der Pflicht. Die Bundesregierung hat vor kurzem zwar den Exportstopp für Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien verlängert, dieses Verbot hat aber große Lücken und wird letztlich wahrscheinlich nur die Auslieferung von Eurofightern mit MTU-Komponenten an Saudi-Arabien verzögern“, kritisiert Happe.

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[1] Vgl. https://www.tagesschau.de/ausland/tornados-jemen-101.html

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    Moritz Schröder-Therre
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