Die Waffen meiner Bank

Wenn es um ihre Geldanlagen geht, sind sich die meisten Deutschen einig: Die Waffen- und Rüstungsindustrie soll nicht dabei sein. Die Banken haben erste Konsequenzen gezogen, sie verfügen heute fast alle über Rüstungsrichtlinien. Doch die sind oft so vage, dass sie kaum etwas ausschließen. In einer neuen Studie von urgewald und Facing Finance belegen die Organisationen, dass die meisten Banken kaum Skrupel kennen bei der Wahl ihrer Kunden. Finanzierungen für Militärflugzeug- und Atomwaffenhersteller wie Airbus sind ebenso an der Tagesordnung wir Kredite an Waffenexporteure wie Rheinmetall, BAE Systems oder Heckler & Koch.

Zwar sprechen sich Banken oft gegen die direkte Finanzierung von Exporten in Spannungsgebiete aus. Allgemeine Unternehmenskredite stellen sie den Konzernen jedoch ohne Bedenken zur Verfügung. Mit diesem Finanzierungsumweg unterlaufen Banken quasi ihre eigenen Richtlinien und geben Rüstungsunternehmen die Spielräume, die sie für ihre Waffengeschäfte brauchen. 

In der Studie "Die Waffen meiner Bank" von urgewald & Facing Finance finden Sie konkretere Informationen zu den jüngsten Finanzierungen deutscher Banken für die Rüstungsindustrie sowie zu den geltenden Richtlinien (Pressemitteilung zur Studie). Die Studie zeigt auch, dass die Unterschiede vor allem zwischen konventionellen und Nachhaltigkeits- sowie Kirchenbanken in der Regel erheblich sind. Zur Untersuchung gehört auch eine Analyse der Rüstungsinvestitionen durch die größten in Deutschland gehandelten Aktienfonds - in die auch zahlreiche privaten GeldanlegerInnen Geld investiert haben. 

Die Studie erläutert zudem, wie Waffenlieferungen in Konfliktzonen nicht nur zur Ausrüstung involvierter Staaten beitragen, sondern zu Toten und Verletzten sowie Armut, Flucht und Vertreibung führen. Durch regelmäßige Kredite für die Rüstungsindustrie forcieren Banken diesen Prozess. Beliebter Kunde deutscher Banken ist z.B. der ThyssenKrupp-Konzern, einer der weltweit größten U-Boot-Exporteure. Auch Rheinmetall und seine Umgehungsstrategie deutscher Rüstungsexportgesetze findet offensichtlich großen Anklang bei deutschen Banken.

Zu einem Großteil der untersuchten Firmen unterhalten folgende Banken Geschäftsbeziehungen: die Deutsche Bank (Volumen: 1,47 Mrd. €), die Commerzbank (1,24 Mrd. €), die HypoVereinsbank/UniCredit (1,23 Mrd. €) und die Bayerische Landesbank (656 Mio. €). „Viele deutsche Großbanken haben aus Angst um ihre Reputation zuletzt Richtlinien für den Rüstungssektor verabschiedet, etwa zum Thema Streumunition. Der Praxischeck belegt: Das reicht nicht. Rüstungsgeschäfte in Konfliktregionen oder Atomwaffenhersteller etwa finanzieren sie weiterhin“, sagte Barbara Happe, urgewald-Bankenreferentin, im Rahmen der Studien-Veröffentlichung. (Mehr Informationen & Fotos zur Vorstellung der Studie in Berlin)

Weitere Informationen zu einzelnen Konzernen und ihren Geldgebern finden Sie auch in den Materialien und Redebeiträgen zu den diesjährigen Hauptversammlungen verschiedener Konzerne, vor allem zu Thyssenkrupp, Rheinmetall und Commerzbank.