Move your Money!

Die Alternativbanken: hier sind Atomfinanzierungen tabu
Die Finanzkrise hat auch ihr Gutes: das Misstrauen der Bürger/innen in die Banken wächst. Immer mehr Kunden fragen kritisch bei ihrer Hausbank nach, weil sie ihr Geld nachhaltig anlegen wollen. Viele haben den Bankencrash zum Anlass genommen den etablierten Banken den Rücken zu kehren. Sie gehen lieber auf Nummer sicher und legen ihr Geld gleich bei den Alternativbanken an. Deren Geschäftsmodelle sind bodenständig und folgen der Maxime: „Rendite gern, aber nur mit gutem Gewissen!“

„Move your Money“
Die drei großen deutschen Privatbanken sind tief in die Finanzierung von Atomkonzernen sowie anderen ökologisch und sozial problematischen Unternehmungen verstrickt. In den USA ist in Folge der Finanzkrise eine Bewegung entstanden, die Kunden auffordert, Großbanken das Geld wegzunehmen und zu Genossenschafts- und Volksbanken zu wechseln. Die Kampagne "Move your Money" will verhindern, dass man Großbanken unterstützt, die erst mit Unsummen an Steuergeldern gerettet wurden, um dann gleich wieder „business as usual“ zu machen. Move your Money fordert deshalb auf, auf kleine Banken auszuweichen, die nicht (so stark) im Investmentgeschäft verstrickt sind und andere, nachhaltige Geschäftsmodelle verfolgen. Diese Empfehlung gilt genauso für Bankkunden in Deutschland. Zeigen Sie den radioaktiven Banken die „rote Karte!“

Doch aufgepasst: es spielt eine entscheidende Rolle, wohin man wechselt. Zweifelsohne sind auch hier in Deutschland die kleinen Raiffeisen- und Volksbanken besser als ihre großen Geschwister, die tief in Atomkraft, Rüstung und ökologisch katastrophale Projekte verstrickt sind. Doch anders als beispielsweise die britische Co-operative Bank, die vom Geschäftsmodell her mit den Volks- und Raiffeisenbanken vergleichbar ist, verfügen die Volksbanken hierzulande über keine Ethikfilter für ihre Finanzaktivitäten. Und auch die Sparkassen haben erst sehr bescheidene Schritte in Richtung Nachhaltigkeit eingeschlagen, indem sie z.B. für ihre festverzinslichen Anlagen ein Nachhaltigkeitsscreening eingeführt haben. Die Zentralinstitute der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken (Landesbanken und DZ-Bank) engagieren sich in diesem Kontext bisher kaum. Wie die Bankensteckbriefe zeigen, steckt somit auch als Sparkassen- oder Volksbank-Kunde/in Ihr Geld in zweifelhaften Kreditgeschäften und Investitionen.

Richtig Sinn macht ein Wechsel dann, wenn er zu einer ethisch und ökologisch ausgerichteten Bank erfolgt. Der Markt der Alternativbanken wird in Deutschland derzeit von vier Instituten bestimmt: der Bochumer GLS Bank, der Nürnberger Umweltbank, der EthikBank aus dem thüringischen Eisenberg und der Frankfurter Triodos Bank. Zusammen kommen die alternativen Bankhäuser auf knapp 200 000 Kunden - seit Jahren wachsen sie zweistellig, da die Finanzkrise für einen kräftigen Schub gesorgt hat. Ihre Bilanzsumme lag Ende 2009 bei knapp 6 Mrd. €. Noch führen sie allerdings ein Nischendasein. Zum Vergleich: der Geschäftsbericht der Deutschen Bank wies 2008 2,2 Billionen Euro aus.

Doch Experten schätzen das Kundenpotenzial für ökologisch-ethisch ausgerichtete Geldinstitute auf 6 bis 12 Millionen Menschen für das Jahr 2020. Der Kern des Erfolgs der Alternativbanken liegt nach Einschätzung der Marktforscher darin, dass infolge der Finanzkrise soziale Lebensqualität, Umweltbewusstsein, Transparenz, Ehrlichkeit, Gemeinsinn und Sicherheit auch bei der Geldanlage an gesellschaftlicher Relevanz gewinnen.