Vattenfall's Dark Side

26. April 2016

Vattenfall steht derzeit vor allem durch den Verkauf seines Braunkohle-Geschäfts in der Lausitz im Fokus der Öffentlichkeit. Was bedeutet der Deal für die Betroffenen, Umwelt und Landschaften in der Region? Welche düsteren Geschäftspartner hat Vattenfall im Steinkohlebereich? Diese Fragen will der neue urgewald-Report "Vattenfall's Dark Side" beantworten, den wir am 26. April, einen Tag vor der Vattenfall-Hauptversammlung, im Parlament in Stockholm vorgestellt haben.

Download des Reports (Englisch)

Auf Basis der Einschätzungen des neuen Berichts kritisiert urgewald Vattenfalls Entscheidung, sein deutsches Braunkohle-Geschäft an die private tschechische Holding EPH zu verkaufen. „Vattenfall feiert sich mit dem selbstgefälligen Argument, der Verkauf werde die CO2-Emissionen seines Portfolios mindern. In Wirklichkeit ist der Verkauf Gift für die Klimaziele Deutschlands und der Europäischen Union, sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald. Vattenfalls Braunkohlekraftwerke gehörten zu den größten CO2-Schleudern der EU. „Diese nun an eine Heuschrecke zu verkaufen, deren 212-seitiger Jahresbericht das Wort „Klima“ nicht mit einem Wort erwähnt, ist unverantwortlich.“

„Vattenfall’s Dark Side“ beschreibt außerdem die weiträumige Zerstörung durch den Braunkohle-Bergbau in der Lausitz. „Vattenfall hat Dörfer, Wälder und Feuchtgebiete in Mondlandschaften verwandelt. Statt sein Versprechen zu halten diese Schäden zu reparieren, gibt Vattenfall den Schwarzen Peter nun an EPH weiter, ein Unternehmen ohne öffentliche Kontrolle, ohne Verantwortungsbewusstsein und nennenswerte Erfahrungen beim Ausgleich von Umweltschäden”, sagt Sebastian Rötters, Kohle-Campaigner bei urgewald. „Viele Menschen in der Lausitz befürchten nun, dass die von Vattenfall verursachten Schäden niemals behoben werden.“ urgewald fordert die Regierung und das Parlament in Schweden dazu auf, dem Staatskonzern den Verkauf zu untersagen.

Der Report „Vattenfall’s Dark Side“ offenbart außerdem, dass Vattenfall Steinkohle von den Kohlekonzernen Drummond und Prodeco aus Kolumbien bezieht, die in heftige Menschenrechtsverstöße in der Kohleregion Cesar verstrickt sind. Laut Zeugenaussagen haben beide Unternehmen eine paramilitärische Einheit finanziert, die mehr als 3.000 Menschen getötet und weitere 55.000 Menschen von ihrem Land vertrieben hat. Im Jahr 2006 wurde die Einheit im Rahmen einer landesweiten Demobilisierung aufgelöst. Maira Mendez Barboza, Tochter des 2001 ermordeten Kohle-Gewerkschafters Candido Mendez, sagt: „Wieso macht Vattenfall weiterhin Geschäfte mit solchen Unternehmen, obwohl diese den Opfern der furchtbaren Verbrechen seit Jahren jegliche Anerkennung und Wiedergutmachung verweigern?“

„Es ist eine Schande, dass ein Unternehmen im Besitz des schwedischen Staats weiterhin Kohle von diesen Konzernen kauft. Vattenfall sollte dem Beispiel von Dong Energy in Dänemark folgen und seine Geschäftsbeziehungen mit Drummond und Prodeco aussetzen“, sagt Sebastian Rötters.

„Der neue Bericht zeigt auch, dass das Problem nicht nur bei Vattenfall, sondern auch bei der schwedischen Regierung liegt“, ergänzt die Autorin Heffa Schücking. „Schwedens zuständiges Unternehmensministerium führt keine echte Aufsicht über das Staatsunternehmen und kontrolliert nicht die Folgen des Konzernhandelns für Umwelt und Menschenrechte. Das Ergebnis ist eine frappierende Dissonanz zwischen ‚Schwedischen Werten’ wie Menschenrechts- und -Klimaschutz und dem Geschäft von Vattenfall.”

Auf der morgigen Hauptversammlung wird sich Vattenfall daher einigen unangenehmen Fragen stellen müssen.

Download des Reports auf Englisch

Für weitere Informationen sowie Interviewanfragen:

Heffa Schücking: +49-160-96761436, heffa@urgewald.org

Sebastian Rötters: +49-163-4772758, sebastian@urgewald.org