RWE weiter auf Klimakiller-Kurs

22. April 2014

Man kann nur entsetzt sein, wie ignorant RWE den aktuellen Meldungen zum Klimawandel gegenüber steht. Als hätte der Konzern damit nichts zu tun! Dabei ist Deutschland, vor allem dank RWE der größte Produzent von Braunkohle - weltweit. Am schlechten Konzernergebnis ist laut Vorstandsvorsitzendem Peter Terium keinesfalls RWE selbst schuld, sondern die Solarbranche.

Auf der RWE-Hauptversammlung mussten sich Chef, Vorstand und Aufsichtsrat von RWE jedoch auch einige Fakten anhören, die eher das Gegenteil beweisen.

Die Rede von urgewald-Geschäftsführerin Heffa Schücking
zur Hauptversammlung von RWE am 16. April 2014:

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Heffa Schücking. Ich bin Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald und spreche heute für den Dachverband Kritische Aktionäre.
Die Krise des Unternehmens ist nicht mehr zu übersehen. Sie selbst, Herr Terium, haben sie im Handelsblatt mit den Worten umschrieben „Unser traditionelles Geschäftsmodell bricht uns unter den Füßen weg. Unsere Verschuldung passt nicht mehr zu unserer Ertragskraft.“
Eine bittere Wahrheit haben Sie aber ausgelassen – die jetzige Krise ist hausgemacht. Wer sich für die Zukunft neu aufstellen will, darf aber die Frage der Verantwortung nicht aussparen. Der Name, der sich hier geradezu aufdrängt, ist Jürgen Großmann. Er hielt die Erneuerbaren für Teufelszeug und hat dafür gesorgt, dass RWE die Energiewende verpasst hat. Stattdessen wurden Milliarden in fossile Kraftwerke investiert von denen es fraglich ist, ob sie je ihre Investitionskosten wieder einspielen werden. Nur: Jürgen Großmann hat nicht allein gehandelt. Es gab schließlich Ko-Piloten für seinen Kamikazekurs - seit 2009 gehörten Sie dazu Herr Schmitz - und es gab einen Aufsichtsrat, der diesen Kurs abgesegnet hat. Von hier unten lässt sich schwerlich ausmachen, wer im Aufsichtsrat welche Rolle gespielt hat: sehr wohl lässt sich aber feststellen, dass dieses Gremiums als Kollektiv versagt hat. Gerne hätten wir von Ihnen, Herr Schneider, als Vorsitzender und dienstältestes Mitglied des Aufsichtsrats, etwas zum Thema Verantwortung gehört. Sie haben es verpasst RWE für die Zukunft aufzustellen. Der schlechte Jahresabschluss ist nur die erste, aber vermutlich nicht die letzte Quittung für dieses Versäumnis.
Es erscheint völlig wirklichkeitsfremd in dieser Situation unseren Konzern auf der Titelseite des neuen Geschäftsberichts als „Zukunftsgestalter“ auszuweisen. Die Zukunft in die RWE investiert hat, ist das Geschäftsmodell der Vergangenheit.
Sie heißt Garzweiler und Hambach, Niederaußem und Neurath. RWE fördert rund 100 Millionen Tonnen Braunkohle im Jahr, mehr als Russland, Australien oder USA. Wir sind der weltweit größte Produzent dieses klimaschädlichen Brennstoffs und ein „global player“, wenn es darum geht, am Weltklima zu zündeln. Wer Zeitung liest, weiß, dass der Weltklimarat letzten Sonntag in Berlin seinen Sachstandsbericht vorgelegt hat. Seine Botschaft ist eindeutig: Wenn wir eine globale Temperaturerhöhung jenseits der 2° verhindern wollen, muss der Ausstieg aus der Kohle JETZT beginnen.

Noch marschiert RWE jedoch unter Ihrer Führung in eine andere Richtung, Herr Terium. Im Februar war noch die Rede von Plänen am Standort Niederaußem einen weiteren 1.100 MW Block zu bauen – das sogenannte BoA plus Projekt. Man fragt sich wofür hier das Plus stehen soll. Noch mehr CO2 Emissionen? Wir sind doch bereits Europas größter CO2 Emittent! Nein, der Weg muss ein anderer sein, und zwar einer der RWE aus der Braunkohlegrube hinausführt, statt weiter hinein. Das ist die eigentliche Herausforderung Ihrer Amtszeit.

Auch mit der gesellschaftlichen Akzeptanz der Braunkohle geht es immer weiter bergab. Die Menschen wollen nicht länger die Wunden in der Landschaft und die Umsiedlungen akzeptieren, die der Tagebau ihnen abverlangt. Energieversorgung lässt sich anders lösen.

Wiederholen Sie deshalb nicht die Fehler Ihres Vorgängers, Herr Terium. Als es um die Atomkraft ging,  hat RWE die gesellschaftliche Stimmung hartnäckig ignoriert und wurde vom Atomausstieg kalt erwischt. Nun droht beim Thema Braunkohle eine ähnliche Entwicklung.

Nun zu meinen Fragen:

1) Verfolgt der RWE Vorstand weiterhin Pläne für den Bau des BoA plus Projekts am Standort Niederaußem ? Wenn ja, warum?
2) Wie schätzt RWE die künftige Rentabilität des gerade fertiggestellten Kohlekraftwerks in Hamm-Uentrop ein. Welche Verluste drohen hier?
3) Der jüngste Sachstandsbericht des Weltklimarats fordert, dass der Einsatz fossiler Brennstoffe im Energiesektor umgehend reduziert werden muss. Sieht die neue Konzernstrategie überhaupt Reduktionen im Gesamt-CO2-Ausstoss vor? Wenn ja, erläutern Sie bitte Zeitraum und Umfang dieser Pläne.

Meine Damen und Herren, so lange Vorstand und Aufsichtsrat weder die Verantwortung für die Fehlinvestitionen der letzten Jahre übernehmen, noch eine glaubwürdige Strategie für einen klimagerechtes Geschäftsmodell entwickeln, sollten wir ihnen die Entlastung verweigern.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

Rede von Paul Corbit Brown

Guten Tag sehr verehrte Damen und Herren,
Mein Name ist Paul Corbit Brown und ich bin Sprecher von „Keeper of the Mountains“. Meine Organisation hat ihren Sitz in West Virginia in den USA, einem Bundesstaat, aus dem auch RWE einen Teil seiner Steinkohle bezieht. In West Virginia wird eine Form des Bergbaus praktiziert, die „Mountaintop Removal“ genannt wird. Das sieht so aus: (Bild)
Sie gilt als die brutalste Form der Kohlegewinnung, denn hierbei werden komplette Bergspitzen in die Luft gesprengt. In den meisten europäischen Ländern, aber auch in großen Teilen der USA, ist diese Praxis verboten.
In den Appalachen jedoch zerstörten eine Handvoll von Kohleunternehmen auf diese Weise bisher über 500 Berge und verseuchten unsere Wasserläufe mit giftigem Abraum. So sehen diese Gebiete aus: (zeigt ein Bild)
Unser Trinkwasser enthält Selen, Arsen, Cadmium, Quecksilber, Blei und viele andere Schwermetalle. So sieht das Wasser aus, das Tag für Tag aus unseren Wasserhähnen kommt:
RWE kauft Kohle aus diesen Raubbaugebieten billig ein, aber meine Familie, meine Nachbarn, alle Gemeinden, die in der Nähe dieser Abbaugebiete leben, zahlen einen teuren Preis dafür: Uns werden wertvolle Lebensjahre geraubt. Fachjournale haben inzwischen über 25 wissenschaftliche Studien über die enormen gesundheitlichen Schäden publiziert, die das Mountaintop Removal Verfahren nach sich zieht. Die Statistik sagt, dass dieses Verfahren jedes Jahr 4.000 vorzeitige Todesfälle in den Appalachen verursacht.
Irgendjemand hat mal gesagt: „Der Tod eines Einzelnen ist eine Tragödie, der Tod von Millionen ist eine Statistik“. Ich kann Ihnen versichern, dass jeder einzelne dieser Todesfälle eine Tragödie ist. Ich sehe es in meiner eigenen  Familie, ich beobachte es in der verkürzten Lebenserwartung der Menschen in all den Gemeinden in dem meine Organisation arbeitet. Hier hat fast jede Familie einen kranken Angehörigen, den sie pflegen muss.

Erst letztes Jahr hat eine nationale Kommission von Ärzten ein Moratorium für Montaintop Removal in den Appalachen gefordert. Und auch die UN-Arbeitsgruppe zu Unternehmen und Menschenrechten berichtete nach ihrem Besuch in West Virginia von signifikanten Menschenrechtsverletzungen in den Kohleabbaugebieten.

Ich frage Sie deshalb:

1) Wie viel Kohle importierte RWE 2013 aus den USA? Welcher Anteil davon
     wurde im Mountaintop Removal Verfahren gewonnen?

2) Ist RWE bereit sich ernsthaft mit den gesundheitlichen Folgen des       
    Mountaintop Removal Verfahrens auseinanderzusetzen und gegebenenfalls
    Kohle, die mit dieser Methode gewonnen wird auszuschließen? Wir würden
    gerne für Sie vor Ort eine Anhörung mit Gesundheitsexperten in West
    Virginia organisieren.

Zum Schluss möchte ich Sie als Aktionäre bitten: Unterstützen Sie unser Anliegen, damit der Kohlehunger Ihres Konzerns nicht länger Kummer und Krankheit über unsere Gemeinden bringt.

 

Rede von Nomcebo Makhubelo

Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Nomcebo Makhubelo. Ich bin aus Südafrika, und vertrete eine Jugendorganisation aus der Provinz Mpumalanga. Meine Heimatstadt ist eMalahleni, was übersetzt „Ort der Kohle“ bedeutet – alle großen Kohleexporteure betreiben ihre Minen in der Nähe oder sogar in unserer Stadt. Ein Teil dieser Kohle wird auch in den Kraftwerken der RWE verfeuert.

Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, muss ich aufpassen, wo ich herlaufe. Die Straßen werden durch die allgegenwärtigen mit Kohle beladenen LKWs unsicher gemacht. Sie verursachen Unfälle, Löcher in den Straßen und wirbeln Staub auf. So wird die ohnehin durch Kohle verpestete Luft unserer Stadt, noch schlechter gemacht. Ein großes Problem sind die ausgekohlten Minen, die, im Gegensatz zur gängigen Praxis in Deutschland, einfach sich selbst überlassen werden. Keine Kennzeichnung hält die Menschen davon ab, sich hier anzusiedeln. Doch durch den Kohleabbau ist der Untergrund instabil und ständig tun sich neue Löcher auf. Manchmal rutschen ganze Gebäude in die Tiefe. Aus den verlassenen Minen fließt außerdem das saure Grubenwasser ungehindert in Flüsse, Seen und Talsperren und vergiftet unser Trinkwasser. Was aus unseren Wasserhähnen kommt ist nicht zum trinken und nicht zum Baden geeignet. An schlechten Tagen sehen wir kleine Partikel im Wasser und können noch nicht einmal Wäsche damit waschen. Wenn wir uns baden, wird das Haar von dem Wasser spröde, bei manch einem brennt die Haut und besonders Kinder bekommen schnell Ausschlag davon. Trinkwasser müssen wir kaufen. Wenn das Geld für Wasser aus der Flasche jedoch nicht reicht oder wir das Wasser doch einmal zum kochen verwenden, bekommen wir Bauchschmerzen.

Hier in Deutschland habe ich gesehen, dass das Wasser aus den Hähnen sauber ist und es immer Strom gibt. Wir werden von der Regierung angehalten Wasser zu sparen, damit die Minen und Kraftwerke immer genügend Wasser zum verschmutzen haben. Wir, die neben dem Kohleabbau leben müssen, haben außerdem kaum Geld, um uns Strom zu leisten. Und wenn unsere Häuser durch die Sprengungen in den Minen zerstört werden oder wir unser Land verlieren, um neuen Kohleminen Platz zu machen, warten wir meistens vergebens auf eine Entschädigung. Wir zahlen tagtäglich einen hohen Preis für Ihre Kohle.

Ich würde Ihnen gerne noch mehr erzählen, aber die Zeit ist knapp, darum komme ich zu meinen Fragen:

1.Wie viel Kohle hat RWE im letzten Jahr aus Südafrika importiert und welches sind die Namen Ihrer Bezugsminen?
2. Sind Sie bereit, Lieferbeziehungen auszusetzen, wenn Ihre Lieferanten unser Grundrecht auf Zugang zu sauberem Wasser verletzen?
3. Sie kündigen in Ihrem Geschäftsbericht an, dass die Better Coal Initiative 2014 Audits in südafrikanischen Minen vornehmen wird. Sagen Sie mir bitte, wann und wo diese Audits stattfinden sollen, ob dabei auch Treffen mit den Bürgerinitiativen in Mpumalamga vorgesehen sind und ob Sie vorhaben, die Ergebnisse dieser Audits zu veröffentlichen.

Ich bin gespannt auf Ihre Antworten und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Eine Antwort:
Herr Terium sagte, die Anfrage (aus Frage 3) nach dem Treffen mit lokalen Gruppen aus Mpumalange werde weiter geleitet und sicher berücksichtigt. Wir bleiben da dran, haben heute direkt die Nachhaltigkeitsverantwortliche bei RWE kontaktiert und uns auf die o.g. Antwort bezogen.