Russisch/deutscher Atomprotest zum Tschernobyl-Jahrestag

26. April 2013

Zum Jahrestag des Unglücks von Tschernobyl freut sich urgewald über die Ankündigung der HypoVereinsbank (HVB), dass sie das neue baltische Atomkraftwerk bei Kaliningrad nicht finanzieren wird. Gleichzeitig rufen wir zu Protesten gegen die französische Bank Société Générale auf, die an der Finanzierung für das neue AKW festhält.

Die HypoVereinsbank hat bereits auf unseren Protest reagiert und am 16. April erklärt, dass sie sich nicht am Bau von zwei neuen Atommeilern in der Kaliningrader Region beteiligen wird. Sie hat verstanden, dass das Projekt mit großen Problemen und Risiken behaftet ist. Helfen Sie uns nun, dies auch der französischen Bank Société Générale klar zu machen. Rufen Sie die Bank an oder schreiben Sie. (0800 / 818 30 50) Société Générale, Neue Mainzer Strasse 46-50, 
60311 Frankfurt; info@sg-zertifikate.de

Das baltische Atomkraftwerk
In der russischen Exklave Kaliningrad zwischen Polen und Litauen will der russische Staatskonzern RosAtom zwei Atomreaktoren bauen. Beide sollen je 1109 Megawatt Leistung erbringen. Der Standort des AKW liegt nur 11 km von der Grenze des EU-Mitglieds Litauen entfernt. Die litauische Regierung hat den Standort mehrfach kritisiert und die russische Regierung wiederholt um Antworten zu Sicherheitsfragen gebeten, ohne zufriedenstellende Antworten auf die Schlüsselfragen zu bekommen.

Das AKW Kaliningrad soll in einer Region gebaut werden, die keine weiteren Stromkapazitäten benötigt, um die Versorgungssicherheit zu gewähren. Es ist geplant, den Strom in EU-Länder zu exportieren: nach Polen, Litauen (die bisher abwinken) und auch nach Deutschland.

Probleme
Die Kaliningrader Bevölkerung spricht sich mehrheitlich gegen den Bau des AKWs aus. Es fanden zahlreiche öffentliche Proteste und Demonstrationen statt. Denn die offiziellen Anhörungen von RosAtom sind eine Farce – wer teilnehmen wollte, musste seine Position vorher schriftlich darlegen, dann erst wurden Teilnehmer zur Anhörung zugelassen.

Heute, am Tschernobyl-Jahrestag protestierten Aktivisten vor einer Filiale der Société Générale in Kaliningrad.

Die Umweltverträglichkeitsprüfung des baltischen AKW entspricht den rechtlichen Anforderungen Russlands nicht:  der Bau wurde begonnen, ohne dass notwendige technische Studien oder geologische Gutachten durchgeführt wurden. Erdbebenrisiken wurden unzureichend geprüft, das Atommüllproblem ist ungelöst. Obwohl das baltische AKW in der Einflugschneise nach Kaliningrad liegt, wurde die Konstruktion des Reaktors nie auf einen möglichen Flugzeugabsturz hin untersucht.

Zudem geht die Unfallanalyse davon aus, dass sich die Auswirkungen selbst eines ernsten Unfalls nur auf das Reaktorgelände beschränken würden – es existieren somit keine Notfallpläne für die Evakuierung der örtlichen Bevölkerung.

Werden Sie aktiv!
Fordern Sie die französische Bank Société Générale auf, dem Beispiel der HVB zu folgen und den Bau des AKW nicht zu finanzieren:
Am 26. April 2013 jährt sich der Super-GAU von Tschernobyl zum 27. Mal. Rufen Sie ab dem Tag bei der deutschen Zentrale der Société Générale an und machen Sie klar, dass das Projekt des AKW Kaliningrad den Boden für das nächste Tschernobyl bereitet. (0800 / 818 30 50 ( 9 bis 20 Uhr )

Fordern Sie Société Générale dazu auf, keine Kredite für den Bau des AKWs an Rosatom zu vergeben und damit zu zeigen, dass sie das Projekt in seiner Durchführung ablehnt, so wie es schon BHP Paribas, Credite Agricole und die HypoVereinsbank getan haben.

Und falls Sie nicht anrufen möchten, schreiben Sie Société Générale Deutschland:
Société Générale

Neue Mainzer Strasse 46
50
60311 Frankfurt
Briefvorlage in deutsch.

Internationaler Protest
Mit diesem Brief haben sich bereits mehr als 90 internationale UmweltschützerInnen an Société Générale gewandt.

Hintergrund: Russischer Atomstrom für Deutschland?