Rede Almoustapha Alhacen

26. Mai 2009

Ich heisse Almoustapha Alhacen, ich komme aus Arlit im Niger, wo ich 2000 die Umweltorganisation „Agir in Man“ gegründet habe. Agir in Man bedeutet in meiner Sprache „Schutz der Seele“, weil die Radioaktivität die Seele angreift.

Die Radioaktivität entsteht beim Abbau von Uran, der in unserer Gegend 1968 begonnen hat. Damals hat man uns erzählt, dass der Uranabbau dazu führen wird, dass die Armut verschwindet und dass Arlit, eine ausschließlich für den Uranabbau gegründete Stadt, ein zweites Paris wird. Der Konzern, der in unserer Gegend Uran abbaut, heisst Areva. Von 1968 bis 2006 hat Areva 100.000 Tonnen Uran abgebaut.

Ich selbst arbeite seit über 20 Jahren für Areva und bin stellvertretender Bürgermeister meiner Stadt Arlit. Ich kenne die Situation vor Ort und die Sorgen der dortigen Bevölkerung und der Arbeiter daher sehr genau.

Heute, 40 Jahre nach Beginn des Uranabbaus in meiner Heimat, sind die Lebensbedingungen vor Ort Besorgnis erregend. Wir leben alle weitgehend ohne Strom, dafür aber mit sehr nachhaltiger Verschmutzung. Lassen Sie mich das bitte veranschaulichen:

1)    40 Millionen Tonnen radioaktive Abfälle werden unter freiem Himmel gelagert. Mit den Wüstenstürmen werden diese radioaktiven Abfälle überall hin verteilt. Da außerdem die Strassen nicht asphaltiert sind, wirbeln die Lastwagen und Busse ständig enorm viel Staub auf und verteilen die Radioaktivität weiter.

2)    Das fossile Grundwasser unserer Gegend ist zu 70% verbraucht, weil für den Uranabbau enorme Wassermengen benötigt werden. Solches fossiles Grundwasser würde 500 Millionen Jahre brauchen, um sich wieder aufzufüllen, damit ist für uns und viele kommende Generationen kein Wasser übrig.

3)    Der  Uranbergbau verschlingt enorme Wassermengen -  soviel dass  die Bevölkerung unter Trinkwassermangel leiden muss. Es gibt zu wenig Trinkwasser und das, was es gibt, ist von schlechter Qualität. Denn an manchen Orten ist das Wasser radioaktiv und chemisch belastet.

4)    Im Umkreis von 300 km um die Uranminen verschwinden immer mehr Tier- und Pflanzenarten.

5)    Wir erleben heute Krankheiten, die wir in unserer Gegend vorher nicht gekannt haben und die deutlich über dem Landesdurchschnitt liegen wie Bluthochdruck, Diabetes, Leberkrebs, Hautkrankheiten, schwierige Schwangerschaften.

Die Krankheiten und Umweltprobleme stehen in offensichtlichem Zusammenhang mit dem Uranabbau, Areva jedoch streitet das ab. Was vollkommen fehlt, ist eine wirklich unabhängige Untersuchung zu den gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen der Uranminen.

Deshalb fordern wir von Areva folgendes:

1)    Eine unabhängige Studie zur Radioaktivität aus dem Uranabbau und den daraus resultierenden Gesundheits- und Umweltproblemen.

2)    Eine Politik zur nachhaltigen Entwicklung, die mit allen Beteiligen ausgearbeitet und vereinbart wird, damit wir nicht nur die negativen Auswirkungen des Uranabbaus tragen müssen, sondern von den Gewinnen auch etwas in unserer Region ankommt.

3)    40 Million Euro sofort für die Rehabilitation der Minen.

4)    7 Milliarden Euro müssen im Betrieb zur Seite gelegt werden, um die Minen nach Beendigung des Uranabbaus zu rehabilitieren,

5)    Außerdem haben wir eine Kleinkreditbank gegründet, um den vielen Menschen zu helfen, die nach 40 Jahren Uranabbau noch ärmer sind als zuvor. Dafür brauchen wir 200.000 Euro Einlagen von großen Banken, wie denen, die Areva Geld geliehen haben.

Warum rede ich vor der Deutschen Bank über diese Dinge? Weil die Deutsche Bank Areva Geld geliehen hat. Und weil die Deutsche Bank die Pläne Arevas unterstützt, den Urananbau auch in anderen afrikanischen Ländern massiv voranzutreiben. Wenn die Deutsche Bank jedoch Profite erwirtschaften will mit Urangeschäften, dann sehen wir Sie auch in der Verantwortung, bei der Bekämpfung der gravierenden Probleme, die beim Uranabbau entstanden sind, zu helfen.

Herr Ackermann, werden Sie unsere Forderungen gegenüber Areva unterstützen? Sind Sie bereit, ihren Kunden Areva schriftlich aufzufordern, die an ihn gestellten Forderungen zu erfüllen?

Sind Sie bereit, Ihren Teil zur Beseitigung des Leids aus dem Uranabbau beizutragen und eine Einlage bei unserer Kleinkreditbank zu machen?

Vielen Dank!