Norwegen: Stand des Kohle-Divestments

8. Juni 2016

Vor einem Jahr hat das norwegische Parlament eine historische Entscheidung gefällt. Die Regierung wurde aufgefordert Kohle-Anlagen des staatlichen Pensionsfonds (GPFG) weitgehend zu beenden. Es sollen demnach alle börsennotierten Unternehmen ausgeschlossen werden, wenn sie "30 % oder mehr ihrer Aktivitäten auf Kohle basieren und/oder 30 % ihrer Einnahmen aus Kohle generieren." Das war ein wichtiger Durchbruch, da die Schwelle von 30 % einen neuen Maßstab für Divestment-Aktionen großer Investoren etablierte. Doch was ist nach einem Jahr passiert? Wie viel Wegstrecke hat Norwegen beim Kohle-Divestment noch vor sich? Um das zu beantworten, hat urgewald eine neue "To-Do-List" und ein Briefing vorbereitet.

Nur wenige Monate nach der norwegischen Entscheidung von 2015, hat sich auch die größte Versicherungsgesellschaft der Welt, die Allianz, auf den Weg gemacht und ebenfalls ein Kohle-Divestment auf Basis des 30 %-Schwellenwerts beschlossen. Andere Investoren wie KLP und Storebrand, die bereits ähnliche Schritte beschlossen hatten, haben nun ihre Schwellenwerte verschärft, um mit dem norwegischen Staatsfonds mitzuhalten.

Unser neues Briefing, das wir zusammen mit den norwegischen Gruppen Framtiden i våre hender / Future in our hands und Greenpeace Norway herausgegeben haben, stellt eine "Momentaufnahme" mit Blick auf die Holdings List des Staatsfonds von 2015 dar. Es soll zeigen, wie das weltweit größte Kohle-Divestment bisher vorankommt. Zu diesem Zweck haben wir die GPFG-Bestände vom 31. Dezember 2015 und die neuen Divestment-Richtlinien des norwegischen Finanzministeriums analysiert. Auch wenn das Divestment erst Ende 2016 abgeschlossen sein soll, wollen wir auf einige Schwächen der bisherigen Divestment-Strategie aufmerksam machen, die den Umfang und das Ergebnis des Divestments entscheidend mindern dürften, wenn sie nicht behoben werden. 

Das neue Briefing sowie die "Divestment-To-Do-List" zum Download (Englisch)