21. Januar 2011

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RWE streicht AKW-Pläne in Rumänien

Am Tag, als die deutsche Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald den Beginn einer Kampagne gegen die Beteiligung des Energieversorgers RWE am Atomkraftwerk Cernavoda ankündigte, gab der Konzern seinen Rückzug aus dem umstrittenen Projekt bekannt.

“Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung," sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald. Schließlich sei Cernavoda eins der weltweit gefährlichsten Atomprojekte. “Der Standort des rumänischen AKWs befindet sich in einer der heftigsten Erdbebenzonen Europas und der geplante Reaktortyp ist weder in USA, Japan oder Westeuropa zugelassen. Hinzu kommen schlechte Rahmenbedingungen und eine marode Bausubstanz," sagt Schücking.

In den achtziger Jahren hatte der rumänische Diktator Ceaucescu den Bau von vier Atomreaktoren am Standort Cernavoda eingeleitet. Nach seinem Sturz konnten nur zwei Reaktoren fertig gestellt werden. Im November 2008 haben jedoch RWE und fünf weitere Investoren gemeinsam mit dem staatlichen rumänischen Energieversorger eine Projektgesellschaft für die Realisierung von Cernavoda 3 und 4 gegründet. Bei den anderen Investoren handelte es sich um vier ausländische Energieversorger (ENEL, Iberdrola, CEZ, GDF Suez) und die Stahlfirma Arcelor Mittal. Mit RWE zogen sich auch zeitgleich Iberdrola und GDF Suez aus dem Projekt zurück. Die offizielle Begründung lautet, dass es zuviel “wirtschaftliche und Marktunsicherheiten gäbe." Der tschechische Energieversorger CEZ hatte seine Beteiligung an Cernavoda bereits im September 2010 aufgekündigt.

“Man fragt sich warum RWE so lange für diesen Schritt gebraucht hat," sagt Schücking. “Schon bei der RWE-Aktionärsversammlung im April 2010 hatten wir nicht nur auf die vielen Probleme des Projekts aufmerksam gemacht, sondern auch Auszüge aus einem offiziellen Inspektionsbericht der Anlage verlesen. In diesem weisen Inspekteure auf unhaltbare Baumängel hin, die zu einem schweren Atomunfall in Cernavoda führen können. RWE scheint aber immer wieder aus rein ideologischen Gründen und ohne ausreichende Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsprüfungen auf fragwürdige Atomprojekte zu setzen," stellt Schücking fest. Schließlich sei Cernavoda nun nach Belene das zweite AKW-Projekt in Osteuropa, das RWE nach jahrelangem Hin und Her von seiner Investitionsliste wieder streichen müsse.

Laut urgewald ist mit dem Rückzug von nunmehr vier Investoren die Wahrscheinlichkeit groß, dass Cernavoda 3 und 4 nicht mehr realisiert werden. “Und das ist gut so für die nukleare Sicherheit in Mitteleuropa," resümiert Schücking.

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