21. Januar 2008

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"Klimakanzlerin" Merkel kein Vorbild beim Papierkonsum

Umweltorganisationen klagen hohen und verfehlten Verbrauch der Bundesregierung an
urgewald *** ARA (Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz)

Berlin, Bielefeld, 21.01.2008 Die Antwort der Bundesregierung auf eine Bündnis 90/Die Grünen-Anfrage zum Thema „Entwicklung des Papierverbrauchs bei der Bundesregierung" stellt Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Armutszeugnis aus.

„Bundeskanzlerin Merkel verzichtet im Kanzleramt vollständig auf den Einsatz von Recyclingpapier und lässt keine erkennbaren Ziele zur Papierreduktion erkennen. Gerade von ihr als ehemaliger Umweltministerin hätten wir mehr Pioniergeist und konkrete Aktionen erwartet, um den - eigenen wie nationalen - Papierverbrauch zu senken", kommentiert Agnes Dieckmann von der Umweltorganisation urgewald die Ergebnisse der Anfrage.

Offizielle Berechnungen des Umweltbundesamtes belegen, dass bei einer Reduktion des gesamten deutschen Papierkonsums um 50% und einer 70-80%igen Einsatzquote von Altpapier insgesamt alljährlich 30.000 GWh Energie (=18% der jährlichen Gesamtenergieproduktion in deutschen AKWs) eingespart werden könnten. „Die Bundeskanzlerin nutzt hier Energieeinsparpotenziale bei weitem nicht aus - obwohl eine konsequente Kehrtwende beim Papierkonsum einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnte", erläutert Dieckmann weiter.

Seit Jahren setzen sich deutsche wie europäische Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen für einen deutlich niedrigeren Papierverbrauch sowie den größtmöglichen Einsatz von Recyclingpapier ein. Mit gutem Grund: Die Papierindustrie ist der fünftgrößter Energieverbraucher weltweit - ganz zu schweigen davon, dass mittlerweile jeder fünfte weltweit gefällte Baum zu Papier verarbeitet wird.

„Wenn nicht einmal die Kanzlerin und zahlreiche ihrer Kabinettskolleg/innen, die sich Klimaschutz und Ressourceneinsparung auf die Fahnen geschrieben haben, eine Vorbildfunktion übernehmen, wie können wir da von den Bürger/innen ein Umdenken verlangen?", fragt Monika Nolle von der Umweltorganisation ARA (Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz).

Dass es auch anders geht, macht zum Beispiel das Bundesumweltministerium vor. Dort kommt seit Jahren ausschließlich Recyclingpapier zum Einsatz. In den letzten zwei Jahren konnte der Papierverbrauch zudem um 40% reduziert werden.

Die übrigen Bundesministerien scheuen bisher davor zurück, sich zum Papiersparen zu bekennen. „Es scheint fast so, als herrsche in den Ministerien noch immer die Vorstellung vor: Nur wer fleißig druckt und kopiert und stets alle Dokumente in Papierform bei sich führt, ist gut informiert und arbeitet hart. Häufig ist gerade das Gegenteil der Fall: Der Papierflut kann nur entkommen, wer sich heute moderner Medien adäquat zu bedienen vermag - wie dies z.B. der E-Government-Pionier Estland vormacht", kommentiert Barbara Happe von urgewald.

Für internationales Aufsehen sorgte die estnische Regierung, als sie ihr gesamtes Kabinett miteinander vernetzte. Dadurch gelang es, Zeit und Geld zu sparen. Kabinettsrunden sind heute im Schnitt ein Drittel kürzer und der geringere Papierverbrauch brachte zudem eine Kostenersparnis von ca. US$ 90.000.

„Es gibt also keinen Grund, vor den immer größer werdenden Papierbergen zu kapitulieren und sich schicksalsergeben Rollkoffer für den Transport der Aktenberge zu beschaffen. Durch relativ einfache Maßnahmen wie zum Beispiel die flächendeckende Einführung von Druckern mit Duplexfunktion ließe sich der Papierkonsum deutlich senken", resümiert Happe.

Weitere Informationen:
Agnes Dieckmann, urgewald, Handy: 0178/4921363
Barbara Happe, urgewald, Handy: 0172/6814474
Monika Nolle, ARA, Handy: 0162/9054720

Hintergrundinformationen zu diesem Thema, v.a. das von zahlreichen deutschen Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen unterzeichnete „Memorandum für einen nachhaltigen Papierverbrauch in Deutschland" (Oktober 2007) können von der urgewald- und ARA-Webpage heruntergeladen werden: www.urgewald.de und www.araonline.de