31. Mai 2012

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Regine Richter

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Deutsche Bank: Aus Fukushima nichts gelernt

Zur heutigen Hauptversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt präsentiert die Umweltorganisation urgewald eine Recherche zu den Finanzdienstleistungen der Bank für die Atomindustrie nach dem Unfall von Fukushima. Dabei zeigt sich, dass die Atomkatastrophe in Japan keinen Einfluss auf die Geschäfte der Deutschen Bank hat. Untersucht wurden 46 Firmen, die im Bau und Betrieb von Atomkraftwerken aktiv sind sowie solche, die Uranabbau und -anreicherung betreiben. Seit März 2011 hat die Bank ihnen über Kredite und Ausgabe von Anleihen 878 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zudem hält sie Anleihen und Aktien von Atomfirmen in Höhe von 300 Millionen Euro und bietet rund 96 Fonds an, die Aktien- und Anleihen von Nuklearfirmen enthalten.

„Für die Deutsche Bank scheint es die Atomkatastrophe von Fukushima nicht gegeben zu haben. Unsere Recherche zeigt, dass sie den Atomsektor munter weiter finanziert. Jeder noch so strahlende Kunde ist willkommen“, bewertet Regine Richter, Energieexpertin von urgewald die Ergebnisse der Studie. Die neuen Zahlen bestätigen eine Untersuchung von 2010 bei der die Deutsche Bank Platz sieben unter den weltweit wichtigsten Nuklearbanken belegte.

Zu den Kunden, die die Deutsche Bank zwischen März 2011 und Mai 2012 mit Geld versorgte, zählen die Atomfirmen TVO in Finnland und EDF in Frankreich. Deren Europäische Druckwasserreaktor (EPR)-Projekte kämpfen mit immer neuen Ingenieur- und Bauproblemen, weshalb sich die Kosten ebenso permanent erhöhen wie sich die Fertigstellung verzögert. Auch der französische Konzern Areva, der den EPR entwickelt hat und das italienische Unternehmen Enel wurden von der Deutschen Bank mit frischem Geld versehen. Enels Tochter SE (Slovenské Elektrárne) versucht in der Slowakei die Atomreaktoren Mochovce 3 und 4 fertig zu stellen, obwohl sie nicht mit einer Sicherheitshülle ausgestattet werden können, wie sie heute für alle Reaktoren Pflicht ist.

Die Uranfirmen, die im Untersuchungszeitraum von der Deutschen Bank Finanzdienstleistungen erhielten decken 46 Prozent des Welturanmarktes ab, es handelt sich um Areva, Cameco, Rio Tinto und BHP Biliton.

„Mit Ende der Ära Ackermann sollte die Deutsche Bank sich einen Neuanfang gönnen und ihr Engagement im Atombereich überprüfen und beenden“, fordert Richter.

Ein ausführliches Briefing zu der Recherche findet sich unter http://urgewald.org/artikel/neue-recherche-zu-atomfinanzierungen-deuts

Broschüre: Deutsche Bank - Düstere Bilanz der Ära Ackemann

Kontakt:
Regine Richter, urgewald, 0170-2930725

Zur Methodik:
Banken vergeben große Kredite oft gemeinsam, als so genannten Konsortialkredit oder syndizierten Kredit. Damit wird das Risiko für die beteiligten Banken verringert. Wo die Recherche solche syndizierten Kredite fand und es keine weiteren Angaben zur Aufteilung unter den Banken gab, wurde die Gesamtsumme durch die Anzahl der Banken geteilt.

Zudem sind zahlreiche Atomunternehmen „Mischkonzerne“, die neben dem Atomsektor noch andere Kraftwerke betreiben, oder anderen Bergbau neben dem Uranabbau. Wenn es sich um Kredite für reine Atomfirmen handelt wie den französischen Reaktorbauer und Uranbrennstoffhersteller Areva, wurde die entsprechende Finanzierung zu 100 Prozent als Atomkredit gewertet. Bei anderen Unternehmen wurde die Transaktion danach bewertet, welchen Stellenwert die Atomenergie im Geschäft des jeweiligen Unternehmens ausmacht. Ein genereller Firmenkredit von beispielsweise 100 Mio. Euro an eine Firma, deren Energieproduktion zu 30% aus Atomstrom besteht, wurde der Deutschen Bank deshalb nur mit 30 Mio. Euro als Atomkredit „berechnet.“