31. Dezember 2006

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Deutsche Bank überprüft Geschäft mit dem indonesischen Zellstoff-Konzern UFS

Die Deutsche Bank legt ihr Engagement als Finanzberater (Financial Advisor) bei dem indonesischen Zellstoff-Unternehmen United Fiber System (UFS) vorerst auf Eis. Sie reagiert damit auf Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, die befürchten, dass UFS für seine Zellstoffproduktion großflächig tropischen Regenwald zerstören wird. Aus Sicht der Umweltorganisationen urgewald und ROBIN WOOD ist die Entscheidung der Deutschen Bank ein Schritt in die richtige Richtung. Damit ist das Projekt zwar noch nicht endgültig vom Tisch, aber es bietet sich die Chance, seine ökologischen und sozialen Auswirkungen eingehender zu prüfen.

UFS plant den Bau einer Zellstoff-Fabrik und eines Werkes für Holzhackschnitzel in Süd-Borneo und möchte gleichzeitig das in der Nähe dieser Fabriken gelegene Zellstoffwerk Kiani Kertas übernehmen. Die indonesische Umweltschutzorganisation Walhi kritisiert, dass eine nachhaltige Holzversorgung von UFS und Kiani Kertas nicht gewährleistet sei. Vielmehr werde der Druck auf die letzen Wälder Borneos weiter erhöht und durch die fortschreitende Waldzerstörung vielen Menschen vor Ort die Lebensgrundlage entzogen.

Die Deutsche Bank war von UFS als Financial Advisor beauftragt worden, den Zukauf der Zellstoff-Fabrik Kiani Kertas zu koordinieren. Nachdem dies bekannt geworden war, schrieben ROBIN WOOD, urgewald und Watch Indonesia! einen Protestbrief. Als das größte deutsche Finanzinstitut nicht auf die Kritik einging, demonstrierten am 10. November Aktivisten von ROBIN WOOD mit einer Kletteraktion an der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt gegen deren Verwicklung in den Regenwaldraubbau. Nach einer Verhandlungsrunde und etlichen Telefonaten will die Deutsche Bank das UFS-Geschäft nun auf den Prüfstand stellen und sich noch im Dezember ein weiteres Mal mit VertreterInnen von Umweltorganisationen treffen. "Until this meeting Deutsche Bank is willing to keep the discussion with UFS on hold [Bis zu diesem Treffen ist die Deutsche Bank bereit, die Diskussion mit UFS auf Eis zu legen]", heißt es in einer Erklärung der Deutschen Bank.

"Nach den bitteren Erfahrungen mit den Fehlinvestitionen in die indonesische Zellstoff-Firma Asia Pulp and Paper, die riesige Flächen Regenwald zerstört und seit 2001 ihre Schuldenzahlungen eingestellt hat, muss die Deutsche Bank nun zeigen, ob sie aus ihren Fehlern gelernt hat", sagt Lydia Bartz von urgewald.

Pro Jahr werden in Indonesien rund 2,8 Millionen Hektar Regenwald gerodet. 70 Prozent des Holzes, das in Indonesien für die Zellstoffproduktion verwendet wird, stammt aus dem Regenwald. Laut Berechnungen des "Center for International Forestry Research" sind überdies 40 Prozent der Einschläge für die Papier- und Zellstoffproduktion in Indonesien illegal. Die indonesischen Zellstoffwerke mit ihren extremen Überkapazitäten konzentrierten sich bisher vor allem auf die zweitgrößte Insel des Landes, Sumatra. Allein für die Zellstoff- und Papierproduktion wurde dort in den 90er Jahren eine Fläche von 835.000 Hektar Naturwald gerodet. Sumatras Tieflandregenwälder sind heute zum größten Teil zerstört. Nun soll auch Borneo geplündert werden.

"Wir sind überzeugt, dass die KundInnen und AktionärInnen der Deutschen Bank nicht damit einverstanden sind, wenn ihr Geldinstitut Geschäfte mit dem Raubbau am Regenwald macht" sagt ROBIN WOOD-Tropenwaldreferent Peter Gerhardt. "Wir begrüßen den Dialog mit der Deutschen Bank und sind zuversichtlich, dass sie ihrer Verantwortung gerecht wird und sich endgültig aus diesem Projekt zurückzieht."

Weitere Informationen:
Lydia Bartz, urgewald-Waldreferentin, Tel. 02583 / 10 31
Peter Gerhardt, ROBIN WOOD-Tropenwaldreferent, Tel. 040 / 380 892 18