Deutsche Bank: Kulturwandel nicht in Sicht!

„Gibt es irgendeinen Skandal in dieser Welt, in den die Deutsche Bank nicht verwickelt ist?“ Diese Frage stellte ein Vertreter von Privatanlegern auf der diesjährigen Hauptversammlung der Deutschen Bank im Mai 2014 und brachte damit den Unmut von Aktionären und Gesellschaft auf den Punkt.

Der deutsche Bankenprimus sieht sich mit einer ganzen Reihe von Skandalen und juristischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Die Liste der Verfehlungen reicht von spekulativen Zinswetten, Manipulationen des LIBOR-Zinses über Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit CO2-Zertifikaten bis hin zur Verstrickung in zahlreiche Umweltskandale.

Auch zwei Jahre nach dem Führungswechsel an der Spitze des größten deutschen Bankhauses, hat sich der viel beschworene Kulturwandel hin zu einer nachhaltig agierenden und ethisch verantwortungsvoll handelnden Bank in keiner Weise vollzogen.

Darüber können auch die ca. 20 Selbstverpflichtungen zum Thema Nachhaltigkeit, die das Bankhaus unterzeichnet hat, sowie neue Leitlinien zu sensitiven Sektoren, nicht hinweg täuschen. Auswirkungen auf die Vergabepraxis hat das bisher nicht. Im Gegenteil: Die Deutsche Bank unterhält weiter Geschäftsbeziehungen zu Kunden, die bei anderen Finanzdienstleistern längst auf dem Index stehen.

Deutsche Bank: Partner für Umweltverbrecher

Die Deutsche Bank präsentiert sich gern als Klimaschützer und Klimabotschafter. Gleichzeitig gehört sie zu den Top-Finanziers des Kohlebergbaus weltweit. Zwischen 2005 und Januar 2014 hat sie großen Kohleunternehmen weltweit zu fast 15 Milliarden Euro verholfen. Dabei schreckt sie vor der Finanzierung umstrittener Unternehmen wie Coal India oder Glencore nicht zurück, die massive Umweltzerstörungen und Klimaschäden verursachen. Auch hält sie an der Finanzierung von Unternehmen fest, die besonders schädliche Abbaumethoden im Kohlebergbau anwenden, wie v.a. das Sprengen von Bergkuppen (Mountain Top Removal). Derartige Techniken und die Unternehmen, die darin verstrickt sind, stehen bei anderen Finanzdienstleistern längst auf dem Index.
Weitere Informationen unter: Banking on Coal
Weitere Informationen zu Coal India
Hier finden Sie die Redenbeiträge der Hauptversammlungen
Video: Beitrag WDR-Markt "Deutsche Bank - Image und Realität" weiterem indischen Bankkunde Vedanta.

Deutsche Bank: Hausbank für Nuklearfinanzierungen

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima hat die Deutsche Bank für ihre Atomfinanzierungen eine neue Leitlinie verabschiedet. Diese enthält jedoch keine klaren Ausschlusskriterien, sondern dient anscheinend primär dazu, neue Atomgeschäfte zu rechtfertigen. Unser Praxischeck zur Finanzierung besonders problematischer Atom- und Uranbergbauunternehmen zwei Jahre nach Fukushima, 2013, hat in diesem Kontext ergeben, dass die Deutsche Bank weiterhin an der Finanzierung besonders kontroverser Unternehmen wie Areva oder Rio Tinto festhält. Andere Finanzdienstleister haben den Unfall von Fukushima und die deutsche Energiewende zum Anlass genommen, sich zumindest aus der Finanzierung von AKW-Neubauten prinzipiell zu verabschieden oder Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen, die Uranbergbau betreiben, einzustellen.
Briefing Was haben deutsche Banken aus Fukushima gelernt?

Deutsche Bank: Geld für Rüstung
Aufgrund massiver NRO-Kampagnen und später als andere Banken hat sich die Deutsche Bank im Jahr 2012 größtenteils aus der Finanzierung von Streumunitionsherstellern zurückgezogen. Darüber hinaus schließt sie lediglich direkte Finanztransaktionen im Zusammenhang mit Atomwaffen und Landminen aus. Diese Richtlinie hindert die Deutsche Bank jedoch nicht daran, weiterhin umfassende Finanzbeziehungen zu Herstellern von Atomwaffen zu unterhalten. Nach aktuellen Recherchen ist sie massiver und vielfältiger als andere deutsche Finanzinstitute in die Finanzierung von Unternehmen verstrickt, die u.a. Atomsprengköpfe, nukleare U- Boote, Panzer o.ä. herstellen oder instand halten. Im globalen Vergleich nimmt die Deutsche Bank nach den Ergebnissen der ICAN-Studie „Don´t bank on the bomb 2“ aus dem Jahre 2013 weltweit Platz 20 ein – in Europa belegt sie Platz 3. Sie hat 10 Atomwaffenkonzernen mittels Krediten oder mit der Ausgabe von Anleihen mit Kapital versorgt. Wichtige Kunden aus der Branche sind Northrop Grumman, BAE Systems und die Airbus Gruppe.

Darüber hinaus unterhält die Deutsche Bank weiterhin finanzielle Beziehungen zu deutschen Rüstungsfirmen wie Rheinmetall, die Waffen in Länder wie Saudi-Arabien, Katar oder Indonesien liefern (wollen), die Menschenrechte missachten.
PM vom 10.10.2013 Das Geschäft mit der Massenvernichtung – Investitionen deutscher Banken in Atomwaffenhersteller
Aktionswoche Atomwaffen

Drei Beispiele von vielen
„Banken müssen Umwelt und Menschenrechte bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen“, fordert urgewald-Mitarbeiterin Dr. Barbara Happe. „Als ethisches Mindestmaß muss es klare Ausschlusskriterien geben: kein Geld für Klimasünder, schwerwiegende Umweltschädigungen, geächtete Waffen und Rüstungslieferungen in Krisengebiete.“