Rede von Dr. Barbara Happe, Deutsche Bank HV 2009

26. Mai 2009

Sehr geehrter Herr Dr. Ackermann, sehr geehrte Damen und Herren im Vorstand der Deutschen Bank,

mein Name ist Dr. Barbara Happe und ich arbeite seit nunmehr 10 Jahren bei der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald.
Seit Jahren beschäftigen wir uns mit den Finanzierungen der großen deutschen Privatbanken – und in den letzten Jahren vermehrt mit Ihrer Bank, der Deutschen Bank. Und das, weil sie häufiger als andere in fragwürdige, ja skandalöse Finanzierungen verstrickt ist.

Seit Jahren sind wir im Dialog mit der Deutschen Bank: wir kennen alle Ihre Hochglanzbroschüren zum Thema „Unternehmensverantwortung“ und werden auch informiert, wenn Sie, Herr Ackermann, zu Nachhaltigkeits-Themen Reden halten. Man versichert uns auch immer wieder, dass Ihnen, Herr Ackermann, CSR sehr am Herzen liegt, dass die Deutsche Bank die einzige Deutsche Bank ist, bei der das Thema ökologische und soziale Nachhaltigkeit direkt beim Vorstandschef angesiedelt ist. Und natürlich wird immer wieder darauf verwiesen, dass Maßgabe allen Handelns ist, kein Geschäft zu tätigen, das den guten Ruf des Hauses schädigen könnte. 

Schöne Reden, Herr Ackermann. Doch wie heisst es so treffend in Goethes Faust: „Die Botschaft hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube“! Und das v.a., weil es der DB an Bereitschaft und Willen fehlt, sich auch im alltäglichen Finanzgeschäft ökologisch und sozial verträglich aufzustellen.

Herr Ackermann, zur letzten Hauptversammlung haben wir eine Broschüre veröffentlicht mit problematischen Finanzierungen Ihrer Bank in Entwicklungsländern. Darin verweisen wir auf Finanzierungen für Unternehmen, die als Umweltsünder und Menschenrechtsverletzer par excellence gelten und die deswegen bei anderen Großbanken längst auf dem Index stehen.

Es sind hier heute Vertreter aus Indien und dem Niger da, die die weite Reise auf sich genommen haben, um konkret über ihre leidvollen Erfahrungen mit Deutsche Bank-Geschäftspartnern zu berichten.

Bis heute haben wir keine offizielle Reaktion auf unsere Broschüre erhalten. Bis heute hat die DB nicht die Notwendigkeit gesehen, an ihrem ökologischen und sozialen Risikomanagement etwas zu ändern. Andere Banken, zu denen wir ähnliche Broschüren erstellt haben, haben Konsequenzen daraus gezogen und ihre Umweltrichtlinien überarbeitet und veröffentlicht. Warum ist die Deutsche Bank nicht lernfähig?

Herr Ackermann, halten Sie das Risikomanagement der Deutschen Bank in ökologischen und sozialen Fragen wirklich für risikofest trotz aller Kritiken, denen sie ausgesetzt sind? Sie hatten jetzt ein Jahr Zeit, sich mit den von uns thematisierten fragwürdigen Finanzierungen auseinander zu setzen. Hand aufs Herz: würden Sie heute genauso handeln? Halten Sie alle der dort thematisierten Finanzierungen auch heute noch für ökologisch und sozial vertretbar?

Und bitte, jetzt nicht fadenscheinige Ausrede, dass Sie zu einzelnen Kunden nichts sagen können. Andere Banken geben auch Auskünfte darüber, wenn sie zu konkreten Geschäften befragt werden. Und bitte auch nicht der Verweis darauf, dass sich alle ihre Geschäftspartner an die international gültigen Weltbankstandards halten. Denn sie stehen bei anderen Finanzdienstleistern gerade deswegen auf dem Index, weil sie diese Standards eben nicht einhalten.

Die Deutsche Bank präsentiert sich gerne als Umweltvorreiter unter den Deutschen Banken. Doch der Praxistest zeigt: das Gegenteil ist der Fall. Wir organisieren seit nunmehr fast zwei Jahren regelmäßig Dialoge zwischen NRO und Banken zu Nachhaltigkeitsthemen und präsentieren dort die fortschrittlichsten Ansätze von Banken zum besseren öko-sozialen Risikomanagement beim Finanzierungsgeschäft. Die Deutsche Bank konnten wir bisher nie als Redner einladen – weil sie hier zu den Schlusslichtern und nicht zu den Vorreitern gehört.

Herr Ackermann, Ihnen ist es doch sonst so wichtig, die Deutsche Bank zu einer Premiummarke, zu einer Art Banken-Weltmeister zu machen. Warum ziehen Sie nicht anderen international führenden Banken nach und verabschieden verbindliche hochwertige ökologische und soziale Kreditvergaberichtlinien, die sie dann auch veröffentlichen? Warum können sie nicht auch öffentlich NEIN sagen zu bestimmten Kunden und Geschäften?

Glaubwürdig können Ihre Nachhaltigkeitsanstrengungen erst dann werden, wenn sie konkrete und verbindliche Richtlinien für Ihr Alltagsgeschäft einführen und diese auch an ihre Kunden weitergeben.

Wie gesagt – mir fehlt mittlerweile der Glaube an die Reformwilligkeit der Deutschen Bank. Deswegen bitte ich Sie, liebe Aktionäre und Aktionärinnen, mit mir gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen.

Vielen Dank!