Rede von Branislav Kapetanovic

26. Mai 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Branislav Kapetanovic und ich bin hier als Vertreter der Cluster Munition Coalition. Dies ist ein Bündnis von 350 Organisationen aus 90 Ländern. Wir setzen uns ein für ein Verbot der Herstellung, des Handels und des Einsatzes von Streumunition. Ich bin froh, dass ich heute hier zu Ihnen sprechen darf, denn die Deutsche Bank ist ein wichtiger Finanzierer von Streumunition weltweit.

Viele Jahre habe ich als ausgebildeter Minenräumer gearbeitet. Diesen Beruf habe ich ausgeübt, bis ich bei der Räumung von Streubomben des Typs BLU 97 schwer verletzt wurde. Es ist nicht ungewöhnlich, dass erfahrene und gut ausgebildete Minenräumer bei ihrer Arbeit verletzt werden. Dies zeigt umso deutlicher, wie gefährlich diese Waffen sind. Zum Beispiel wurden im letzten Jahr mehr als 30 Experten bei ihrem Einsatz im Libanon getötet. Sie kamen aus aller Welt, um dabei zu helfen, durch Streubomben kontaminierte Gebiete zu säubern. Wenn selbst exzellent ausgebildete Minenräumer bei ihren Einsätzen verletzt werden oder sterben können, was bedeutet das erst für unschuldige Zivilisten und Kinder, die nicht wissen, was Streubomben sind, aber in kontaminierten Gebieten leben? 95 % der Opfer von Streubomben sind Zivilisten, rund ein Drittel sind unschuldige Kinder. Die Hauptwirkung dieser Waffen ist die Tötung und Verkrüppelung von Tausenden unschuldiger Menschen, manchmal lange nach dem das eigentliche Kriegsgeschehen vorbei ist.

Ich habe selbst lange genug erlebt, wie gefährlich und desaströs diese Waffen sind. Als Minensucher konnte ich viele tausend Unschuldige retten und so meinen Beitrag im Kampf gegen diese monströsen Waffen leisten. Nach meiner Verletzung habe ich mich entschieden, gemeinsam mit der Cluster Munition Coalition weltweit gegen Herstellung, Einsatz und Verbreitung von Streumunition zu kämpfen und auch dabei haben wir, Gott sei Dank, Erfolge zu verzeichnen.

108 Länder weltweit haben mittlerweile die internationale Konvention zur Ächtung von Streumunition unterschrieben. Auch Deutschland gehört dazu. Seit August 2010 ist diese Konvention nun in Kraft. So eine Konvention zu unterzeichnen, nimmt die Unterzeichnerländer in die Pflicht, alle darin enthaltenen Bedingungen zu respektieren und zu erfüllen und nicht nur bestimmte Teile. Jedes gegensätzliche Handeln bedeutet faktisch eine Missachtung dieser internationalen Übereinkunft.
Die Deutsche Bank bekennt sich als eine der größten Banken weltweit zu den globalen Menschenrechten. Zum Kundenkreis der Deutschen Bank jedoch gehören auch heute noch wichtige Streumunitionshersteller. Ich glaube, ich bezeichne Streubomben zu Recht als eine der monströsesten Waffen der Welt und frage mich und auch Sie: braucht die Deutsche Bank wirklich Kunden, die diese ungeheuerlichen Produkte herstellen?

Ich komme zu einer weiteren wichtigen Frage: Herr Ackermann, wie viele Geschäfte haben Sie seit dem 01. August 2010 mit Streumunitionsherstellern gemacht. Warum finanziert die Deutsche Bank immer noch die Hersteller dieser Waffen, obwohl andere Banken diese Unternehmen nicht mehr finanzieren? Andere namhafte Finanzinstitute haben sich längst gegen diese moralisch inakzeptable Geschäftspolitik entschieden wie z.B. die Commerzbank.

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre, lassen Sie mich folgendes sagen: diejenigen, die Streumunitionshersteller finanzieren, verstoßen damit gegen das internationale Menschenrecht, denn mit der internationalen Konvention ist Streumunition ein geächtetes Produkt, ein Produkt, das weltweit großes Leid verbreitet.

Die Streubombe, die mich verwundet hat, wurde von der Firma Alliant Techsystems hergestellt. Diese Firma gehört zu den Kunden der Deutschen Bank. Dieser Streubombentyp BLU 97 gehört weltweit zu den schlimmsten Streubombentypen überhaupt und wird auf allen internationalen Konferenzen als abschreckendstes Beispiel genannt.

Auch wenn ich nun viele unschöne Dinge aufgezeigt habe, in die die Deutsche Bank verwickelt ist, bin ich aber nicht hergekommen, um Sie anzuklagen.

Ich bin hier, weil ich an Ihre Menschlichkeit glaube und an diese appellieren möchte. Meine Bitte: lernen Sie vom Schicksal vieler tausender ziviler Streumunitionsopfer. Verzichten Sie auf todbringende Rendite und steigen Sie aus dem Geschäft mit Streumunitionsproduzenten und –händlern aus. Tun Sie dies, weil Sie ehrenwerte Menschen sind, tun Sie dies aus Respekt vor anderen unschuldigen Menschenleben und bitte tun Sie dies jetzt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit