Newsletter Juni 2011

30. Mai 2011

Liebe Freundinnen und Freunde,
wieder ein urgewald-Newsletter, denn wir freuen uns heute über einen sehr großen Erfolg. Wie sagt man so schön? „Wir haben einen Tanker bewegt...“ Lesen Sie selbst:

Übersicht Themen & Termine:

  1.  „Deutsche Bank – Leistung aus Leidenschaft“ oder weiter „Deutsche Bank – Leistung, die Leiden schafft.“ Ist nun endlich Schluss mit der Finanzierung von Streubomben?
  2. Antwort auf unsere Frage nach der geschätzten Höhe möglicher Schäden bei einem Reaktorunglück: „Wir rechnen nicht mit einem Zwischenfall in einem unserer Kernkraftwerke“. Ach so... ! Welcher Energieversorger war das wohl?
  3. Fernsehtipp der Woche: "Stresstest für die Atomkraft - Fukushima und die Folgen.“ ZDF, Mittwoch 22:45 Uhr
  4. Spenden heißt: „Weitermachen!“
  5. Warendorfer Bürgerbegehren: Unterschreiben gegen RWE als Netzbetreiber

1. „Deutsche Bank – Leistung, die Leiden schafft.“
Hauptversammlungen von Banken und Konzernen sind Veranstaltungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur wenige lassen Nicht-Aktionäre „live“ teilhaben, z.B. via Internet. Meistens wird lediglich die Rede des Vorstandsvorsitzenden übertragen, was danach passiert, bekommen Nicht-Aktionäre erst am Tag danach gefiltert durch die Presse mit.

Letzte Woche Donnerstag, Hauptversammlung bei der Deutschen Bank, wir waren als Aktionäre in Frankfurt dabei. Das Motto der Veranstaltung: „Erfolgreich in unsicheren Zeiten.“ Deutsche Bank-Chef Ackermann prahlt mit der guten Geschäftslage: Erfolgreich sei die Bank durch die Finanzkrise gekommen und mit dem Zukauf der Postbank das Privatkundengeschäft im deutschen Markt wieder lukrativ. Die Bank fördert ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf vorbildliche Weise, baut die weltbesten Öko-Bürotürme und verhält sich ansonsten wie ein guter Unternehmensbürger. „Kein Geschäft der Welt ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen“ – jedes Jahr dieselbe Floskel.

Erfolgreich in unsicheren Zeiten -  für uns ein Slogan mit Beigeschmack. Zu einigen „erfolgreichen“ Finanzierungen der Deutschen Bank sahen wir in den letzten Monaten schockierende Bilder: die außer Kontrolle geratenen Atomreaktoren in Fukushima und die durch Bombardierung mit Streumunition zerstörte Stadt Misrata in Libyen. Ökonomisch vielleicht profitabel, ethisch und ökologisch sind sie ein Fiasko.

Bei Skandalgeschäften wie diesen streitet die Deutsche Bank bisher jede Mitverantwortung ab:

  • Sie ist Geldgeber von TEPCO, dem Betreiber der japanischen Skandalreaktoren, obwohl bekannt war, dass TEPCO 20 Jahre lang Sicherheitsberichte gefälscht und Reparaturen nicht ausgeführt hat.
  • Sie ist Geldgeber der spanischen Firma Instalaza SA, Hersteller der Streumunition, mit der im April Gaddafi auf Wohngebiete in Libyen schießen ließ. Mit weiteren Herstellern von Streumunition, wie z.B. den Firmen Textron oder Alliant Techsystems unterhält die Deutsche Bank enge Geschäftsbeziehungen.
  • Als einzige deutsche Bank hat sie den „Energiepolitischen Appell“  mit unterzeichnet, der für längere AKW-Laufzeiten geworben hat. Die Deutsche Bank ist die radioaktivste Bank Deutschlands. Keine andere Bank hat die Atomindustrie mit mehr Investitionskapital ausgestattet. Sie vertreibt sogar “Nuclear Power Index Zertifikate“, mit dem der Anleger „unbegrenzt am Kernenergieboom partizipieren soll... „

Erfolgreich waren in diesem Jahr zur Hauptversammlung jedoch unsere Proteste und Redebeiträge. Wir konfrontierten die Deutsche Bank mit einem, der weiß, wie fatal und zerstörerisch Streumunition ist: Branislav Kapetanovic, er ist beim Minenräumen von einer Streubombe fast getötet worden. Er wurde gerettet, verlor aber Arme und Beine und kämpft seitdem gegen den Einsatz dieser völkerrechtlich geächteten Waffen.

Hier ein Auszug aus seiner Rede:
„Ich bin einer von vielen gut ausgebildeten und erfahrenen Minensucher die bei ihren Einsätzen verkrüppelt wurden. Was ist aber erst mit der Zivilbevölkerung oder mit Kindern, die nicht wissen was Streubomben sind und in kontaminierten Gebieten leben? 95% der Opfer von Streubomben sind Zivilisten, rund ein Drittel sind Kinder. (...)  Die Streubombe, die mich am 9. November 2000 verkrüppelt hat, wurde von der Firma Alliant Techsystems hergestellt. Sie ist nur eine von vielen Streumunitionsherstellern, die zum Kundenkreis der Deutschen Bank gehören. Ich bin aber nicht hergekommen, um Sie anzuklagen, sondern weil ich an Ihre Menschlichkeit appellieren will. Lernen Sie von dem Schicksal der über 100.000 Streumunitionsopfer. Verzichten Sie auf todbringende Rendite und steigen Sie jetzt aus dem Geschäft mit Streumunitionsproduzenten und -händlern aus.“

Erstmals zeigte sich Bank-Chef Ackermann sichtlich betroffen „Es ist schlimm, was Ihnen passiert ist. Streumunition finde ich persönlich auch nicht gut...“ lautete zunächst seine ausweichende Antwort. Und man müsse die angesprochenen Geschäftsbeziehungen „evaluieren“...

Dann trat urgewald-Banken-Campaignerin Barbara Happe mit folgenden Worten ans Rednerpult: „Herr Ackermann, wir reden seit Jahren mit Ihrer Bank über Streumunition. Wie lange wollen Sie da noch warten? Andere Banken sind längst aus der Finanzierung von Streumunitionsherstellern ausgestiegen. Es ist nicht die Zeit zu evaluieren, es ist Zeit zu handeln!“

Erst dann kam der entscheidende Satz von Herrn Ackermann: „Wir werden ernsthaft prüfen, aus der Finanzierung von Mischkonzernen, die Streumunition herstellen auszusteigen. Ich bin zuversichtlich, dass wir Ihrem Antrag folgen werden“.

Insider aus der Bank gratulierten uns, denn sie gehen davon aus, dass Ackermann nun ernst macht und die Finanzierung von Streumunitionsherstellern beendet. Nach vier Jahren urgewald Kampagne endlich ein durchgreifender und wichtiger Erfolg, der zeigt, dass sich selbst Deutschlands „Bankentanker“ bewegen lässt. Nun sollte es ein leichtes sein, auch kleinere Banken (wie etwa die Landesbanken Bayern und Baden-Württemberg) zu einem Ausstieg aus der Finanzierung dieser perfiden Waffen zu bewegen.

Bitte unterstützen Sie uns bei dieser wichtigen Aufgabe, spenden Sie:
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2. Des Rätsels Auflösung: Bei E.ON rechnet man nicht mit einem Atomunfall...
Dass die großen Energieversorger nichts aus Fukushima gelernt haben, zeigte sich auch bei unserem Besuch der E.ON Hauptversammlung. Dort fragten wir den E.ON Vorstand, wie hoch er die potentiellen finanziellen Folgekosten im Fall eines schweren Atomunfalls in einem der E.ON Atomkraftwerke in Deutschland beziffert - oder ob E.ON es so wie TEPCO vor dem 11. März hält und sich darüber keine Gedanken macht. Wir mussten die Frage vier Mal stellen, bevor E.ON Chef Teyssen uns endlich folgende Antwort gab: "Wir rechnen nicht mit einem Unfall in einen unserer Atomanlagen." Wie gesagt: Nichts dazu gelernt - dementsprechend plant E.ON auch neue AKWs in Frankreich, Finnland und Großbritannien.

3. urgewald erneut Gesprächspartner in ZDF-Dokumentation
Mittwoch den 1. Juni, 22.45 Uhr im ZDF: Dokumentation "Stresstest für die Atomkraft - Fukushima und die Folgen." Die Reporter fragen, wie nachhaltig Fukushima die Zukunft der Kernenergie in Deutschland beeinflusst. Sie sprachen mit denjenigen, die darüber entscheiden und denen, die mit dieser Entscheidung werden leben müssen. urgewald-Geschäftsführerin, Heffa Schücking war eine der Gesprächspartnerinnen. Unser Fernsehtipp! Mittwoch spät schauen, Donnerstag ausschlafen – Feiertag!!


4. Spenden heißt: „Weitermachen!“
Ob wir es schaffen, weitere Atomgefahren abzuwenden, unethische Finanzierungen bekannt zu machen und Menschen wie Branislav Kapetanovic bei Verantwortlichen Gehör zu verschaffen, hängt auch von Ihnen ab:  Ohne Ihre Hilfe geht es nicht – bitte helfen Sie mit Ihrer Spende oder einer Fördermitgliedschaft. Unabhängige Arbeit braucht unabhängiges Geld – Danke!

Eine weitere herzliche Bitte: Helfen Sie, unsere Informationen weiter zu verbreiten und empfehlen Sie uns Ihren Freunden/KollegInnen. Nutzen Sie dafür auch Ihre und unsere Facebook-Seiten! urgewald e.V. bei Facebook:
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5. Warendorfer Bürgerbegehren: Unterschreiben gegen RWE als Netzbetreiber
Gerne unterstützen wir diese lokale Initiative, an der sich allerdings nur Warendorfer BürgerInnen beteiligen können. Sie wollen RWE den Netzbetrieb entziehen und stattdessen einen Netzbetreiber beauftragen, der in öffentlicher Hand ist. Die Unterschriftenliste und die Adresse einer lokalen Kontaktperson finden Sie im Anhang. 
 

Es grüßt ganz herzlich,

Heffa Schücking

Urgewald e.V.
Von-Galen-Straße 4
D-48336 Sassenberg
Tel. +49-2583-1031
Fax  +49-2583-4220

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