Newsletter August 2011

11. August 2011

Liebe Freunde und Freundinnen,
wir beglücken Sie heute mit einer kleinen Rückschau und mit Neuigkeiten - trotz Sommerloch. Viel Spaß beim Lesen und besseres Wetter,

wünscht das urgewald Team.

KIRCHENTAG
Beim Kirchentag in Dresden präsentierte urgewald gleich mehrere Themen und Kampagnen, z.B. "Stromwechseln hilft", bei denen unsere Partner wie z.B. Terre des Femmes, Misereor, ARA, die Albert Schweitzer Stiftung mit einem Energieprojekt vom Stromwechsel profitieren.
Begehrt waren unsere Informationen zu den Atombanken, die mit der Broschüre "Wie radioaktiv ist meine Bank?" Verbraucherinnen über die Verstrickung deutscher Banken mit der Atomwirtschaft informiert. Unsere Alternativempfehlungen und Tipps zum Wechseln der Bank zeigen, dass jede/r selbst entscheiden kann, welche Art von Wirtschaft mit dem Bankkonto und dem Gesparten unterstützt wird.

Auf dem Podium zum Thema Ethik in der Finanzwirtschaft hatte urgewald-Mitarbeiterin Barbara Happe viele ZuhörerInnen auf ihrer Seite, als sie sich mit einem Deutsche Bank-Vorstandsmitglied ein Wortgefecht lieferte, das übrigens "mit einem klaren Punktsieg" für urgewald endete, wie ein Zuschauer anschließend kommentierte.

Im Rahmen der 'AG Tschad' zeigte urgewald gemeinsam mit Misereor, Brot für die Welt, Eirene und anderen Organisationen die Wanderausstellung "Ölbiographien". Auf zwölf Einzelporträts werden Menschen in der tschadischen Erdölregion Doba vorgestellt. Während des Kirchentages gab es außerdem mehrere Veranstaltungen mit Gästen aus dem Tschad, sowie Filmvorführungen.

DEUTSCHE BANK UND STREUMUNITION
Nach unserem Besuch der Hauptversammlung der Deutschen Bank scheint das jahrelange Ringen um das Thema Streubomben bei der größten deutschen Bank bald ein Ende zu haben... Eine verbindliche Aussage gibt es aber hierzu nicht und natürlich sind Streubomben lediglich "die Spitze vom Eisberg". Bei uns stehen nun die nächsten Schritte an: Banken wie z.B. Landesbank BW, Bayern LB, Nord LB die (noch) Streumunition im Portfolio haben, müssen jetzt überzeugt werden. Wir werden weiter den Druck erhöhen und gegen Ende des Jahres mit einer Recherche überprüfen, ob Zusagen eingehalten werden.

Wir wollen zudem ein gesetzliches Verbot jeglicher Unterstützung von Streumunitionsherstellern erreichen. Dazu organisiert urgewald ein Treffen deutscher Parlamentarier mit KollegInnen aus Luxemburg, Österreich und Irland, die ein gesetzliches Verbot bereits realisiert haben.

BANKENDIALOG "KLIMAKILLER KOHLE"
Anfang Juli fand unser Bankendialoggespräch nun zum 6. Mal statt. Alle großen Banken aus Deutschland, aber mittlerweile auch aus Österreich und der Schweiz nehmen mit Interesse an den Dialogrunden teil. Neben themenspezifisch ausgewählten Referenten aus dem NRO-Bereich laden wir Vertreter fortschrittlicher Banken ein, die über ihre "best practice"-Ansätze auf Policy-Ebene und Erfahrungen in der Umsetzung berichten. Zum diesjährigen Thema "Klimakiller Kohle" haben wir, wie auch schon zu anderen Themen vorher, eine ausführliche Recherche zur Involvierung der Banken im Kohle-Sektor gemacht. Problematische Finanzierungen sowie ein Blick in das Portfolio der Banken für den Sektor werden kurz vorgestellt und meist mit einem Briefing für die Banken aufbereitet. Ein wichtiger Teil des Dialogs ist die direkte Diskussion mit und unter den Banken, die ein "race to the top" initiieren soll.

IN EIGENER SACHE

  • Danke! Im Juni haben wir mit einem Brief an unsere UnterstützerInnen ausführlich über den Besuch von Branislav Kapetanovic berichtet. Nach unserer Bitte um Spenden und/oder Fördermitgliedschaften sind bis jetzt fast 80 neue Förderer dazugekommen und mehr als 20.000 Euro Spenden eingegangen! Ein ganz großes Dankeschön an Sie/Euch alle! Dank Eurer Unterstützung können wir den Spendeneinbruch vom Frühjahrs auffangen. Wir werden an Branislav Kapetanovic 1.500 Euro weitergeben und damit auch seinen weiteren Einsatz gegen Streubomben ermöglichen. Wir sind sicher, dass dies in Ihrem Sinne ist!
  • Neue urgewald-Broschüre: "Banken und Biokraftstoffe - der Biokraftstoffboom und seine Folgen." Biokraftstoffe sollen einen Teil zur klimafreundlichen Energieversorgung beitragen. Doch welche Folgen hat der Anbau von Biokraftstoffen und welche Nachhaltigkeitskriterien müssen angelegt werden, um tatsächlich eine positive Energiewende zu erreichen? Zu bestellen: https://www.urgewald.de/index.php?page=4-70-392&pb_groupID=11&outofcart=100
  • Nach einem knappen halben Jahr freuen sich unsere Partner-Projekte bereits über 7.000 Euro für ihre Energieprojekte. Sollten Sie jemanden kennen, der noch Kunde bei einem Atomkonzern ist (ja, es soll noch welche geben!), empfehlen Sie Stromwechseln hilft. Hier macht der Wechsel doppelt Sinn! www.stromwechseln-hilft.de


STRAHLENDE EXPORTE: HERMESBÜRGSCHAFTEN
Deutschland: innen hui, aussen pfui? Schwarz/gelb hatte gleich nach Regierungsantritt das Atom-Ausschlußkriterium für Hermesbürgschaften gekippt und Anfang 2010 eine Grundsatzzusage über 1,3 Mrd. Euro für das AKW Angra 3  in Brasilien gegeben. urgewald protestierte auf allen Ebenen, die Regierung bekam schlechte Presse. Umso mehr nach Fukushima, als viele Journalisten nachfragten, was das für die Grundsatzzusage bedeute. urgewald, attac und Campact  sammelten im Frühsommer 125.000 Protest-Unterschriften. Oppositionsparlamentarier erreichten, dass die Grundsatzzusage nicht automatisch verlängert wurde. Das ist ein erster, kleiner Erfolg, die Bürgschaft ist jedoch keineswegs vom Tisch. Deshalb ist es weiter wichtig, Parlamentarier mit  Angra 3 und Atombürgschaften zu quälen.

Zeigen Sie Parlamentariern den Widerspruch zwischen "Atomausstieg" und Atomexportförderung:

Sprechen Sie mit Ihren Abgeordneten: http://www.urgewald.de/index.php?page=12-199-701

Wer lieber schreibt:
Musterbrief für Abgeordnete: http://www.urgewald.de/index.php?page=12-188-694


EIN WORT ZUM WALD BEI URGEWALD
Der Waldschutz ist zu einem wichtigen Bestandteil der internationalen Verhandlungen zum Klimawandel geworden. Die Idee dahinter ist, dass die Zerstörung von Tropenwäldern ungefähr 15% aller vom Menschen verursachten Treibhausgase in die Atmosphäre schickt und eine Reduzierung der Entwaldungsraten eine kostengünstige Strategie darstellt, um unser Klima zu stabilisieren. Sie läuft unter der englischen Abkürzung REDD+ (Reduced Emissions from Deforestation and Forest Degradation) und soll langfristig über € 20 Milliarden jährlich in Entwicklungsländer mit reichhaltigen Waldvorkommen  fließen lassen damit Wälder erhalten bleiben.

Beim näheren Hinschauen stellt sich heraus, dass REDD+ komplizierter ist als es scheint. Unter den Ländern mit den größten Waldvorkommen sind die, wo Menschenrechtsverletzungen, massive Korruption und illegaler Holzeinschlag grassieren. Und wie so oft, wenn wie bei REDD+ viel Geld auf dem Spiel steht, versuchen die Mächtigen, seien es die nationalen Eliten oder internationale Banken, Hedge Funds und dergleichen,  sich die auf einmal handelbare  Ressource, in diesem Fall Wälder als CO2 Speicher, anzueignen.

Das Risiko der Vertreibung von indigenen- und anderen Waldvölkern, die den Wald über Generationen hinweg effektiv geschützt haben,  ist immens. Dabei kann nur die Anerkennung der Rechte dieser auf über 500 Millionen Menschen geschätzte Bevölkerung den Bestand der Wälder sichern und damit auch den Klimaschutz vorantreiben. Aus diesem Grund arbeitet urgewald gemeinsam mit anderen Organisationen schon seit langer Zeit daran, die Anerkennung der Rechte der Waldbewohner in den Mittelpunkt zu rücken. Und es gibt Fortschritte in diese Richtung. Im Mai diesen Jahres stellte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) ein neues Menschenrechtskonzept vor, dass das Recht indigener Völker auf ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung (free prior informed consent-FPIC)  bei allen sie betreffenden Planungen, anerkennt. Aber von guten Absichten bis zu ihrer Umsetzung ist es oft ein langer Weg.  Zum Beispiel ist das BMZ einer der größten Geldgeber für die von der Weltbank geleitete Forest Carbon Partnership Facility, die eine Vorreiterrolle bei REDD+ spielt, aber dieses Recht auf FPIC bisher nicht anerkennt.

urgewald setzt sich ein für:

  • die Anerkennung der Rechte von Waldvölkern als eine Vorbedingung für REDD+;
  • die Einrichtung von einem offiziellen Beschwerdemechanismus wenn die Umsetzung dieser Rechte nicht effektiv stattfindet,
  • die Schaffung von Lösungen für die strukturellen Ursachen der Entwaldung, die oft direkt mit dem internationalen Handel von Rohstoffen und international finanzierten Infrastrukturmaßnahmen zusammenhängen.


SONSTIGES/TERMINE
Es ist noch nicht vorbei. Fukushima ist nicht vergessen und trotz Atomausstieg bleibt für die Anti-AKW-Bewegung noch viel zu tun. Viele Menschen setzen sich für einen schnelleren Ausstieg und eine konsequente Energiewende ein. Regelmäßige Proteste:
http://www.ausgestrahlt.de/regional/regelmaessig.html

Ausserdem müssen wir deutsche Atombürgschaften verhindern, damit die Atombranche nicht in anderen Ländern weiterhin unsichere AKW´s betreiben kann, wehren wir uns gegen gefährliche Atomtransporte und ungeeignete Endlagerstätten.

Deutsche Atombürgschaften, z.B. für Brasilien:
http://www.urgewald.de/index.php?page=12-188-694

Gorleben365 – Endlagerbaustelle blockieren!
Vom 14. August an wird an möglichst vielen Tagen mit gewaltfreien Blockade-Aktionen der Baustellen-Verkehr zum Endlager-Bergwerk in Gorleben behindert.
Obwohl in Gorleben nur Erkundungsarbeiten genehmigt sind, geschieht dort tatsächlich der Endlagerausbau. Damit versucht die Regierung weiter Fakten zu schaffen und Gorleben als Endlagerstätte zu zementieren. Doch ist schon lange klar, dass der Salzstock für die Lagerung radioaktiven Atommülls völlig ungeeignet ist und die Festlegung auf den Standort rein politisch war. Im Salzstock Gorleben gibt es Wasser und Gaseinschlüsse, es wurden Dokumente bewusst geschönt.
Mit gorleben365 halten viele Menschen Tag für Tag dagegen, ein ganzes Jahr lang, immer wieder mit neuen Blockade-Gruppen. Es soll bereits Geburtstags-Blockaden geben und Protest-Tango.
http://www.gorleben365.de/aktionsideen.html

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https://www.urgewald.de/index.php?page=5-75-351

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