Landrechtskonflikte durch Zellstoffproduktion

12. Mai 2006

Tupinikim und Guarani Indianer besuchen Deutschland

Ein Reisebericht

Die Tupinikim und Guarani Indianer leben im Südosten Brasiliens. Im Januar 2006 sind sie gewaltsam von ihrem Land vertrieben worden, als der brasilianische Zellstoffkonzern Aracruz die Zerstörung zwei ihrer Dörfer veranlasste. urgewald hat daraufhin in Kooperation mit Robin Wood zwei Vertreter der Indigenen nach Deutschland eingeladen, um die deutsche Öffentlichkeit und Entscheidungsträger über ihre Situation zu informieren. Denn die Verknüpfungen nach Deutschland sind zahlreich: Papierfabriken in Deutschland beziehen Zellstoff von Aracruz, Privatbanken sind finanziell involviert und Deutschland stimmt einem Weltbank/IFC—Kredit an Aracruz zu.

Häuptling Paulo Henrique Vicente de Olivira und Häuptling Werá Kwaraí reisten vom 1.-11. Mai durch Deutschland und trafen sich mit Medien, NROs, Parlamentariern, dem BMZ und deutschen Abnehmern von Aracruz Zellstoff. Drei Schwerpunkte der Reise waren:

  • Gespräche und die Auseinandersetzung mit Papierproduzenten in Deutschland, die Zellstoff von dem brasilianischen Konzern Aracruz beziehen
  • Schul-Aktion mit der Initiative 2000 plus
  • Gespräche mit dem BMZ und Parlamentarierinnen

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung durch die Heinrich-Böll-Stiftung.

Indianer fordern Photopapierproduzent Felix Schoeller zu der Anerkennung ihrer Landrechte auf
Die Felix Schoeller Group ist langjähriger Kunde bei Aracruz. Sie stellt u.a. Photopapiere für bekannte Namen wie Kodak und Agfa her. Obwohl Felix Schoeller bereits vor vier Jahren durch urgewald und einem Vertreter des brasilianischen „Netzwerks gegen die Grüne Wüste“ ausführlich über die Umweltdelikte von Aracruz und die sozialen Konflikte informiert worden war, hat Felix Schoeller bisher keine Konsequenzen gezogen. Die Tupinikim und Guarani forderten Felix Schoeller in dem Gespräch am 3. Mai auf sich endlich öffentlich zu positionieren, ihre Rechte anzuerkennen und von ihrem Zulieferer Aracruz die Rückgabe der 11.009 ha indigenen Landes einzufordern.

Wir erwarten von Felix Schoeller, dass sie nicht länger ihren Zellstoff von einem Unternehmen beziehen, der den Indianern ihr Land raubt und durch eine illegale Aktion ihre Dörfer räumen lässt und zerstört.

Protest vor Tempo-Werk von Procter&Gamble
Procter&Gamble ist zusammen mit Kimblerly&Clark Hauptabnehmer des Aracruz Zellstoffs in Europa. urgewald initiierte daher zusammen mit Robin Wood eine breite Tempo-Kampagne. Am 4. Mai blockierten Robin Wood Aktivisten das Tempo-Werk in Neuss.

Wir fordern Procter&Gamble auf nicht länger Zellstoff von einem Unternehmen zu beziehen, der den Indianern ihr Land raubt und durch eine illegale Aktion ihre Dörfer räumen lässt und zerstört.

Pressemitteilung: Landraub in Brasilien für Taschentücher, Neuss vom 4. Mai 2006