Kurische Nehrung durch russischen Ölkonzern Lukoil bedroht.

14. Juli 2004

Weltkulturerbe Kurische Nehrung durch russischen Ölkonzern Lukoil bedroht.

Im Juli 2004 hat das Unternehmen Lukoil 22km vorm Welterbe und Nationalpark Kurische Nehrung mit der kommerziellen Ölförderung im D6 Ölfeld begonnen. Vorausgegangen waren breite Proteste, bei denen vor den Risiken für das sensible Ökosystem gewarnt wurde. Zudem richtete sich die Kritik gegen die Praktiken von Lukoil: der Konzern nutzte seine Größe und seinen Einfluss, um ohne Transparenz und hinreichendeBürgerbeteiligung das Ölförderprojekt genehmigen zu lassen und zu realisieren. Eine grenzübergreifende, internationale Umweltverträglichkeitsprüfung wurde nicht durchgeführt, obwohl die Hälfte der Nehrung litauisch ist. Nachdem bereits mehrere Millionen Euro investiert wurden, um nachhaltigen Tourismus für die Region zu entwickeln, bedroht ein Ölunfall neben dem Ökosystem auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor.

Das Welterbe Kurische Nehrung
Bei der russisch-litauischen Kurischen Nehrung handelt es sich um eine 98 Kilometer lange Sandbank, welche das Kurische Haff von der Ostsee abtrennt. Wegen ihrer langen und sich bis zu 70 Meter auftürmenden Sanddünen erreichte die Halbinsel internationale Berühmtheit. Daneben finden sich Feuchtwälder, Wiesen, Moore und Schilfgebiete, die die Nehrung zu einem bedeutenden Rastplatz für den Vogelzug machen. Aufgrund der außergewöhnlichen Naturschönheit und Einzigartigkeit wurde die Kurische Nehrung 1987 zum Nationalpark erklärt, seit 2000 gehört sie zum Welterbe der UNESCO.

Risiken und Gefahren
Für die Region birgt die Ölförderung zahlreiche Risiken, als schlimmstes den Verlust des Nationalparks Kurische Nehrung. Zudem ist selbst im Falle eines unfallfreien Betriebs der Bohrinsel von Verlusten in der Fischereiindustrie auszugehen, was mehrere hundert Arbeitsplätze bedroht. Neue Jobs für die Kaliningrader jedoch entstehen nicht durch das D6-Projekt. Das regionale Investitionsklima ist durch das Lukoil-Engagement geschädigt. Von Umsatzrückgängen in der Fremdenverkehrsbranche ist auszugehen. Erst im Juli 2003 waren die Strände der Region aufgrund einer Ölverschmutzung aus unbekannter Quelle auf einer Strecke von 100 km zwei Wochen für die Feriengäste unbenutzbar.

Im Falle einer Ölverschmutzung sind sowohl russische als auch litauische Hoheitsgewässer und Küsten bedroht. Die Projektinformationen von Lukoil enthalten keinerlei Szenarien, welche die internationalen Konsequenzen eines Unfalls berücksichtigen, internationale Konventionen hierzu werden nicht beachtet. Dabei bedroht das Projekt neben der Kurischen Nehrung die gesamte Ostsee: Die Baltische See hat eine geringere Regenerationsfähigkeit, da aufgrund der geographischen Lage der Wasseraustausch mit den Weltmeeren nur in begrenztem Ausmaß stattfindet. Die Ostsee weist heute schon eine überdurchschnittliche Verschmutzung auf. Die durch das D6-Projekt erhöhte Ölverschiffung steigert das Risiko von Unfällen. Wegen der hohen Sensibilität des Ökosystems Ostsee treten Umweltschützer dort für ein generelles Ölförderungsverbot ein.

Finanzierung
Lukoil ist ein russischer Konzern, erhält jedoch seine Finanzen auch aus internationalen Quellen. So gewährte im November 2003 ein internationales Bankenkonsortium dem Unternehmen einen Kredit über US$ 765 Mio. mit einer Laufzeit von 5-7 Jahren, der den lang- bis mittelfristigen Finanzierungsbedarf des Ölkonzerns absichert. Als „lead arranger“ fungierten die holländische ABN AMRO und die US-amerikanische Citigroup. Teil des Konsortiums waren deutsche Banken, sowohl solche, die sich zu den Equator Prinzipien bekennen (Hypovereinsbank, WestLB,Dresdner Bank mit der Dresdner Kleinwort Wasserstein), als auch andere (Commerzbank, DeKa-Bank, DZ-Bank, Bayerische und Hessische Landesbank).