Hauptversammlung Deutsche Bank 2009

26. Mai 2009

Rede von Samarendra Das, Journalist und Filmemacher aus Indien

26.5.2009, Frankfurt/M.

Sehr geehrter Herr Ackermann, sehr geehrte Damen und Herren in Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank,

mein Name ist Samarendra Das. Ich komme aus Orissa an der Ostküste Indiens. Meine Heimat ist reich an Bodenschätzen wie z. B. Kohle, Bauxit, Chrom & Aluminium und an Waldbestand. Aber leider ist Orissa trotzdem einer der ärmsten Bundesstaaten Indiens – nach Angaben der Regierung leben fast 50% der Landbevölkerung in Orissa unterhalb der Armutsgrenze.

Warum das so ist – liegt daran, dass in meiner Heimat die Ausbeutung der Bodenschätze auf Kosten der dort lebenden Menschen und der Umwelt erfolgt. Die Zahl der lokalen Gruppen und Organisationen, die sich gegen die Zerstörung unserer Heimat zur Wehr setzen, wächst kontinuierlich. Ich selbst engagiere mich seit vielen Jahren in solchen Organisationen.

Das größte Problem für Mensch und Umwelt in meiner Heimat stellt der Bergbausektor dar.

Es ist bekannt, dass der Bergbausektor zu den umweltschädigendsten Industriezweigen überhaupt gehört. Anders als im westlichen Europa, kommt es in Ländern wie dem meinen  hinzu, dass Landrechts- und Umweltgesetze ganz oft missachtet werden. Bergbauunternehmen werden nicht daran gehindert Ureinwohner aus ihrer Heimat zu vertreiben und Gewässer und Trinkwasserquellen zu verseuchen. Dafür werden sie meist nicht zur Rechenschaft gezogen.

Ich spreche heute hier auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank, weil die Deutsche Bank seit Jahren den wohl größten Umweltverbrecher in Orissa, das Bergbauunternehmen Vedanta finanziert.

Vedanta und seine Tochterfirma Sterlite Industries sind seit einigen Jahren in Orissa aktiv. Sterlite Industries errichtete dort eine Aluminiumhütte, überging dabei aber alle Vorgaben der indischen Umwelt- und Indigenengesetzgebung: Menschen wurden  vertrieben, Wälder wurden abgeholzt und mit dem Bau der Industrieanlage wurde begonnen, ohne dass die entsprechenden Genehmigungen vorgelegen hätten.

Wer sich länger vor Ort aufhält, stellt fest, dass die Umweltverschmutzung enorm ist. Es staubt überall – die mit Schwermetallen belastete Flugasche der Fabrik verseucht unsere Gewässer. Die Zahl der Hauterkrankungen hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Nun plant das Unternehmen zu expandieren: für die Versorgung ihrer Aluminiumhütte mit Bauxit will Vedanta eine riesige Bauxit-Mine errichten.

Dagegen streiten wir seit vielen Jahren. Dieses Projekt darf nicht umgesetzt werden: nicht nur umfangreiche Waldbestände sind in Gefahr – hier steht v.a. das Leben der Ureinwohner/innen der Dongria Kondh auf dem Spiel. 6000 dieser Indigenen leben am Nyamgiri-Berg, der nach dem Willen der Vedanta für die geplante Bauxit-Mine dem Erdboden gleichgemacht werden soll. Ich habe immer wieder mit vielen der Dongria Kondh gesprochen: für sie ist der Nyamgiri Berg ihr wichtigstes Heiligtum und Zentrum ihrer Kultur – wird er vernichtet, bedeutet dies die Zerstörung ihrer Lebens- und Kulturgrundlage. Seit Monaten organisieren die Dongria Kondh Protestaktionen gegen die Pläne Vedantas, machen Blockaden, um Fahrzeuge des Konzerns am Eintritt in ihre Heimat zu hindern. Doch die Vedanta scheint dies alles einfach zu ignorieren.....

Herr Ackermann, Ihre Bank ist Deutschlands führendes Bankhaus. Sie sagen immer wieder, dass „kein Geschäft der Welt es wert ist, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen“. Ich frage Sie, auch im Namen der Dongria Kondh, glauben Sie, dass die Unterstützung dieses skrupellosen Bergbauunternehmens nicht den Ruf Ihrer Bank gefährdet? Sind monatelange Proteste, ist die Vertreibung von Indigenen und die Verseuchung von Trinkwasser für Sie kein Grund, aus Finanzierungen auszusteigen? Als Bank unterstützen sie diverse Kulturprojekte, wollen Sie tatsächlich eine so alte Kultur, wie die der Dongria Kondh zerstören? Welche Unterstützung bietet die Deutsche Bank den Dongria Kondh? Was tut die Deutsche Bank, zum Schutz der Kultur, zum Schutz der Menschen und zum Schutz der Umwelt bei diesem Projekt?

Liebe Aktionäre und Aktionärinnen,
ich wende mich auch an Sie als Aktionäre und damit Besitzer der Deutschen Bank und bitte Sie heute um Ihre Hilfe und Unterstützung.

Vedanta ist einer der schlimmsten Umweltsünder weltweit. Nicht nur in meiner Heimat, auch anderswo hat sich das Unternehmen einen Namen als Wasservergifter gemacht: für den Betrieb der Kupferhütte Tuticorin im indischen Bundesstaat Tamil Natu wurde Vedanta vom Obersten Gerichtshof in Indien verurteilt, weil es auf ganzer Linie gegen die Regeln zur Entsorgung gefährlicher Abfälle verstoßen hatte. In Sambia, wo Vedanta die Konkola Kupfermine betreibt, ist der Kafue Fluss so stark belastet, dass 75.000 Anrainer ihre wichtigste Trinkwasserquelle verloren haben.

Andere Finanzdienstleister (wie der staatliche Norwegische Pensionsfonds) haben Vedanta daher aus ihrem Portfolio gestrichen, weil die systematischen Umwelt- und Menschenrechtsvergehen des Unternehmens untragbar seien. Warum beendet die Deutsche Bank nicht endlich Ihre Geschäftsbeziehungen mit diesem Kunden? Ich bitte Sie inständig darum: hören Sie endlich auf, Vedanta aus wirtschaftlichen Rentabilitätsgründen als Top-Anlage an die Kunden bringen zu wollen.

Und bitte speisen Sie uns jetzt nicht mit beruhigenden Pauschalantworten ab á là: „wir haben Vedanta überprüft und Vedanta hält alle wesentlichen Weltbank- und UN-Standards ein.“ Ich habe Ihnen berichtet, dass dem nicht so ist und bei anderen Finanzdienstleistern steht Vedanta gerade deswegen auf dem Index, weil es diese allgemein anerkannten grundlegenden Umwelt- und Menschenrechte nicht einhält. Warum prüft die Deutsche Bank an dieser Stelle nicht genauer die korrekte Einhaltung von Standards?

Liebe Aktionäre und Aktionärinnen,

ich bin mir sicher, dass keiner von Ihnen Vedanta unterstützen würde, wenn es um Ihre Heimat ginge. Helfen Sie daher bitte mit, weitere zerstörerische Projekte dieses Konzerns aufzuhalten – für unser aller Zukunft, aber v.a. für die der Dongria Kondh.

Vielen Dank!

 

 

 

urgewald besucht mit ausländischen Gästen die Hauptversammlung der Deutschen Bank. Auf dem Bild: Simone Lennerz, die den Redebeitrag von Samarendra Das in der deutschen Übersetzung hält.