Hauptversammlung Commerzbank

25. Mai 2012

"Die Region, in der ich lebe, ist eins der ältesten und schönsten Gebirge der Welt. Doch die Kohleindustrie hat aus meiner Heimat ein Notstandsgebiet gemacht. Tagtäglich setzt sie 3 Millionen Kilo hochexplosiven Sprengstoff ein, um unsere Berge in Schutthaufen zu verwandeln. Sie setzt Giftstoffe frei, die auf unsere Gemeinden herabregnen. Giftstoffe, die Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder krank machen oder gar sterben lassen. Mountaintop Removal Bergbau heißt diese brutalste Form der Kohlegewinnung. Und sie wird leider von der Commerzbank finanziert."


Bob Kincaid Welch (USA), übersetzt von Birthe Frenzel, urgewald

Auch in diesem Jahr besuchte urgewald wieder die Hauptversammlung der Commerzbank. Zum einen wollten wir noch einmal versuchen Eingeständnisse zum Thema Finanzierung von Atomkraft zu bekommen. Außerdem war es uns wichtig, die Vorwürfe von ican (international campaign to abolish nuclear weapons), nach denen die Commerzbank auch an der Finanzierung der internationalen Atomwaffenherstellung beteiligt ist, auf der Hauptversammlung zu thematisieren.

Unser Hauptanliegen war in diesem Jahr jedoch – wie auch schon bei RWE, E.ON & Allianz – die Investitionen der Commerzbank im Kohlebereich. Wie auch bei anderen Unternehmen beschränken sich die Maßnahmen der Commerzbank zum Klimaschutz leider nur auf interne Handlungen. Geht es um Finanzierungen, steht die Commerzbank weltweit auf Platz 21, der Banken, die über Anleihen, Aktien, Kredite etc. die Kohleindustrie finanzieren. Zwischen 2005 und 2010 waren es Finanzdienstleitungen von etwa vier Milliarden Euro.

Kohle trägt entscheidend zum Klimawandel bei und der Abbau von Kohle geht mit massiven Menschenrechtsverletzungen einher und zerstört die Landschaft und damit oft die Lebensgrundlage Indigener Menschen.

So hatten wir auch diesmal wieder Gäste eingeladen, die über die Folgen des Kohleabbaus, teilweise aus persönlicher Erfahrung, berichten können. Der erste Redner aus unserer Runde kam glücklicherweise relativ früh zu Wort. Pfarrer Werner Huffer-Kilian berichtete über die katastrophalen Bedingungen in den Kohleminen in Kolumbien und über die Vertreibung der indigenen Bevölkerung, der Wayuu.

Danach kamen erst einmal einige aufgebrachte Aktionäre zu Wort. Wütend waren sie, da die Commerzbank trotz Rettung durch den Staatsfond immer noch an Wert verliert. Sie machen dafür die Misswirtschaft durch Herrn Blessing verantwortlich, der immer wieder aufs falsche Pferd setze insbesondere auf die Dresdner Bank. So konnte den Aktionären zum wiederholten Male keine Dividende ausgezahlt werden und trotzdem gibt es eine Gehaltserhöhung für Herrn Blessing. Kaum verwunderlich also, das einige Aktionäre fordern, Herr Blessing und der Aufsichtsratvorsitzende Müller sollen zurück treten.


Itan Kussaritano (Indonesien), übersetzt von Kathrin Petz, urgewald

Trotz der sehr aufgeheizten Stimmung im Saal hatten die Redebeiträge unserer Gäste die gewünschte Wirkung. Es sprach, wie schon bei der Allianz, Herr Itan Kussaritano zu den Kohleminen in Kalimantan, Borneo. Außerdem war diesmal auch Herr Bob Kincaid Welch zugegen, der die katastrophalen Auswirkungen des „Mountain Top Removal“ in der Appalachen Region beschrieb.

Für die Kritischen Aktionäre sprachen außerdem Herr Markus Dufner und Alfred Weinberg. Katrin Ganswindt räumte letztlich das Feld von hinten auf und forderte, nachdem die Konsequenzen der Kohleinvestitionen ja bereits von Betroffenen dargelegt wurden, eine Strategie zur Umsetzung der wohlklingenden Leitlinien zu Bergbau sowie eine Ausdehnung der Klmiaschutzpolicy auf das Portfolio der Commerzbank.

Die ausweichenden Antworten von Herrn Blessing sowie die Unkenntnis über unseren zuvor gestellten Gegenantrag von Herrn Müller, lassen darauf schließen, dass der schlechte Aktienkurs gerade alle anderen Sorgen überschattet. Darum war es wichtig auf der Hauptversammlung auf unsere Themen aufmerksam zu machen, was uns einige der anwesenden Aktionäre bestätigten. Wir werten aufgrund dieser Rückmeldungen diesen Versammlungsbesuch als Erfolg und danken insbesondere unseren Gäste für die Teilnahme.

Redebeitrag Bob Kincaid Welch (USA)
Redebeitrag Pfarrer Werner Huffer-Kilian (Deutschland)
Redebeitrag Itan Kussaritano (Indonesien)


Alfred Weinberg, ausgeco2hlt    


Pfarrer Werner Huffer-Kilian, BUND-Koblenz

Rede Bob Kincaid Welch (USA), übersetzt von Birthe Frenzel, urgewald