Great Bear Rainforest Abkommen

10. Februar 2006

Teile des Great Bear Rainforest in Kanada geschützt

- doch Deutschland importiert weiterhin Zellstoff aus Urwaldzerstörung

Ist jetzt alles in Ordnung?

Diese Frage stellen uns UmweltschützerInnen und VerbraucherInnen in Deutschland, wenn sie die jüngsten Berichte über das Schutzabkommen in Kanada lesen.

Nach jahrelangen Protesten von Indianervölkern und Umweltorganisationen gegen die Zerstörung des einmaligen Küstenregenwaldes sind nun endlich weitere Urwaldgebiete im Great Bear Rainforest unter Schutz gestellt worden. Am 7. Februar 2006 trat das Abkommen zwischen Provinzregierung, Holzkonzernen, Umweltorganisationen und einigen First Nations (Indianerstämmen) zum Schutz des Gerat Bear Rainforest in Kraft.

Geschützt und gerettet?
1,8 Millionen Hektar des Great Bear Rainforest sind unter Schutz gestellt. In diesem Gebiet, knapp ein Drittel des gesamten Great Bear Rainforest ist der Holzeinschlag eingestellt worden. Der Zerstörung durch Bergbau wurde bislang jedoch kein Riegel vorgeschoben.

Die anderen zwei Drittel stehen dem Holzeinschlag weiterhin offen. Diese Gebiete sollen zukünftig nach Grundsätzen einer ökologischen Forstwirtschaft (ecosystem based management EBM) bewirtschaftet werden. Die Richtlinien hierfür sind noch nicht abschließend definiert und werden erst ab 2009 implementiert sein. Bis 2009 ist der Kahlschlag in intakten Urwaldtälern weiterhin möglich.

urgewald setzt sich seit über 10 Jahren in enger Zusammenarbeit mit den Nuxalk Indianern für den Schutz der Urwälder in Britisch Kolumbien ein. Wir begrüßen die Unterschutzstellung von Urwaldgebieten im Great Bear Rainforest, sehen das Abkommen jedoch kritisch.

Für den langfristigen Schutz zu klein!
Denn zwei Drittel dieses einzigartigen Ökosystems, dass wenn es einmal zerstört ist sich nicht wieder regeneriert, stehen dem Holzeinschlag weiterhin offen. Das ein Drittel große Schutzgebiet ist wissenschaftlichen Studien zur Folge zu klein, um langfristig das Überleben von bedrohten Tieren, wie z.B. dem Grizzly Bär, zu sichern. Die meisten Wildflüsse mit Lachsvorkommen befinden sich außerhalb der Schutzgebiete und sind weiterhin durch den Holzeinschlag bedroht (David Suzuki Foundation, Pressemitteilung 7. Februar 2006). Darüber hinaus sichert das Abkommen den Holzkonzernen das Recht zu, auch in Zukunft Urwald im Great Bear Rainforest abholzen zu dürfen, und stärkt dadurch ihre Macht über Land und Ressourcen.

Der Raubbau für Papier geht weiter
Deutschland bleibt in der Verantwortung: Die Zerstörung der Regenwälder an Kanadas Westküste ist durch das Abkommen nicht gestoppt. Deutschland beziehen nach wie vor große Mengen Zellstoff aus Britisch Kolumbien. Es ist nicht in Ordnung, dass Urwälder in Kanada und anderswo für unseren Papierverbrauch abgeholzt werden. Vielen Gebieten im Great Bear Rainforest und im Nuxalk Territorium , auf Vancouver Island , im Inland-Regenwald oder im Norden Britisch Kolumbiens sind noch immer die Zerstörung durch den Holzeinschlag bedroht.

Schutz der Wälder nur durch nachhaltigen Papierkonsum möglich!
Erst wenn die Nachfrage nach Zellstoff sinkt, reduziert sich der Druck auf die Urwälder in Kanada. Deutschland muss daher seinen Papierverbrauch drastisch reduzieren. Die Zellstoffimporte aus Kanada sollten durch vermehrten Einsatz von Altpapier und Zellstoff aus heimischer Produktion ersetzt werden. Insbesondere in Zeitschriften- und Katalogpapier, in dem der kanadische Zellstoff u.a. landet, sollte der Altpapieranteil erhöht und auf Importe aus kanadischen Urwäldern verzichtet werden.

Teile des Great Bear Rainforest in Kanada geschützt
Deutschland importiert jedoch weiterhin Zellstoff aus Urwaldzerstörung

Die Nuxalk kritisieren das Abkommen unter anderem, da zwei Drittel des Great Bear Rainforest ungeschützt bleiben und weiter dem Holzeinschlag zur Verfügung stehen. Hier eine kritische Sicht des Great Bear Rainforest Schutzabkommen von Chief Qwatsinas, Vertreter der traditionellen Nuxalk (House of Smayusta).