Deutsche Bank: Die Abrechnung

31. Mai 2012

Wie seit vielen Jahren, war urgewald auch in diesem Jahr wieder auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 31.05.2012 in Frankfurt, um die verheerenden ökologischen und sozialen Folgen ihrer Geschäfte anzukreiden. Auch diesmal hatten wir wieder Gäste aus besonders betroffenen Regionen eingeladen, die dem Vorstand, dem Aufsichtsrat und den Aktionären ein Bild der Lage vor Ort zeichneten.

Da es die letzte Hauptversammlung mit Josef Ackermann als Vorstandschef war, ging es vor allem darum, Bilanz zu ziehen. Wir wollten aber auch die zukünftige, neue Doppelspitze mit Jain und Fitschen auffordern, konkrete ökologische und soziale Grundsätze einzuführen und Geschäftsbeziehungen zu beenden, die gegen Menschenrechte verstoßen und die Umwelt zerstören.

Die sozial und ökologisch unverantwortlichen Geschäfte der Deutschen Bank unter der Regie von Josef Ackermann sind in der Broschüre 'Deutsche Bank: Die düstere Bilanz der Ära Ackermann' zusammen gefasst. Herausgegeben wird die Borschüre von urgewald gemeinsam mit dem Bündnis 'Andere Banken braucht das Land'.

Eigentlich wollten wir uns in diesem Jahr auf die Finanzierungen der Kohleindustrie durch die Deutsche Bank konzentrieren. Denn die Deutsche Bank ist weltweit auf Platz 6 der Finanzdienstleister, welche Firmen unterstützen die Kohle abbauen oder verbrennen und damit den Klimawandel weiter anheizen.

Leider wurde im März diesen Jahres bekannt, dass die deutsche Bank ihr Versprechen vom November 2011, aus der Finanzierung von Streubomben auszusteigen, gebrochen und neue Geschäfte mit Hersteller von Streumunition abgeschlossen hatte. Darum änderten wir unsere Pläne und nahmen die Finanzierung der Streubomben wieder mit auf die Tagesordnung.

Attac und das Bündnis 'Andere Banken braucht das Land' machten die Aktionäre schon vor der Festhalle mit Aktionen und Ständen auf die Verfehlungen der deutschen Bank aufmerksam und wir verteilten die Broschüre an die Aktionäre und Aktionärinnen.


Birthe Frenzel und Marietta Wildt (urgewald) verteilen die neue Broschüre 'Deutsche Bank: Die düstere Bilanz der Ära Ackermann, Foto: urgewald

Die Hauptversammlung begann mit langen Abschiedsreden seitens des Vorstands und dem Aufsichtsrat. Die Stimmung der Aktionäre war vor allem gegenüber des Aufsichtsratsvorsitzenden Herrn Börsig sehr gereizt, es wurde sogar beantragt ihn als Versammlungsleiter abzusetzen. Nachdem dieser Antrag abgelehnt wurde, konnte die Aussprache eröffnet werden. Sehr zum Leid unserer weit angereisten Gäste wurde die Redezeit von Anfang an auf fünf Minuten reduziert und im weiteren Verlauf des Tages auf zwei Minuten verkürzt. Wenig Zeit um unsere Anliegen rüber zu bringen. Positiv war jedoch, dass ein Großteil der etwa 70(!) Redebeiträge die Geschäfte der Bank kritisch beleuchteten. Vor wenigen Jahren waren urgewald und Markus Dufner von den kritischen Aktionären noch die einzigen Kritiker.

Zum Thema Streubomben, war wie im letzten Jahr Branislav Kapetanovic angereist. Er vertritt die Cluster Munition Coalition und ist selber Opfer einer Streubombe. Schwer enttäuscht vom Wortbruch der deutschen Bank appellierte er nochmals, jetzt vor allem an Jain und Fitschen, aus dem tödlichen Geschäft mit Streumunitionsherstellern auszusteigen und forderte, diese Firmen konsequent aus dem Kredit und Anlagen Portfolio auszuschließen.

Ackermann wich den Vorwürfen aus und meinte, die Deutsche Bank würde weiterhin an ihrem Versprechen festhalten, nur bräuchte die Umsetzung Zeit. Auf wiederholte Nachfragen zu den Neu-Geschäften nach Nov. 2011, bot Ackermann dann an, dass wir ihm die Liste mit den neuen Geschäftsbeziehungen einreichen sollten, die dann überprüft werden würden.


Branislav Kapetanovic (Serbien), Übersetzung Simone Lennerz, urgewald

Leider wird es auch weiter Hintertüren geben, so gilt der versprochene Ausstieg nicht für das Asset Management und im CSR Bericht ist zu lesen, dass der Ausstieg nicht so einfach sei und dass man ja grundsätzlich ausgestiegen sei und "in manchen Portfolios finden sich keinerlei Anteile von Unternehmen (mehr), die an der Herstellung von Streubomben beteiligt sind." Aber sie schreiben auch weiter, dass man ja Fondmanagern nicht befehlen könnte, unethische Investments aufzulösen. Schließlich müsse man bei Anlageentscheidungen auch immer den Wettbewerb bzw. den Kunden im Auge behalten. Es sei einfach nicht gut, Kunden durch Nachfragen zu verärgern, schon gar nicht, wenn es darum gehe, zu erfahren, was er denn mit einem Kredit vorhat. Wir schließen uns der 'Financial Times Deutschland' an, die diese Aussagen als eine "unsägliche Augenwischerei" kommentierte.

Rede von Branislav Kapetanovic, Cluster Munition Coalition
Rede von Barabara Happe, urgewald

Beim Thema Kohle lag unser Schwerpunkt auf deren Abbau, da dieser in den meisten Fällen mit massiven Menschenrechtsverletzungen einhergeht und die Landschaft und damit oft die Lebensgrundlage Indigener Menschen zerstört.

Ashish Fernandes von Greenpeace Indien machte in seiner Rede darauf aufmerksam, dass die Deutsche Bank als größter Finanzdienstleister von Coal India Limited, für katastrophale Zustände und teilweise kriminelle Handlungen in Indien mitverantwortlich ist. Coal India hält nahezu 90% der Kohleminen in Indien; viele davon betreiben sie illegal. Die Hauptvorkommen der restlichen Kohle liegen unter den Wäldern Zentral Indiens, Heimat großer Säugetierarten wie Tiger, Elefant und Leopard. Ashish Fernandes sprach von den zerstörenden Auswirkungen der Kohleminen auf die Natur, die Bedrohung des Tigers und die Vertreibung der Ureinwohner. Auch machte er auf die Finanzierung der Deutschen Bank von Vedanta Resources aufmerksam, eine indische Firma, die aufgrund ihrer skrupellosen Praktiken bei vielen anderen Finanzdienstleistern auf der schwarzen Liste steht.

Rede von Ashish Fernandes, Greenpeace Indien

Bob Kincaid Welch beschrieb, wie auch schon bei der Commerzbank, die katastrophalen Auswirkungen des Kohleabbaus durch  „Mountain Top Removal“ in der Appalachen Region. Ganze Berggipfel werden dafür weg gesprengt und der Schutt in die Täler gekippt. Die Anwohner vor Ort kämpfen seit Jahren mit Krankheiten, verursacht durch toxische Stoffe, die bei dem Abbau freigesetzt werden. Jährlich sterben mehrere hundert Menschen an den Folgen, auch viele Kinder sind betroffen. Die Art der Kohlegewinnung ist ineffektiv aber billig und daran verdienen Firmen wie z.B. Arch Coal und Alpha Natural Resources, alles auch Geschäftspartner der Deutsche Bank.

Rede von Bob Kincaid Welch, Gründungsmitglied der Appalachischen Kampagne Communitiy Health Emergency

Werner Huffer Kilian vom BUND Koblenz sprach zu den Auswirkungen des Kohleabbaus in Kolumbien, auch hier werden Menschenrechte mit Füßen getreten, die Natur und die Heimat der Indigenen für den Abbau von Kohle zerstört. Die deutsche Bank nimmt Platz 1 der Banken ein, die den Kohleabbau der Firmen Anglo American, BHP Biliton und Xtrata in Kolumbien finanzieren.

Kohlestudie, im urgewald-Shop erhältlich

Katrin Ganswindt von urgewald thematisierte nochmals die Atomgeschäfte der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank hat nach Recherchen von urgewald aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima nichts gelernt: Seit März 2011 hat die Bank Firmen, die im Bau und Betrieb von Atomkraftwerken aktiv sind und solchen die Uran abbauen oder anreichern, über Kredite und Ausgabe von Anleihen 878 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zudem hält sie Anleihen und Aktien von Atomfirmen in Höhe von 300 Millionen Euro und bietet rund 96 Fonds an, die Aktien- und Anleihen von Nuklearfirmen enthalten.

Pressemitteilung: Neue Recherchen zu Atomfinanzierung zeigt: Aus Fukushima nichts gelernt

Den Fragen nach Offenlegung der Geschäftspartnern und weiteres Vorgehen mit zweifelhaften Geschäftspartner wich Josef Ackermann mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis aus, auf die Frage nach Umwelt- und Sozialstandards verwies er auf ein Rahmenwerk, welches im Nachhaltigkeitsbericht erwähnt, aber nicht weiter ausformuliert wird und so wieder den Anschein einer leeren Worthülse macht, aber wir sind es ja gewohnt von der Deutschen Bank.


Heffa Schücking, urgewald

Heffa Schücking bildete den Abschluss der Aussprache und verwies dabei noch einmal auf die weiterhin bestehenden Geschäfte mit Streumunitionsherstellern. Herr Ackermann bat uns darauf hin inständig, ihm einfach zu glauben, dass es diese Geschäfte nicht gäbe. Darauf können wir nur antworten, dass wir das Glauben anderen Bereichen überlassen möchten und hier auf die Fakten bestehen. Wir werden weiter die Geschäfte der Deutschen Bank überprüfen und wenn weiter Geschäfte mit Firmen aus dem Streumunitionsbereich abgeschlossen werden, werden wir weiter damit an die Öffentlichkeit gehen. Denn dass manche Banker für das Geschäft über Leichen gehen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche!

Wir hoffen der neuen Doppelspitze sowie dem zukünftigen Aufsichtsratvorsitzenden Herr Achtleitner deutlich gemacht zu haben, dass wir nicht locker lassen werden.

Pressemitteilung
Deutsche Bank Studie: In unserem Shop erhältlich
Hier auch als Download-Version
Rundfunkbericht Deutschlandfunk vom 29. Mai 2012: Düstere Bilanz der Ära Ackermann
ONKeL fISCH bei der Hauptversammlung Deutsche Bank 2012, mit ihrem Song "Jain". Ganz Fettes Brot.